Aachen - Naeem Ahmadzy: Keiner von „denen“ und das Abi im Blick

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Naeem Ahmadzy: Keiner von „denen“ und das Abi im Blick

Von: Katrin Fuhrmann
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Naeem Ahmadzy ist ein Vorzeigeflüchtling: Nach vier Jahren in Aachen ist der Afghane nahezu voll integriert, auch wenn ihm die Mentalitätsunterschiede manchmal noch ganz schön zu schaffen machen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Vor mehr als vier Jahren ist der 20-jährige Naeem Ahmadzy von Afghanistan nach Deutschland geflohen: allein, ohne Hilfe und Perspektiven, aber mit einer Vision. Er wollte Abitur machen und irgendwann Politikwissenschaften studieren. Diese Vision wird langsam real.

Im Frühjahr hat er die Realschule mit einem Notendurchschnitt von 2,0 beendet. Seit August besucht er die Heinrich-Heine-Gesamtschule in Aachen-Laurensberg. „Ich musste viel lernen, damit ich die Qualifikation zum Abitur erreiche. Manchmal bin ich wirklich überfordert, aber ohne Fleiß, kein Preis“, sagt Ahmadzy, der mittlerweile nicht nur deutsche Sprichwörter beherrscht.

Sein Deutsch ist sogar so gut, dass er anderen jungen Flüchtlingen ehrenamtlich hilft. Jeden Sonntag lädt er die Neuankömmlinge zu sich ein, um ihnen neben der Sprache auch die vielen kleinen Eigenarten der Deutschen näher zu bringen. Ahmadzy mag das deutsche Schulsystem. Nur auf die Wochenenden und Ferien könne er gerne verzichten. „Ich langweile mich dann immer so sehr“, sagt er. Außerdem vermisst er seine Familie und seine Freunde dann besonders, weil er nichts mit ihnen unternehmen kann.

Während sich seine Klassenkameraden nach der Schule zum Fußball treffen oder ins Kino gehen, schaltet er lieber den Fernseher ein: „Hart aber Fair“, „Maischberger“ und „Anne Will“ gehören zu seinen Lieblingssendungen. Sein Ziel, einmal ein guter Politiker zu werden, hat er nämlich immer vor Augen. „Wenn man etwas zum Positiven verändern will, muss man anfangen, etwas dafür zu tun“, sagt er aus voller Überzeugung.

Die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Berlin hat Ahmadzy mit Neugierde und Angst verfolgt. Die Entwicklung einzelner Parteien, besonders der AfD, bereiten ihm Sorge. Denn sie würden letztlich darüber entscheiden, was mit ihm, einem von vielen jungen Flüchtlingen in Deutschland, passiert.

Wenn Ahmadzy von Übergriffen wie beispielsweise in der Kölner Silvesternacht hört, macht ihn das wütend. „Viele Menschen pauschalisieren und sagen, dass alle Flüchtlinge schlecht sind. Sie schauen mich an und denken vermutlich, das ist ja auch einer von denen“, sagt er.

„Natürlich gibt es überall schwarze Schafe, aber ich kenne viele Flüchtlinge, die sich integrieren wollen und die auch verstehen möchten, warum es hier bestimmte Gesetzte gibt, die es in ihren Herkunftsländern vielleicht nicht gibt“, sagt er und ergänzt: „Man muss nicht alle Gesetze, die es hier gibt, gut finden. Aber ich muss sie akzeptieren und mich integrieren, weil ich hier lebe.“

Immer wieder versucht Ahmadzy, politische Diskussionen mit seinen Klassenkameraden, Lehrern und anderen Flüchtlinge anzustoßen, um zu verstehen, wieso es weltweit so viele Konflikte, Kriege und Unstimmigkeiten gibt. Immer wieder versucht er auf Menschen zuzugehen und ihnen von sich und seiner Situation zu erzählen. „Die meisten Menschen sind freundlich zu mir. Natürlich gibt es auch welche, die mich nicht mögen und die nicht bereit sind, mit mir zu diskutieren. Aber man darf sich auch nicht immer angegriffen fühlen“, sagt er. Manchmal sei es immer noch schwierig für ihn, die Mentalität der Deutschen zu verstehen. „In Afghanistan sind wir viel direkter. Hier kommt das oft falsch an“, sagt er.

Ahmadzy hat sich an die deutsche Kultur und die Menschen gewöhnt. Er will weiter mit vielen unterschiedlichen Menschen ins Gespräch kommen, ein Vorbild sein und zeigen, dass er keiner von „denen“ ist.

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