Nach der Uni bleiben die, die von hier sind

Von: Katharina Menne
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Ist überzeugt von dem Lebens- und Arbeitsumfeld in der Euregio Maas-Rhein: Julia Reinold aus Übach-Palenberg, die ihren Masterabschluss an der politischen Fakultät der Uni Maastricht gemacht hat. Foto: Katharina Menne

Maastricht. Julia Reinold lebt den euregionalen Gedanken: Sie kommt aus Übach-Palenberg, studierte und arbeitet in Maastricht und hört belgisches Radio. Mehr Euregio geht kaum. Kein Wunder also, dass sie sich auch in ihrer Masterarbeit mit diesem Thema beschäftigt.

Darin hat die 25-Jährige untersucht, ob Hochschulabsolventen planen, nach ihrem Abschluss in der Euregio zu bleiben und was sie in ihrer Entscheidung beeinflusst. Denn obwohl an den Hochschulen in Aachen, Hasselt, Lüttich und Maastricht zahlreiche junge Talente ausgebildet werden, wandern viele nach ihrem Abschluss in andere Regionen ab.

Reinold möchte gerne dazu beitragen, dass sich daran etwas ändert. „Ich finde es selbst äußerst spannend, in einer Grenzregion zu wohnen und fände es toll, wenn mehr Menschen erkennen würden, welche Chancen die Lage im Dreiländereck Deutschland-Belgien-Niederlande bietet“, sagt sie. Doch offensichtlich gibt es noch viele Hürden, die abgebaut werden müssen, angefangen bei der Sprache über Mobilität bis hin zu bürokratischen Hindernissen.

In der Stiftung Euregio Maas-Rhein arbeiten die fünf Partnerregionen dies- und jenseits der Grenze in Deutschland, Belgien und den Niederlanden mit ihrer Zukunftsstrategie „EMR 2020“ daran, die Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen noch weiter zu vertiefen und vor allem zu beschleunigen. Doch auch wenn viele Fortschritte in der euregionalen Zusammenarbeit bereits jetzt als selbstverständlich wahrgenommen werden – das war nicht immer so.

Seit der Gründung der Euregio Maas-Rhein 1976 haben sich viele Menschen und Organisationen dafür eingesetzt, dass das Leben in der Grenzregion einfacher und attraktiver wird. Dabei geht es um Kultur, Tourismus und Infrastruktur, genauso wie auch um Ausbildung, Wirtschaft und Sicherheit. „Man kann beobachten, dass zwar vieles gut, aber eben noch längst nicht alles perfekt ist“, sagt Reinold. Doch um etwas zu ändern, müsse man erst einmal verstehen, was den Menschen überhaupt wichtig ist.

Für ihre Masterarbeit zum Thema „Wettbewerb um Talente: Hochschulabsolventen in der Euregio Rhein-Maas halten“ befragte Julia Reinold deshalb insgesamt 3328 Studenten der Hochschulen RWTH Aachen, FH Aachen, Zuyd Hogeschool in Südlimburg, Universität Maastricht und Universität Hasselt nach ihren Zukunftsplänen. Im Zentrum der Arbeit standen die knapp 700 Befragten, die bereits sicher sagen konnten, ob sie weggehen oder in der Region bleiben, wobei nur weniger als die Hälfte den Plan hat zu bleiben.

Das Ergebnis der Arbeit ist: Die Migrationsabsichten der jungen Absolventen werden von einer komplexen Mischung aus sozialen, kulturellen, ökonomischen und standortbezogenen Faktoren beeinflusst. Wenn der Partner in der Euregio wohnt und die individuelle Wahrnehmung der Lebensqualität sowie der Karrierechancen in der Region gut ist, dann bleibt der Absolvent mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit hier. Auffällig, wenn auch nicht unbedingt überraschend, ist, dass fast zwei Drittel derjenigen, die bleiben wollen, auch hier geboren sind. Das zeigt, welche Rolle Heimatgefühle, familiäre und soziale Bindungen bei der Standortwahl spielen.

Andererseits zeigen die Ergebnisse aber auch, dass je wichtiger den Befragten die Lebensqualität ihres Wohnorts ist, desto wahrscheinlicher ist, dass sie die Euregio nach ihrem Abschluss verlassen. „Das ist sehr schade, dass das so wahrgenommen wird, denn ich persönlich fühle mich sehr wohl hier“, sagt Julia Reinold. Allerdings sei manches tatsächlich verbesserungswürdig. Zum Beispiel, dass es einem schwer gemacht werde, als Sportler eine Lizenz für einen Verein auf der anderen Seite der Grenze zu bekommen. „Das wird richtig teuer“, sagt Reinold. Auch das Mobilitätskonzept und die Informationen über das grenzübergreifende Jobangebot seien ausbaufähig.

Das im vergangenen Jahr neu gegründete Institut Item (Institute for Transnational and Euregional Cross Border Cooperation and Mobility) an der Universität Maastricht beschäftigt sich ebenfalls mit wichtigen Fragen zur Kooperation in Grenzregionen. Im Vordergrund stehen vor allem arbeitsrechtliche Themen wie Steuern, Renten oder die Anerkennung von Diplomen, aber es werden auch Fragen zu Lebensqualität und Mobilität behandelt.

Hildegard Schneider, Professorin für Europarecht und Teil der akademischen Leitung des Item-Instituts, ist der Meinung, dass man die bestehenden Chancen noch nicht ausreichend nutzt. „Es ist absurd, wie wenig man teilweise über das Kultur- und Naherholungsangebot in den Nachbarländern weiß.“ Das Item-Institut plant deshalb zum Beispiel die Einführung einer euregionalen Museumskarte. „Man muss sich einfach mehr als zusammenhängende Region verkaufen“, sagt Hildegard Schneider. „Das ist oft auch eine Frage der Werbung.“

Doch auch wenn noch Luft nach oben ist: Julia Reinold wird in der Euregio bleiben. „Ich fühle mich hier zu Hause – egal ob ich mich gerade auf der deutschen oder der niederländischen Seite der Grenze befinde.“

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