Monschau - Nationalpark fängt die Zukunft mit Netzen

Nationalpark fängt die Zukunft mit Netzen

Von: Christoph Classen
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Viel Arbeit im Nationalpark Ei
Viel Arbeit im Nationalpark Eifel: Dieses Jahr war ein Mastjahr, das es nur etwa alle sieben Jahre gibt. Dann wird alles Herabfallende auf Netzen gesammelt. Eine Saatgutreinigungsmaschine trennt dann die Bucheckern vom Laub. Foto: Christoph Classen

Monschau. Die Buchecker hat ja den Vorteil, dass sie es dem Menschen recht einfach macht, sie einzufangen. Kein Vergleich zu Hase, Fuchs oder Hirsch, bei denen müsste sich Bernd Dickmann schon ein bisschen mehr anstrengend.

Bei der Buchecker reicht es, Netze unter den Bäumen auszulegen. Und weil sie die Gefahr nicht wittert, fällt die Frucht irgendwann arglos Richtung Boden, sie macht es ja immer so. Dickmann freut sich, wenn die Bucheckern ins Netz gehen.

Dickmann, Förster im Nationalpark Eifel, zuständig für den Bezirk Dedenborn, hat in diesem Jahr ziemlich viele Netze ausgelegt. Ende August hat er damit angefangen, 30.000 Quadratmeter insgesamt. Schon im Frühjahr hatte sich abgezeichnet, dass diesmal eine gute Bucheckern-Ernte zu erwarten ist, die Bäume standen in voller Blüte. Vollmast nennen das die Förster, weil früher die Menschen ihre Tiere in den Wald getrieben haben, wenn es derart viel Futter gab.

Das kommt so oft nicht vor, bei den Bucheckern im Durchschnitt alle sieben Jahre. Und deswegen hat Dickmann in das Waldstück zwischen Monschau und Schleiden eingeladen. Er will zeigen, wie das mit der Ernte funktioniert und erklären, warum das überhaupt gemacht wird.

Dickmann steht jetzt neben einer Maschine, die so laut ist, dass er gegen sie anschreien muss. Wegen der drehenden Trommel erinnert sie an eine Waschmaschine. An einem Ende wird der Inhalt der Netze hineingeschaufelt - Laub, Zweige, Bucheckern - und am anderen ist Wichtiges von Unwichtigem getrennt. „Saatgutreinigungsmaschine”, schreit Dickmann.

In einem Schuppen ein paar Hundert Meter von der Maschine entfernt steht Stefan Stölting, er kommt hier einmal täglich vorbei, dann nimmt er eine Schaufel in die Hand und fängt, an die Bucheckern umzudrehen. Vortrocknen nennen das Leute, die etwas davon verstehen. Stölting arbeitet für die Firma, die die Bucheckern erntet, sie hat die Früchte vom Nationalpark gekauft und wenn sie richtig trocken sind, werden sie in Säcke abgefüllt und gewogen. Dann werden sie Baumschulen angeboten und die sorgen dafür, dass aus dem Samen eine Buche wird. Braucht der Nationalpark dann neue Bäume, kauft er die, die aus seinen eigenen Bucheckern gewachsen sind. Dickmann sagt: „So können wir sicher sein, dass die späteren Bäume das Klima und die Höhenlage vertragen.”

Bei der Bucheckern-Ernte geht es im Grunde genommen darum, dafür zu sorgen, dass im Nationalpark in Zukunft mehr Buchen wachsen. Oder wie es Dickmann formuliert: „Unser Ziel ist es, der Buche wieder zu ihrem Recht zu verhelfen.” Früher nämlich gab es mehr von ihnen, aber dann begann man, sie abzuholzen, um sie als Heizmaterial bei der Verhüttung von Eisenerz zu verwenden. Dem Zweiten Weltkrieg fielen dann weitere Buchen zum Opfer, und als der Nationalpark Eifel im Jahr 2004 gegründet wurde, lag ihr Anteil am Baumbestand bei nur noch elf Prozent. Auch weil für die Aufforstung in den Jahrzehnten zuvor hauptsächlich Fichten gesät worden waren. Wie hoch der Anteil heute ist, weiß Dickmann nicht. Aber er ist sich sicher, dass er gewachsen ist.

Um zu zeigen, wie der Nationalpark in Zukunft aussehen könnte, fährt Dickmann ein Stück weiter. Er hält an einem Waldstück, in dem ihm die Bäume nur bis zur Hüfte reichen; alles Buchen, elf Jahre alt, vor acht Jahren an dieser Stelle eingepflanzt. Dickmann sieht zufrieden aus und sagt etwas über die Früchte und dass es Spaß macht, sie einzufahren. Das Wort Arbeit erwähnt er nicht. Wahrscheinlich, weil es die Bucheckern ihm so einfach machen.

Der Förster Bernd Dickmann hat sich mal den Spaß erlaubt und gezählt, wie viele Bucheckern er auf einem Quadratmeter Waldboden findet und ist auf 400 gekommen. Geht man davon aus, dass das einigermaßen stimmt, dürften mit den 30.000 Quadratmetern Netz rund zwölf Millionen Bucheckern geerntet werden. Das sind etwa drei Tonnen.
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