Neue Dienstwagen: Wenn der Polizist nicht ins Auto passt

Von: Madeleine Gullert
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Das ist der Neue: Seit November stellt die Polizei in Nordrhein-Westfalen auf den BMW um. Doch weil der Wagen schmaler ist, gibt es Beschwerden von Beamten. Foto: dpa

Aachen/Düsseldorf. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen wird derzeit mit neuen Dienstwagen ausgestattet. Der Neue gefällt aber längst nicht jedem. Die BMW 3er-Modelle sind für einige Beamten zu klein – beziehungsweise die Polizisten zu groß und zu schwer für die Wagen.

Seit November werden die Autos an Polizeibehörden im ganzen Land ausgeliefert. 750 wurden laut dem zuständigen Landesamt für Zentrale polizeiliche Dienste (LZPD) bereits ausgeliefert. Bis 2017 sollen sukzessive 1845 BMW die alten VW Passat ablösen. Dem weint der ein oder andere Polizist aber schon nach – auch in unserer Region.

Positiv: neuester Stand

Die Polizeibehörde in Aachen verfügt derzeit über sieben der neuen Autos. „Der Komfort ist eingeschränkt“, sagt Paul Kemen, Sprecher der Polizei Aachen. Das liege daran, dass der Wagen kleiner und kompakter sei. Wer groß und schwer sei und dann auch noch die Ausrüstung trage habe es schon unbequemer als im geräumigen Passat.

Die Polizei in Heinsberg hat im Dezember ihre ersten BMW bekommen. „Da müssen sich die Beamten noch dran gewöhnen“, sagt Sprecher Karl-Heinz Frenken. Gegebenenfalls müsse man den Wagen nachrüsten. Man beobachte jetzt, wie sich der Wagen im Einsatz bewährt. Von Problemen könne man noch nicht sprechen.

Stephan Hegger von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW sieht das etwas kritischer. Zwar sei es toll, dass es eine neue Fahrzeugflotte für die Polizei gibt, weil man immer auf dem neuesten Stand sei. Das Echo der Kollegen sei aber gemischt, und es gebe durchaus Beschwerden. „Wir müssen das jetzt beobachten“, sagt Hegger unserer Zeitung. Die Polizei in Bayern nutze den BMW und sei zufrieden. In Nordrhein-Westfalen gebe es bislang vor allem von jungen Kollegen positives Feedback, ältere seien eher unzufrieden.

Weil der Wagen tiefer liegt, kämen die Beamten schwerer aus dem Auto raus. Außerdem ist der Innenraum kleiner. Es ist also komplizierter mit der Polizeiuniform, zu der ja auch Handschellen und gegebenenfalls ein Stock gehören, in dem Wagen zu sitzen. Einige Polizisten tragen ihre Waffe an einem Holster am Oberschenkel. „Das ist wegen der breiten Mittelkonsole im BMW nicht mehr möglich“, sagt Hegger.

Auch für das Equipment fehlt der Platz. Pylonen, Feuerlöscher und alle anderen Einsatzgegenstände müssten penibel eingeräumt werden, um sie zu verstauen. Mehr als das Nötige passt nicht in den BMW.

Verhaftung als Herausforderung

Besonders schlimm aber sei ein Punkt, der nicht den Komfort der Beamten, sondern ihre Arbeit berührt. Weil der Innenraum so klein ist, ergeben sich laut Hegger bei Verhaftungen Probleme. „Es ist schwer, jemanden – der ja im Zweifel auch nicht verhaftet werden möchte und sich wehrt – in den Wagen zu bugsieren“, kritisiert der GdP-Sprecher.

„Der Wagen entspricht den Vorgaben“, erklärt Jan Schabacker, Sprecher der beim Land zuständigen Behörde, dem LZPD. Bei einer europaweiten Ausschreibung, in der rund 100 Eckdaten aufgeführt waren, habe sich nun einmal BMW durchgesetzt. Ja, der BMW sei kleiner, aber es habe auch früher schon kleine Einsatzfahrzeuge gegeben: den Opel Vectra etwa. Sind die Polizisten in NRW also zu dick? Schabacker lacht nur. Die einzelnen Beschwerden seien schon auf die körperlichen Gegebenheiten zurückzuführen, sagt der Sprecher.

Obwohl die Beamten sich über modernen Technik in den neuen Wagen freuen können, fehlt der Gewerkschaft einige Neuerungen. „Wir hätten uns eine Kamera im Wagen gewünscht, die zeigt, wie man rückwärts fährt“, sagt Hegger. Der BMW habe aber nur Sensoren. „Das ist ein Nachteil, denn beim Einsatz geht es um jede Minute.“

Dass es auch in den neuen Wagen nur Funkgeräte und keine Laptops gebe, sieht die Gewerkschaft ebenfalls kritisch. Beamte in NRW müssten immer noch alles handschriftlich notieren und später in Computer übertragen, wenn sie etwa Personendaten aufnehmen, dabei gebe es längst Kartenlesegeräte. Man müsse mit der Zeit gehen. „Das ist längst überfällig.“ Diese Wünsche kenne man und habe man im Blicke, versichert Schabacker.

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