Inden - Nach Erdrutsch: 100 Meter mehr Distanz zum Tagebau?

Nach Erdrutsch: 100 Meter mehr Distanz zum Tagebau?

Von: Volker Uerlings
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Oster-Kundgebung: Der Direktor des Tagebaus Inden, Arthur Oster, stellt sich am Mittwoch den Fragen in Schophoven. Foto: Uerlings

Inden. Der Tagebau Inden ist an wenigen Stellen „auf Kante genäht”. Er kommt so nah wie eben möglich an die umliegenden Ortschaften heran. Einige Bewohner in der Gemeinde Inden und der Stadt Düren - genau: in Schophoven, Lucherberg und Merken - sehen in naher Zukunft 100 Meter hinter ihrem Haus ins Loch.

Der zunächst vertuschte Erdrutsch am 12. März hat deren Perspektiven nicht eben verbessert. Bei einer Informationsveranstaltung heute Abend stellen sich die Verantwortlichen von RWE Power den Menschen und ihren Fragen.

Die Initiative ging vom Ortsvorsteher Peter Prost (SPD) aus, der den Tagebaudirektor Arthus Oster und einen Vertreter des Bergamtes in das Dorfgemeinschaftshaus eingeladen hat. Um 18 Uhr geht es los. Angekündigt haben sich auch Teilnehmer aus Düren-Merken und Lucherberg.

„Ist Schophoven gefährdet”, fragt Peter Prost - und: „Warum trat RWE Power mit Verzögerung an die Öffentlichkeit?” Auf die Antworten hat die Bevölkerung einen Anspruch, sagt der Ortsvorsteher. Wie berichtet, waren gut 400000 Kubikmeter Erdreich an einer Arbeitsböschung abgegangen, was allerdings erst auf Nachfrage eingeräumt wurde.

Jederzeit unter Kontrolle

Das verantwortliche Unternehmen nannte tektonische Störzonen als Ursache, die jederzeit unter Kontrolle gewesen seien. Für Menschen und Gebäude habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden, erklärten RWE-Sprecher.

Buchstäblich nah dran ist auch der Landtagsabgeordnete des Dürener Nordkreises, Josef Wirtz (CDU), der ebenfalls in Schophoven lebt und als Landwirt die Scholle ziemlich gut kennt. „Erst nach der Veröffentlichung in der Aachener Zeitung wurden umfangreiche Sicherungsmaßnahmen sowohl an der Rutschungsstelle als auch im angrenzenden Tagebauvorfeld vorgenommen”, schreibt Wirtz in einem Offenen Brief an den Vorstandschef des Bergbautreibenden, Dr. Johannes Lambertz, der unserer Zeitung vorliegt.

In der Tat: Während Tage nach dem Rutsch der gesamte Bereich von Fußgängern noch problemlos zu erreichen war, hat der Kohle-Konzern jetzt gemacht, was er am besten kann: gebaggert. Rund um die Bruchstelle wurden Wälle aufgeschüttet, Absperrungen und Warnschilder aufgestellt. Und der Werkschutz schiebt Streife. Josef Wirtz: „Nicht nur für mich ein Eingeständnis, das zuvor Versäumtes offenbart.”

In seinem Brief kritisiert er, dass RWE Power „das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort selbstverschuldet eingebüßt hat”. Insbesondere die unmittelbaren Anwohner, „die zum Teil nur 100 Meter von der künftigen Abbaukante entfernt leben”, seien verunsichert. Deshalb fordert der Landtagsabgeordnete als „deutliches Zeichen des Unternehmens” die Rücknahme der Abbaukante um weitere 100 Meter für insgesamt vier Bereiche in drei Ortschaften, die dem Tagebau besonders nahe sein werden: Kalkweg und Müllenark in Schophoven, Obstweise in Lucherberg sowie Andreasstraße in Merken.

Nach dem Erdreich kommt nun auch die Diskussion in Bewegung.
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