Nachbarschaftsstreit in Unterbruch: Angeklagter schuldlos

Von: Wolfgang Schumacher
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Ein Toter, drei Verletzte, aber der Angeklagter ist schuldlos. Diese Entscheidung traf das Gericht am Dienstag in Aachen. Symbolbild: dpa

Aachen/Heinsberg. Daniel G. (35) knöpfte Dienstag Mittag ganz in Ruhe seinen Mantel zu und verließ mit seinem Bruder den Schwurgerichtsaal. Das war das Ende eines mehrfach tragischen Nachbarschaftsstreites in Heinsberg-Unterbruch, bei dessen Beendigung am 12. Juni 2014 morgens gegen 9 Uhr drei Polizeibeamte zum Teil schwer verletzt und der Vater von Daniel G. durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe ins Bein getötet wurde.

Er verblutete innerhalb weniger Minuten. G. wurde in diesem Zusammenhang unterlassene Hilfeleistung und Behinderung der Rettungskräfte vorgeworfen, weil er sie damals nicht an seinen angeschossenen Vater heran ließ, strafrechtlich reichte dies bis zum Vorwurf der versuchten Tötung.

Doch an jenem 12. Juni handelte der ehemalige Industriemechaniker im Zustand der Schuldunfähigkeit, wie ein Gutachten bestätigte, der schnauzbärtige Grieche war nach dem Vorfall in die Psychiatrie eingewiesen worden. Unter anderem wegen seines damaligen psychischen Zustandes wurde er Dienstag nicht verurteilt und bekommt eine Haftentschädigung.

Für einen weit weniger gravierenden Vorfall im Jahr 2012 – da geriet er zum ersten Mal mit den Nachbarn in Streit – wurde er wegen Widerstandes gegen seine Festnahme mit einer Geldbuße von 400 Euro bestraft. Richter Arno Bormann lag ein Statement am Herzen: „Bei dem tragischen Vorfall am 12.6.2014 ist der Vater des Beschuldigten durch Schüsse eines Beamten getötet worden. Hier hat es absolut kein Fehlverhalten gegeben“, sagte Bormann. Alleine das „strafbare Vorgehen des Getöteten selber hat zu seinem Tod geführt“, sagte er weiter.

„Hinterhältiger Angriff“

Bei dem Versuch der Polizei, den Sohn vor und später in der Wohnung festzunehmen, habe der Vater mit einem „hinterhältigen Angriff auf die Beamten“ ins Geschehen eingegriffen. Der 75-jährige Vater hatte blindwütig zwei Polizisten mit einem Messer verletzt und sich dann von hinten auf den Beamten gestürzt, der den Sohn Handschellen anlegen wollte.

Erst durch einen Schuss in den Oberschenkel wurde er gestoppt. Sicher war Daniel G. der Verursacher des Nachbarschaftsstreites. Doch die gewalttätige Figur sei wie bereits 2012 der Vater gewesen, stellte Bormann fest. G. habe auch nicht die Hilfskräfte bei der Rettung behindert, so das Fazit des Prozesses, es war sowieso zu spät.

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