Nabu: Frühwarnsystem für den Artenschwund

Von: Florentine Dame
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Vogelkundler begrüßen die Vogelzählaktion des Naturschutzbundes: Sie soll für das Thema sensibilisieren. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Düsseldorf/Münster. Ob mit Fernglas oder nur wachen Auges: Eine Stunde lang sollen Vogelfreunde in der Zeit von Freitag bis Sonntag genau hinsehen, wie viele und welche Vögel sich im heimischen Garten oder im Park nebenan tummeln. An der 7. bundesweiten Zählaktion der Naturschutzorganisation Nabu „Stunde der Wintervögel“ beteiligen sich auch in Nordrhein-Westfalen jedes Jahr Tausende, wie der Naturschutzbund mitteilt.

Online oder per Meldebogen können sie dann ihre Beobachtungen an den Nabu melden. Die wachsende Datenbank soll helfen, schleichende Veränderungen in der Vogelwelt zu dokumentieren und Schwankungen festzustellen.

Die Mitmachaktion könne „ein sinnvolles Frühwarnsystem sein und Menschen für den dramatischen Artenschwund sensibilisieren“, sagte der Landschaftsökologe und Vogelkundler der Universität Münster Johannes Kamp. „Wir beobachten in den letzten zehn Jahren, dass wir bei früher häufigen Arten große Mengen verloren haben.“ Ein Beispiel sei der früher noch weit verbreitete Star.

Das belegen auch die Nabu-Daten aus der Volks-Vogelzählung: War er früher laut Kamp in fast jedem Garten zu finden, schaffte er es in den letzten sechs Jahren nur einmal unter die Top-10 der am häufigsten beobachteten Arten. 2016 konnte er nur in knapp sechs Prozent der Gärten beobachtet werden. Zum Vergleich: Amsel, Blau- und Kohlmeise kamen auf Werte über 80 Prozent.

Die ganze Bandbreite des Artenschwundes könne die Zählung jedoch nicht erfassen, weil sie einen Schwerpunkt auf Gartenvögel setze. „In Siedlungen treten überwiegend häufige und wenig anspruchsvolle Arten auf“, sagt Kamp. Amseln, Meisen und Spatzen bleiben wahrscheinlich häufige Gäste an den winterlichen Futterhäuschen – Schwankungen nicht ausgeschlossen. „Was uns besonders Sorgen macht, sind die großen Bestandseinbrüche bei den Vogelarten aus dem ländlichen Raum.“

Den Hauptgrund sieht Kamp in der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung immer größerer Flächen und dem Einsatz hochwirksamer Pestizide zur Insektenbekämpfung. Ohne Insekten breche für viele Vögel die Nahrungsgrundlage ein. „Die Feldlerche und der Kiebitz waren in NRW früher auf jedem Acker zu Hause“, berichtet Kamp. Inzwischen stünden beide auf der roten Liste.

„Es gibt in unserer Landschaft nur noch wenige unaufgeräumte Flächen“, kritisiert Kamp. Wo Randstreifen mit Ackerunkraut umgepflügt und jede Nische für die Landwirtschaft genutzt werden, fehle es an Futter und Nistplätzen. Auch in den Wohnbereichen schwinde der Lebensraum: „Siedlungen werden immer steriler. Da sieht man eher Kies und Thujahecken statt Blumenwiesen oder Gemüseanbau.“

Die Folgen des Artenschwundes sind schwer abzusehen. Jeder Einbruch im Ökosystem könne es weiter aus dem Gleichgewicht bringen: „So sind Singvögel wichtig für die Schädlingskontrolle. Ohne sie müssen wieder mehr Pestizide eingesetzt werden“, sagt Kamp.

Er sieht auch einen Einfluss einer vitalen Artenvielfalt in der Vogelwelt auf den Menschen: So zeigten Studien, dass das Wohlbefinden in einer Landschaft mit vielen Singvögeln höher sei, als in Landschaften mit geringerer Artenvielfalt. So werde auch er am Wochenende wohl genau hinsehen und dem Nabu melden, welche Vögel er entdecken kann.

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