Nationalpark ja oder nein: Eine Stadt stimmt ab

Von: Günter Wächter, dpa
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Nationalpark Siebengebirge oder nicht: Darüber sollen die 19.000 Wahlberechtigten der Stadt Bad Honnef an diesem Sonntag parallel zur Bundestagswahl abstimmen. In einem Bürgerbegehren wollen die Gegner des Nationalparkprojekts erreichen, dass die Stadt nicht wie geplant einem Zweckverband zur Gründung eines Nationalparks beitritt. Foto: dpa

Bad Honnef. Rheinromantik, Drachenfels, Siebengebirge: Naherholung für die Bewohner des Großraums Bonn und Ausflugsziel für viele auch aus dem weiteren Umland. Seit 1922 ist das Siebengebirge Naturpark. Nun soll es Nationalpark werden.

Darin sind sich der Rhein-Sieg-Kreis sowie die Städte Bonn, Königswinter und Bad Honnef einig. Unterstützt - auch finanziell - werden sie dabei vom Land Nordrhein-Westfalen. Umweltverbände und Waldschützer begrüßen das Vorhaben. Doch es regt sich auch Widerstand.

Ob das Projekt Nationalpark weiter vorangetrieben oder zu den Akten gelegt wird, darüber entscheiden die rund 19 000 Wahlberechtigten der Stadt Bad Honnef an diesem Sonntag in einem Bürgerbegehren parallel zur Bundestagswahl.

Für Achim Baumgartner, den Vorsitzenden des Bundes Umwelt und Naturschutz (BUND) im Rhein-Sieg-Kreis, ist klar: „Wir wollen den Nationalpark Siebengebirge. Ein Abbruch des Prozesses wäre eine vertane Chance.” Er ist sich ziemlich sicher, „dass eine satte Mehrheit für den Nationalpark” erreicht wird.

Zugleich betont er aber, dass es noch eine Menge Abstimmungsbedarf gebe. Das sieht auch Dirk Jansen vom BUND NRW so. Kritisch-konstruktiv stehe seine Organisation dem Vorhaben gegenüber. Es müsse sichergestellt werden, dass am Ende auch Nationalpark drin sei wo Nationalpark drauf stehe. Jansen verweist auf die Erfahrungen mit dem Nationalpark Eifel. Dort habe es aus Sicht des BUND manche Fehlentwicklungen gegeben, die weniger dem gewünschten Naturschutz als vielmehr dem Tourismus geschuldet seien.

Der Naturpark Siebengebirge umfasst eine Fläche von gut 11.000 Hektar. Ein Teil davon soll nach den bisherigen Plänen sich selbst überlassen, also nicht mehr bewirtschaftet werden. Spaziergänger und Wanderer hätten in diesen Zonen nur noch begrenzt Zutritt. Für Menschen völlig gesperrt werden sollen rund 86 Hektar. Nach den Plänen werden künftig 230 Kilometer Fußwege für die Besucher zur Verfügung stehen, etwa 60 Kilometer weniger als zurzeit.

Ein Viertel des Naturschutzgebietes ist in Privatbesitz, die übrigen drei Viertel sind in öffentlichem Besitz und sollen Naturwald werden. Geschützt werden soll insbesondere der bestehende Buchenwald. „Hier werden wir die Wiedergeburt des mitteleuropäischen Natururwalds erleben”, sagt der Leiter der Naturschutzabteilung im NRW- Umweltministerium, Thomas Neiss.

Die Gegner des angestrebten Nationalparks verweisen darauf, dass das Naturschutzgebiet Siebengebirge viel zu klein für einen Nationalpark sei. Dem widerspricht Jansen vom BUND. „Für Nationalparke gibt es keine vorgeschriebene Mindestgrößen. Zudem böte sich auch die Möglichkeit einer Ausweitung nach Rheinland Pfalz an.”

Die Projektgegner stellen die Notwendigkeit einer Umwidmung in einen Nationalpark generell infrage. „Die hier wohnenden Menschen fühlen sich im Naturpark wohl”, argumentiert der Sprecher des Bürgerbegehrens, Karlheinz Mertens. Auch der geschützten Natur gehe es gut. Er frage sich, warum dies zugunsten der Landesregierung geändert werden solle. Nicht wenige Gegner fürchten zudem eine weitere Verschlechterung der Verkehrssituation durch zunehmende Touristenströme.

Dem hält Bad Honnefs Bürgermeisterin Wally Feiden (SPD) unter anderem auch finanzielle Gründe entgegen. Der Naturpark Siebengebirge sei auf Dauer von den bisherigen Trägern nicht zu erhalten, sagt sie. Die Pflege und Schutzaufgaben werden bisher vom 1869 gegründeten Verschönerungs Verein Siebengebirge (VVS) auf ehrenamtlicher Basis wahrgenommen. Er finanziert sich zu einem kleinen Teil aus öffentlichen Mitteln, Pachteinnahmen sowie aus Mitgliedsbeiträgen. Die Einnahmen aus dem Funkmast auf dem Oelberg, zuletzt rund 800 000 Euro im Jahr, fehlen seit der Abschaltung der Anlage nun auch. Der VVS-Vorsitzende Herbert Krämer hat daher bereits angekündigt, dass der Verein seine Aufgaben nicht mehr werde erfüllen können.

Geplant ist die Gründung eines Zweckverbandes Nationalpark. Ihm sollen Vertreter des Landes, der Kommunen, des VVS, Jägern und Privatbesitzern angehören. Diese zahlen Verbandsbeiträge.

Feiden verweist auf die Vorteile des Nationalparks für Bad Honnef: Die vom Land bezahlte Parkverwaltung mit rund 35 Arbeitsplätzen, darunter auch Parkranger, soll in der Stadt angesiedelt werden. Das Land würde auf Dauer rund fünf Millionen Euro jährlich investieren. Da seien die Waldflächen der Stadt, die in den Naturpark integriert werden sollen, doch gut angelegt. „Wir verscherbeln unseren Wald nicht”, sagt Feiden.
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