Nach Vorwürfen: Flughafenchef von Köln-Bonn ist beurlaubt

Von: Ralf Arenz
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Am Flughafen Köln/Bonn gibt es Ärger: Laut einem Untersuchungsbericht ist von „schwerwiegenden Pflichtverletzungen“ des Flughafen-Chefs Michael Garvens die Rede. Foto: obs/Köln Bonn Airport

Köln/Bonn. Die Sitzung des Aufsichtsrats des Flughafens Köln/Bonn am Freitag war nicht nur außerordentlich, sondern auch außergewöhnlich. Von morgens bis zum frühen Abend tagte das Gremium. Schließlich ging es um mögliche Pflichtverletzungen der Geschäftsführung.

Ein vorläufiger Prüfbericht einer Rechtsanwaltskanzlei und einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wurde vorgestellt. Und obwohl, wie einer anschließenden, dürren Pressemitteilung zu entnehmen war, einige Fragen offenblieben, so dass die Untersuchung fortgesetzt werden muss, und obwohl die Geschäftsführung bisher zu den Vorwürfen noch nicht angehört wurde, wurde deren Vorsitzender Michael Garvens „ab sofort bis zum 15.12.2017 (Tag der Aufsichtsratssitzung)“ beurlaubt. Bis zum Ende der nächsten Woche soll sich die Geschäftsführung nun schriftlich äußern.

Prüfungen nicht abgeschlossen

Der Flughafen soll etwa einer Cargofirma zu viel für angemietete Flächen bezahlt haben. Andererseits soll er Rechnungen der Firma beglichen haben, ohne dass es dafür eine erkennbare Leistung gegeben habe, selbst aber Leistungen nicht in Rechnung gestellt haben. Auch soll eine hohe Zahl an Mitarbeitern am Flughafen freigestellt worden sein, teils über Jahre. Flughafenchef Michael Garvens und Athanasios Titonis, in der Geschäftsführung vor allem für die Technik zuständig, haben in einem Schreiben die Vorwürfe zurückgewiesen, Pflichten verletzt zu haben.

Angeblich hatte Aufsichtsratschef Kurt Bodewig nach anonymen Hinweisen eine Prüfung in Auftrag gegeben. „Der Aufsichtsrat hat sich umfassend mit den vorgetragenen Vorwürfen befasst“, sagte Bodewig. Die Prüfungen seien hinsichtlich der aufgeworfenen Verdachtsmomente noch nicht abgeschlossen. Deshalb sollten die Untersuchungen, mit denen die Rechtsanwaltskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young beauftragt wurden, fortgesetzt werden.

Außerdem gibt es eine Freezing-Order, also eine Sicherstellungsentscheidung. Sie gelte „für das gesamte Unternehmen für den Untersuchungszeitraum für Zwecke der im Raume stehenden Untersuchungsgegenstände“, teilte der Aufsichtsrat mit. So soll etwa das Vernichten von Akten verhindert werden. Das ist schweres Geschütz.

Das Verhältnis zwischen Garvens und Bodewig war wohl von Anfang an gespannt. Aber offenbar ziehen auch nicht alle Mitglieder des Aufsichtsrats an einem Strang. Bei der Sitzung am 6. Oktober regten die Vertreter der Landesregierung etwa die weitere Untersuchung durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft neben der durch die Rechtsanwaltskanzlei an, sagte ein Sprecher der Landesregierung.

Außerdem will die schwarz-gelbe Landesregierung das SPD-Mitglied Bodewig durch das CDU-Mitglied Friedrich Merz ersetzen. „Die sukzessive Neubesetzung von Mandaten in Gremien von Unternehmen, an denen das Land beteiligt ist infolge eines Regierungswechsels, ist geübte Praxis“, teilte ein Sprecher mit.

Das Land hält wie auch der Bund und die Stadt Köln etwas mehr als 30 Prozent der Anteile am Flughafen. Aus Sicht der Landesregierung sei Merz mit Blick auf die notwendige strategische internationale Ausrichtung des Flughafens die richtige Person an der Spitze des wichtigsten Kontrollgremiums.

Vertrag bis 2022

Bodewig, so heißt es im Umfeld des Gremiums, wolle aber die Aufklärung zu Ende bringen und nicht weichen. Aufklären will nach eigenem Bekunden auch die Landesregierung. Sollten die Vorwürfe gegen die Geschäftsführung belegt werden, würden sich die von der Landesregierung entsandten Mitglieder im Aufsichtsrat dafür einsetzen, die notwendigen Konsequenzen in der Geschäftsführung zu ziehen, so ein Sprecher bereits vor der Sitzung.

„Sofern es zu strafbaren Handlungen oder Unterlassungen gekommen sein sollte, sind die Strafverfolgungsbehörden zu informieren“, so ein Sprecher der Landesregierung.

Der am 9. Dezember 1958 geborene Garvens steht seit 2002 an der Spitze des Flughafens Köln/Bonn. Er hat Billigflieger angesiedelt und die Zahl der Passagiere mehr als verdoppelt. Im laufenden Jahr erwartet der Airport 12,2 Millionen Passagiere.

Auch das Frachtvolumen stieg deutlich, im laufenden Jahr wird der Rekordwert von 830 000 Tonnen erwartet. Erst Ende 2015 war Garvens’ zum Januar 2017 auslaufender Vertrag vorzeitig um fünf Jahre bis Januar 2022 verlängert worden.

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