Nato gegen Windkraft: Rotorblätter ärgern Flugradar

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Die 6. Kammer am Verwaltungsgericht Aachen hatte am Mittwoch ein „volles Haus“. Bei der Sache ging es allerdings nur um frischen Wind – und die dazugehörigen Großanlagen, die aus der Naturkraft Strom erzeugen.

Zwei 146 Meter hohe Windkraftanlagen sollen im Süden der beiden Windparks zwischen Merkstein und Baesweiler, aber noch auf Alsdorfer Stadtgebiet, zusätzlich errichtet werden. Die Regionalbehörden hatten die Anträge abgelehnt, nun kam es zur Klage des Betreibers.

Jene „WKA“ sind heiß umstritten – Schlagschatten, Rotorlärm und Verschandelung der Landschaft sind nur einige Stichworte. Doch wer mag sich vorstellen, dass vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Ulrich Eske sogar die „Bündnisfähigkeit des Nato-Mitglieds Bundesrepublik Deutschland“ und ihre militärischen Afghanistan-Einsätze auf dem Spiel stünden, wie es eine Oberrechtsrätin beim Regierungspräsidenten Düsseldorf formulierte.

Denn die zwei neuen Anlagen seien ein großes Problem der Flugsicherung auf der etwa elf Kilometer entfernten Nato-Base Geilenkirchen-Teveren, wendete die Offizieren der Flugsicherung vor Gericht ein. Sie wurden dabei vom RP-Düsseldorf wie von der Rechtsdirektorin der Städteregion Aachen unterstützt. Ihre Anti-Wind-Argumente: Das Flugradar erfasse auch die Rotorbewegungen der Windanlagen und bilde sie als gleißenden, ausgedehnten Lichtfelder auf den Radarschirmen ab. Wenn nun kleine Sportmaschinen ohne eigenes Radar über die Windanlagen flögen, tauchten sie nach langen Sekunden wie aus dem Nichts wieder auf den Schirmen der Fluglotsen auf.

Womöglich große Gefahr

Dadurch bestehe eine große Gefahr für die an- oder abfliegenden Militärmaschinen, hieß es, der Flugverkehr sei bereits jetzt in etwa 260 Fällen gefährdet gewesen. Fazit: Der Altbestand der „WKA“ reiche schon, zwei neue Anlagen dürften keinesfalls gebaut werden.

Der Anwalt der Betreiberseite, Martin Maslaton (Leipzig), bestritt daraufhin im Grundsatz das Recht des Militärs, so weitgehend in den freien Luftverkehr noch in diesem Abstand zur Airbase eingreifen zu wollen. Richter Eske versuchte zu schlichten: „Wir wollen heute genau die Stimmung und die Argumente aufnehmen. Vielleicht einigen sich die Parteien ja.“ Taten sie nicht, auch nach einem Gutachten mit Kompromissvorschlägen nicht, so dass die Kammer am 24. Juli eine Entscheidung verkündet.

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