Neue Heimat für „Tatort“-Bude

Von: Werner Grosch
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„Tatort“-Kommissare vor Dom und Wurstbraterei: Die Kölner Klaus Behrendt (li, als Max Ballauf) und Dietmar Bär (re., als Freddy Schenk) mit ihren Leipziger Pendants Simone Thomalla (als Eva Saalfeld) und Martin Wuttke (als Andreas Eppler). Die Wurstbude bekommt jetzt einen fest Platz in Köln.
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Ein bisschen in die Ecke gequetscht: Im Rheinauhafen hat die „Tatort“-Bude ihre neue Heimat gefunden. Foto: Werner Grosch, dpa

Köln. Eva Vosen stand einige Male kurz davor, sich eine geheime Telefonnummer zuzulegen. „Tatort“-Fans, Reiseveranstalter und Werbeleute meldeten sich praktisch täglich. Die Frage war immer dieselbe: Wo steht die Bude? Wo kann man die Currywurst kriegen, die die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk am Ende jeder Folge dort essen?

Die Antwort war auch immer die gleiche: nirgends. Drei Jahre lang war der Imbiss eingemottet und wurde nur zwei Mal im Jahr ans rechtsrheinische Ufer gekarrt, um vor dem Hintergrund des Dom-Panoramas die seit inzwischen mehr als zehn Jahren gewohnte TV-Kulisse abzugeben. Eva Vosen hat die Telefonnummer behalten und die Anrufe erduldet, weil sie schließlich noch andere Imbisswagen hat und für ihre Kunden erreichbar sein muss. Jetzt kann sie endlich eine andere Antwort geben. Im Rheinauhafen steht die „Wurstbraterei“, linksrheinisch, ein Stück südlich der Kranhäuser und direkt neben dem Skaterpark, den die Stadt hat anlegen lassen, um die meist jugendlichen Skateboardfahrer von der Domplatte wegzulocken. Heute um 12 Uhr ist Eröffnung, Schauspieler Dietmar Bär alias Freddy Schenk wird die erste Wurst verdrücken, sogar der Oberbürgermeister kommt auf eine Pommes vorbei.

Bis vor drei Jahren hatte der Imbiss, der fast 60 Jahre alt und aufwendig restauriert ist, einen ähnlichen schönen Platz in Rheinnähe. Vor dem Schokoladenmuseum, einige hundert Meter nördlich vom neuen Standort. Dort musste er weg, weil er nicht ins Bild des Denkmalschutzes passte. Nicht wenige Kölner und Touristen haben sich in der Zwischenzeit gefragt, ob die grünliche Holzbude, die jetzt dort steht, sich wirklich harmonischer in das Ensemble einfügt.

Die Stadt erklärte schließlich, sie wolle solche mobilen Imbisse eigentlich gar nicht mehr im Stadtbild haben. Deshalb musste auch der beliebte Stand vor dem Hauptbahnhof ungeachtet aller Proteste verschwinden. Eva Vosens Ehemann Ralf Jäger hat dennoch nie aufgegeben. Unterstützung fand er bei Franz-Xaver Corneth, dem Geschäftsführer der Rheinauhafen Verwaltungsgesellschaft, der der Tatortbude als Lockmittel für Touristen unbedingt wieder einen festen Platz geben wollte. Den hat sie nun, in respektvollem Abstand zu einem denkmalgeschützten Hafenkran namens Herkules. Ein bisschen in die Ecke gequetscht vielleicht, und das führt dazu, dass die Besucher keine Fotos mit Imbiss und Hochglanzpanorama werden machen können – im Hintergrund sind nur ein bisschen Wasser und die Güterzugbrücke zu sehen.

„Schreib‘s auf, ja?“

Dennoch ist Ralf Jäger sehr zufrieden. „Ich habe viel daran gearbeitet, jetzt ist es endlich so weit.“ Und seine Frau hat schon wieder die ersten Anrufe bekommen: „Ein Busreiseveranstalter aus dem Saarland will 25 Gäste zu dem Imbiss bringen.“

Jeweils von Mai bis Oktober wird der historische Imbiss geöffnet sein. Dann gibt es Zuchthaus- und Ganoventeller, Postkarten mit „Tatort“-Motiven sind auch im Angebot. Nur im Herbst, da muss die Wurstbraterei wieder rüber ans andere Rheinufer. Und die steht da nicht nur so herum, denn der Imbiss ist dann immer auch für das Catering der kompletten Filmcrew da. „Die essen das tatsächlich, und die freuen sich immer darauf“, sagt Eva Vosen. Ihr Mann wird dann wie fast immer schemenhaft im Hintergrund zu sehen sein und für die paar Sekunden Filmsequenz einen langen Tag haben: „Unter sieben, acht Stunden geht da nichts.“ Und Freddy Schenk wird am Ende wieder sagen: „Schreib’s auf, ja?“ Bezahlt hat er noch nie.

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