Aachen - Nazi-Schläger büßt bald hinter Gittern

Nazi-Schläger büßt bald hinter Gittern

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen hat das Aachener Jugendgericht am Donnerstag vier Wochen Jugendarrest gegen einen 19-jährigen Aachener verhängt.

Und schon der Blick in die Publikumsreihen bei der dritten Verhandlungsrunde zeigte, dass dieser Prozess eben nicht in die traurige Rubrik „alltägliche Gewalt unter Heranwachsenden” einzuordnen war, sondern durch die rechtsextreme Motivation des jungen Schlägers besondere Brisanz hatte. Eine Handvoll „Sympathisanten” in teils eindeutig rechtsradikalem „Outfit” verfolgte die Urteilsbegründung mit ebenso stoischer Grundhaltung wie der Angeklagte selbst.

Der ist in der Vergangenheit mehrfach als neonazistischer Rädelsführer in Erscheinung getreten, unter anderem wegen Körperverletzung und Verwendung rassistischer und antisemitischer Symbole vorbelastet. Diesmal aber schickte das Gericht ihn hinter Gitter, weil es als erwiesen ansah, dass der 19-Jährige zwei jungen Männern ins Gesicht geschlagen hatte - allein weil sie seinem „linken” Feindbild entsprachen.

In einer Diskothek in der Innenstadt attackierte der Täter im Dezember 2009 einen 24-Jährigen. Der hatte ihm und seinen Kumpels nahegelegt, das Lokal zu verlassen - auf den T-Shirts der Gruppe prangten Schriftzüge der neonazistischen „Kameradschaft Aachener Land”. Das Opfer zog sich Prellungen, eine Platzwunde an der Unterlippe und eine Zahnverletzung zu, an der es bis heute laboriert. Als der dunkelhäutige Wirt schlichten wollte, wurde er aus der Gruppe heraus mit übelsten rassistischen Beleidigungen provoziert. Der Disko-Betreiber verzichtete auf eine Anzeige. „Ich habe sowas nicht das erste Mal gehört”, hatte er bei der ersten Verhandlungsrunde Anfang Juli zu Protokoll gegeben.

Tatsächlich entschuldigte sich der Angeklagte bei dem 64-Jährigen - nicht aber beim ersten Opfer: Seine Behauptung, der 24-Jährige habe ihn zuerst körperlich angegriffen, bezeichnete die Richterin indes als völlig unglaubwürdig.

„Filmriss” nicht glaubwürdig

Umso plausibler seien die Ausführungen auch des zweiten Opfers: Der 18-Jährige hatte berichtet, wie ihn der Täter am Fettdonnerstag auf dem Markt als „linke Zecke” provoziert und ihm dann unvermittelt ins Gesicht geschlagen habe. Der Angeklagte entschuldigte sich auch dafür am Donnerstag nochmals, berief sich allerdings erneut auf einen alkoholbedingten „Filmriss”. Dass er sich an nichts erinnern könne, nahm die Richterin ihm allerdings ebensowenig ab.

Im Zusammenhang mit einer weiteren Schlägerei, die sich Ende 2008 bei einer Schulfete im Anne-Frank-Gymnasium ereignet hatte und bei der ebenfalls rechtsradikale Parolen gebrüllt worden waren, sprach sie den 19-Jährigen allerdings frei - mangels Beweisen. Auch nachdem am Donnerstag dazu weitere Zeugen gehört worden waren, sei ihm persönlich nichts nachzuweisen. Dennoch: „Die Gewalttaten rühren ganz offensichtlich aus Ihrer rechts gerichteten Einstellung”, erklärte sie in ihrer Urteilsbegründung. „Im Arrest sollten Sie die Gelegenheit nutzen, darüber nachzudenken, ob Sie weiterhin an einer Einstellung festhalten, die in unserer Gesellschaft nicht toleriert werden kann.”

Der Verurteilte erweckte nicht den Anschein, als ob all dies viel Eindruck auf ihn gemacht hätte. Er kündigte an, er werde den Spruch in jedem Fall anfechten.
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