Neue Größe im Parkhaus: Die breiten Plätze kommen

Von: Horst Zimmermann
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Das Parkhaus Büchel in der Aachener Innenstadt bietet nur die bislang vorgeschriebenen 2,30 Meter. Das Bild beweist, dass ein Ein- und Aussteigen angesichts der heute breiteren Wagen oft nur schwer möglich ist. Foto: Hermann
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Für künftige Parkhäuser gelten ab Januar 2,50 Meter Breite als Mindestmaß. In diesem Bonner Parkhaus gibt es jetzt sogar schon XXL-Parkplätze, die 3,50 Meter breit sind. Foto: Zimmermann

Bonn. Wegen zu enger Stellplätze in Parkhäusern und Tiefgaragen gibt es immer häufiger Ärger und nicht selten auch Dellen. Jetzt zeichnet sich Abhilfe ab. Am 1. Januar tritt in NRW als erstem Bundesland die neue Garagenverordnung in Kraft, die für neue Parkhäuser breitere Einstellplätze vorschreibt.

Im Bonner Stadtteil Bad Godesberg hat erstmals eine Tiefgarage bei einem Umbau drei Geschosse mit Plätzen von 3,50 Metern Breite eingerichtet. Wo vorher drei Plätze mit je 2,30 Metern waren, gibt es jetzt nur noch zwei Plätze.

Die Garagen-Verordnungen der Länder schreiben derzeit eine Breite von mindestens 2,30 Metern vor. „Die Autos sind heute breiter als zu der Zeit, als die meisten Parkhäuser entstanden sind“, sagt Peter Brockhaus, Chef der „Fire City Terrassen“ in Berlin, Betreiber der Bonner Parkgarage mit den XXL-Plätzen. In den meisten bestehenden Anlagen erlaubt der Abstand der Stützpfeiler keinen Wechsel zu XXL-Plätzen.

„2,30 Meter Breite sind heute nicht mehr ausreichend“, sagt Gerhard Trost-Heutmekers, Geschäftsführer des Bundesverbandes Parken in Köln. Von 2000 bis 2010 seien die Autos im Schnitt um 15 Zentimeter breiter geworden – von 1,76 auf 1,91 Meter. Neuere Zahlen gibt es nicht.

Die Dimension des Problems machen die Bestandszahlen des KFZ-Bundesamtes deutlich: Auf Deutschlands Straßen fahren heute rund 6,5 Millionen Geländewagen, SUVs und Vans. Ein VW Touareg ist mit Seitenspiegeln 2,21 Meter breit. Aber auch ein 7er BMW ist nur vier Zentimeter schmaler.

Wer das Pech hat, dass rechts und links breite Wagen parken, der kann in der Regel nicht mehr in sein Auto einsteigen, weil sich die Türen nicht weit genug öffnen lassen. So verlängert sich unfreiwillig die Parkzeit, bis der Besitzer des anderen Autos da ist. Oder es kommt zu einem Schaden am anderen Auto, weil man versucht hat, trotzdem irgendwie durch einen schmalen Türspalt ins eigene Auto hineinzukommen. Oder man legt eine akrobatische Einlage hin und klettert über den Kofferraum zum Fahrersitz.

Inzwischen bieten erste Parkgaragen wenigstens ein paar breitere Plätze, meist 2,50 Meter, für Behinderte und breitere Wagen an. Die „City Terrassen“ in Bonn bieten nun sogar drei Geschosse voller „XXL-Plätze“, die noch einen Meter breiter sind. Die Bequemlichkeit hat ihren Preis: Einen Euro kostet eine halbe Stunde parken. In den unteren Etagen sind die schmaleren Parkplätze für 70 Cent pro halber Stunde zu haben. Peter Brockhaus: „Vor allem ältere Leute, die zum Ein- und Aussteigen keine akrobatischen Kunststücke vollbringen können, sind begeistert.“ Auch beleibtere Fahrer zeigten sich begeistert.

Der Bundesverband Parken empfiehlt für Neubauten 2,50 Meter Mindestbreite, die bei einigen neuen Anlagen inzwischen eingehalten wird. Für 2,50 Meter plädiert auch der ADAC, der in einer Untersuchung ermittelte: Sieben Prozent der Autofahrer fahren, weil ihnen die Plätze zu eng sind, nie in ein Parkhaus. Und: 83 Prozent der Autofahrer wünschen sich breitere Plätze.

Das NRW-Verkehrsministerium schreibt in der neuen Sonderbau-Verordnung ab Januar für neue Parkhäuser und Tiefgaragen 2,45 Meter Mindestbreite vor. Die 15 Zentimeter mehr dürften für besonders breite Wagen das Problem kaum lösen. Sicher aber ist: die Parkgebühr für die Einstellplätze in neuen Parkhäusern wird sich dadurch – für alle Autofahrer – verteuern, da in Städten jeder Quadratmeter wertvoll ist. Und kein Parkhausbetreiber wird angesichts des Parkdrucks in den Innenstädten freiwillig bestehende Parkbuchten wegfallen lassen, um andere verbreitern zu können.

Die Fahrer breiter Wagen beklagen vor allem, dass es kein Verzeichnis der Parkhäuser gibt, die wenigstens ein paar breitere Plätze anbieten. „In der eigenen Stadt weiß man ja Bescheid, aber auf Reisen müsste man vorher alle Parkhäuser abfragen“, sagt zum Beispiel der Fahrer eines VW Touareg, der seinen Wagen auf einem der XXL-Parkplätze in Bonn abgestellt hat. Er könne auch bei 2,45 Meter Breite nicht in seinen Wagen einsteigen. Auf jeder Wagenseite zwölf Zentimeter Spielraum sei einfach zu wenig.

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