Aachen - Nachbarn und Freunde sagen im Prozess gegen Ärztin aus

Nachbarn und Freunde sagen im Prozess gegen Ärztin aus

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Ärztin Prozess
Mit einer tödlichen Dosis Morphin soll eine 35-jährige Ärztin ihren 50 Jahre älteren Ehemann getötet haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Im Mordprozess um eine 36-jährige Ärztin wurden vor dem Aachener Schwurgericht am Mittwoch unter anderem Nachbarn der Angeklagten gehört. Der Tenor: Niemand von ihnen kann sich vorstellen, dass die junge Frau eine Mörderin ist, mit der sie Tür an Tür gelebt haben.

Eine 67-jährige Frau, die seit dreizehn Jahren in Aachen direkt neben dem ungleichen Paar wohnte, beschrieb ihr Verhältnis „zum Hermann und der Lydia” nicht sehr nahe, aber völlig unproblematisch und normal. „Wenn sie in Urlaub fuhren, dann hatte ich den Schlüssel, um die Blumen zu gießen”, gab Elisabeth S. vor Richter Gerd Nohl zu Protokoll.

Die junge Frau habe mit dem 50 Jahre älteren Mann, den sie laut Anklage der Staatsanwaltschaft am 19. Februar dieses Jahres durch eine Überdosis Morphium umgebracht haben soll, schon länger in der kleinen Wohnung im hinteren Anbau gelebt. Das Paar sei bereits da gewesen, als sie „etwa 1997, 1998” in den zweiten Stock des Mietshauses im Stadtteil Haaren gezogen war. „Sie studierte fleißig”, berichtete Elisabeth S. über die junge Frau. Ob sie direkt nach dem Tod ihres Mannes renoviert habe, wollte das Gericht wissen. Nein, davor schon. „Der Hermann und sie” hätten das alles selber gemacht, „gestrichen und so”. Eigentlich „ein Paar wie jedes andere”, ganz normal, ein Paar ohne jeglichen Streit, meistens in bestem Einvernehmen.

Auch ein Nachbar aus der Etage darunter bekundete, man könne nichts Nachteiliges über die beiden sagen. Der 72-Jährige hatte erst Wochen später erfahren, dass Hermann H. überhaupt tot war. Anfangs habe er die junge Frau - als sie einzogen, war Lydia H. erst Anfang 20 - für die Tochter gehalten. Dann klärten ihn die anderen Nachbarn über die tatsächliche Beziehung auf.

Freunde, die wie Lydia und Hermann H. bis 2007 einen Camping-Wagen auf einem Platz in Holland hatten, berichteten, dass der Senior richtig stolz gewesen sei, weil seine Lebensgefährtin so gut und fleißig gelernt habe. Er habe sich damit gebrüstet, bald genausoviel Wissen über Medizin zu besitzen, wie seine Lydia auch. Und er wolle sie heiraten, damit sie versorgt ist. Sie habe sich im Gegenzug stets sehr um ihn gesorgt.

Geheiratet hat das Paar dann im Februar 2010 und überrumpelte damit die unmittelbare Nachbarin. „Ich war platt, als sie mir das erzählte und mich zum Kuchen einlud”, gab die Zeugin zu Protokoll. Ihre neue Beziehung in Ulm, dort hatte sie eine Assistenzarztstelle angetreten, verschwieg sie gegenüber der Nachbarschaft.

Warum das so ist, wird am 10. Januar, dem nächsten Verhandlungstag, möglicherweise die Aussage jenes Mannes erhellen, wegen dem sie ins Süddeutsche ging.
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