Neue Autobahnbrücke fordert Straßenplaner heraus

Von: Frank Bretschneider, dapd
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Leverkusen. Auto- und Lkw-Fahrer sind derzeit nicht gut auf sie zu sprechen: Seit der Teilsperrung der maroden Leverkusener Rheinbrücke der Autobahn 1 herrscht auf beiden Seiten des Stroms Chaos: Der Verkehr staut sich nicht nur zu Stoßzeiten häufig kilometerlang, denn Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen dürfen die Brücke nicht mehr nutzen und müssen die Autobahn vorher verlassen.

Während hinterm Steuer Ärger und Stress angesagt sind, wird unterdessen der angekündigte Neubau der Brücke auf den Weg gebracht. Die soll ab 2020 nicht nur das angeschlagene, fast 50 Jahre alte Bauwerk ersetzen, sondern zugleich der Startschuss für eine grundlegende Erneuerung der A 1 zwischen dem Autobahnkreuz Leverkusen und der Anschlussstelle Köln-Niehl sein.

„Die Autobahn wird in diesem rund drei Kilometer langen Streckenabschnitt auf acht Spuren verbreitert”, sagt der zuständige Referatsleiter im Düsseldorfer Verkehrsministerium, Markus Mühl. Zunächst werde aber erst die neue, dann für acht Fahrstreifen ausgelegte Brücke gebaut, bevor die anderen Arbeiten beginnen. Deshalb werde die neue Brücke vorerst auch nur mit sechs Spuren in Betrieb gehen. Im Raum Köln wurde zuletzt bereits die A 3 zwischen dem Heumarer Dreieck und Köln-Mülheim auf acht Spuren ausgebaut.

Ursprünglich war der Betrieb der Rheinbrücke fünf Jahre länger, bis 2025, ausgelegt. Die stark zugenommenen Schäden vor allem durch den stetig zunehmenden Lastverkehr machten dem aber einen Strich durch die Rechnung. Der Autobahnabschnitt ist für den Fernverkehr besonders bedeutsam: Bis zu 120.000 Fahrzeuge, darunter rund 12.000 Lastwagen, nutzten die Rheinbrücke Brücke bislang täglich. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen Bayer und die Kölner Ford-Werke.

Entsprechend stehen die Planer nun unter Druck - sie müssen die notwendigen Vorbereitungen schneller treffen. „In den nächsten beiden Jahren muss die Planung stehen, wenn wir 2020 fertig sein wollen”, sagt Mühl. Mit erwarteten Kosten von bis zu 200 Millionen Euro wird die neue Brücke dann laut dem Ministerium das größte Bauprojekt in den nächsten zehn Jahren.

Altlast „Dhünnaue” aus den 1920er Jahren

Dabei stellen sich die Experten auf größere technische Herausforderungen ein, denn das Bau-Umfeld der Brücke ist auf rechtsrheinischer Seite brisant. Dort führen sowohl die A 1 als auch die Zubringer der aus Norden zulaufenden A 59 an einer alten Deponie des benachbarten Chemie- und Pharmakonzerns Bayer vorbei, der Altlast „Dhünnaue”. Von den 1923 bis Ende der 1940er Jahre deponierte Bayer dort nach Angaben der Stadt Leverkusen auf dem rund 25 Hektar großen Gelände Bauschutt, Chemierückstände und hausmüllähnliche Abfälle - insgesamt rund drei Millionen Tonnen.

In den Jahren 1995 bis 2000 wurde die Deponie für rund 110 Millionen Euro aufwendig saniert und versiegelt. Dabei wurde auch eine 3,6 Kilometer lange Sperrmauer als Grundwasserbarriere bis zu 40 Meter tief in den Boden gerammt. Seit 2005 gibt es auf einem Teil des Geländes das Naherholungsgebiet Neuland-Park.

Für den Neubau der Brücke und die vorgesehene Verbreiterung der Autobahn wird aber wohl ein Teil der Deponie als Baufeld und Bauuntergrund benötigt. „Wie sich der Eingriff auf dem Deponiegelände darstellt, muss jetzt geprüft werden”, erläutert Mühl. „Wir müssen dazu Aufschlussbohrungen machen lassen und die Konsistenz und Festigkeit des Untergrunds feststellen.”

So müssen die Experten unter anderem herausfinden, inwieweit sich die Materialien in der Deponie mit Beton „vertragen”, wie Mühl erläutert. Von diesen Ergebnissen hänge die künftige Trassenführung der verbreiterten Autobahn ab. Möglicherweise könnte sie künftig etwas weiter nördlich verlaufen. Auch müssten die Anschlüsse der A 59 zur verbreiterten A 1 entsprechend neu gebaut werden. Mühl sagt: „Die Nähe zur Deponie ist zwar eine Herausforderung, aber mit den heutigen bautechnischen Möglichkeiten zu bewältigen.”

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