Schleiden/Düsseldorf - Nationalpark-Initiator fühlt sich verraten

Nationalpark-Initiator fühlt sich verraten

Von: Marlon Gego und Elke Silberer
Letzte Aktualisierung:

Schleiden/Düsseldorf. Wenn ein Vater sein Kind verlässt, ist das ein großer Schritt. So in etwa muss man sich den Schritt vorstellen, den Volker Hoffmann jetzt gegangen ist.

Der Vater des Nationalparks Eifel, sein eigentlicher Erfinder und Initiator, hat seine Funktion als Abgeordneter des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in den Nationalpark-Gremien niedergelegt.

Ebenso wie den Vorsitz im von ihm mitgegründeten Förderverein des Nationalparks. Aus Protest. Hoffmann sagt: „Der Nationalpark Eifel ist nicht mehr nationalparkkonform.”

Der BUND hat Hoffmanns Kritikpunkte im Düsseldorfer Umweltministerium vorgetragen. Das Ministerium wolle einzelne Maßnahmen überprüfen. „Wir hoffen, dass es Korrekturen gibt”, sagt der Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Landesverbands, Paul Kröfges.

Memorandum

Volker Hoffmann, 67, hat in einem Memorandum elf Punkte zusammengefasst, die zeigen sollen, dass die Zugeständnisse, die Politik und Nationalparkverwaltung an Kommerz und Tourismus machen, mit dem eigentlichen Nationalparkgedanken nicht mehr viel zu tun haben.

Da sei zum Beispiel der Wegeplan, erklärte Hoffmann auf Anfrage dieser Zeitung, dessen Ausweitung erheblich in natürliche Prozesse eingreife. Eine Folge sei, dass das auf dem Gebiet des Nationalparks lebende Rotwild nicht mehr tag-, sondern nur noch nachtaktiv sei. Zeitweise vertrieben durch Nationalparkbesucher, gewissermaßen.

„Und die Kommunen sagen, es gebe immer noch zu wenige Wege”, sagt Hoffmann. Er verstehe die Anliegen der Kommunen sehr wohl, aber deren Interessen ließen sich eben nicht immer mit der Nationalparkverordnung in Deckung bringen.

Dann wären da „die Jagdpraktiken”: Eigentlich ist im Nationalpark das Jagen verboten, sagt Hoffmann, erlaubt sei lediglich eine sogenannte Wildbestandsregulierung. „Aber ich habe noch nie so viele Hochsitze gesehen wie am Kermeter.” Aus behandeltem Holz, platziert mitten in Ameisenhaufen. Hoffmann sagt: „Für mich hat das mehr mit Jagd als mit Biologie zu tun.”

Hoffmann nennt fragwürdige Pilzsammelstellen und eingegatterte Wisente nahe des Klosters Maria Wald. Wisente, eine vom Aussterben bedrohte europäische Bison-Art, müssten aber in der freien Natur leben, findet Hoffmann. Würde man sie einsperren, erhielte der Nationalpark den Charakter eines Zoos. Wie attraktiv auch immer die großen Tiere für die Touristen auch sein mögen: „Das kann ja nicht der Sinn sein”.

Der Leiter des Nationalparks, Henning Walter vom Forstamt Schleiden, bedauert den Rückzug Hoffmanns. „Er war ein streitbarer Geist für den Nationalpark.” Aber die Grundlage neuer Maßnahmen seien demokratische Prozesse und Auflagen der Nationalparkverordnung und Politik. „Der Wegeplan ist in einem Verfahren abgehandelt worden, das demokratischer nicht sein kann”, sagt Walter. Und selbst die Nationalparkverwaltung habe sich nicht immer mit ihren Wünschen durchsetzen können.

Jagd notwendig

Die Jagd von Rothirsch, Wildschwein, Reh und Mufflon sei zwingend notwendig. Die vermehrungsfreudigen Tiere bewegten sich über die Grenzen des Nationalparks hinaus und könnten in einer großen Population bei Nachbarn Schaden anrichten.

Volker Hoffmann sieht das anders: „Ich halte es nach wie vor für eine Katastrophe, dass ein Nationalpark von Förstern (wie Henning Walter, Anm. d. Red.) verwaltet wird. Förster müssen immer was tun, und wenn sie einen Baum sehen, haben sie sofort die Dollarzeichen in den Augen - das ist ja auch ihre Aufgabe.”

Nur widersprächen diese Aufgaben eben dem Sinn eines Nationalparks. Auch die Förster im Nationalpark Eifel müssten lernen, „einfach mal nichts zu tun” und den Wald sich selbst zu überlassen. Denn das sei es, worum es ganz wesentlich ginge.

Auch den nordrhein-westfälische Regierungswechsel 2005, von SPD und Grünen hin zu CDU und FDP, macht Hoffmann für viele Fehlentwicklungen im Nationalpark verantwortlich: „Ich kann Umweltminister Uhlenberg gut leiden, aber der ganzen Regierung fehlt umweltpolitisch der Biss.” Ob die BUND-Beschwerde in Düsseldorf etwas nützen werde? Volker Hoffmann sagt: „Ich hoffe es.”

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