Nebenklage: Boere hat sich „bewusst” SS-Terror angeschlossen

Von: Wolfgang Schumacher
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SS-Prozess / Heinrich Boere
Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Heinrich Boere (Mitte, hinten) vor Gericht. Foto: Markus Schuldt

Aachen. Im Prozess um den wegen Mordes angeklagten SS-Mann Heinrich Boere (88) stellte am Freitag die Nebenklage Verlesungs-Anträge, die zur Aufarbeitung der historischen Hintergründe der Taten im Juli und September 1944 beitragen und belegen sollen, dass sich der vor dem Aachener Schwurgericht angeklagte mutmaßliche Feme-Mörder Boere keineswegs auf einen so genannten Befehlsnotstand berufen könne.

Der Kölner Anwalt Detlev Hartmann - er vertritt den Sohn des ersten Opfers Teunis de Groot - belegte durch Recherchen in historischen Dokumenten, dass die Silbertanne-Morde als Gegenterror geplant waren und als Antwort auf die seit 1943 steigende Anzahl von Anschlägen auf niederländische Naziführer verübt wurden. Sie wurden zunächst von der niederländischen SiPo ausgeführt, dann aber unter größter Geheimhaltung in das besagte Kommando „Feldmeijer” verlagert.

Das sei auch deshalb geschehen, führte Hartmann aus, um bewusst die humanitären Abkommen der „Haager-Landkriegsordnung” zu umgehen. Von oberster Stelle in der Reichshierarchie, das belegen Briefe zwischen dem niederländischen SS-Führer Hanns Albin Rauter und SS-Reichsführer Himmler, seien die Erschießungen angeordnet worden. Dabei sollten für einen von den Widerständlern Getöteten drei „antideutsch” eingestellte Niederländer liquidiert werden.

Hartmann berichtete aus der Korrespondenz zwischen Rauter, der 1949 in den Niederlanden hingerichtet wurde, und Himmler über den Streit mit Wehrmachtsbefehlshaber Generalleutnant von Wühlisch. Der SS-Führer und bekennende Rassenfanatiker habe von Wühlisch aufgefordert, den Vergeltungsterror mitzutragen, was dieser ablehnte. Damals ging es darum, von 50 wegen Attentaten verhafteter Niederländer zehn erschießen zu lassen. Als Wehrmachtsoffizier lehnte von Wühlisch solch wahllose Liquidationen ab.

Hartmann will nun die Briefe, die das aufschlussreiche Kompetenzgerangel zwischen SS und Wehrmacht darlegen, im Prozess verlesen lassen: „Aus den zu verlesenden Briefen geht hervor, dass die Kommandos der Germanischen SS ihre Terrormaßnahmen ausdrücklich als paramilitärische Todesschwadronen organisiert haben und sich bewusst außerhalb des Kriegsrechtes stellten.” Damit habe sich der Angeklagte „bewusst einer Terrororganisation” angeschlossen, ergänzte der zweite Nebenklageanwalt Wolfgang Heiermann. Der Prozess wird am 8. Januar fortgesetzt.
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