Mutter gesteht Tötung ihres Babys

Von: dpa
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Düsseldorf. Mit einem schwachen Nicken hat eine 38-jährige Frau in Düsseldorf am Mittwoch vor Gericht gestanden, ihr neugeborenes Baby umgebracht zu haben.

Sie habe das Krankenhaus nach der Geburt am 15. Juli vergangenen Jahres mit dem Kind im Arm verlassen und sich in der Nähe in einen Hauseingang gesetzt. Ein oder zwei Stunden habe sie dort verbracht. „Ich wusste nicht, was ich machen sollte”, sagte die Mutter zweier fünf und acht Jahre alten Töchter weinend. Ihr drittes Kind, die kleine Jenna, sei die ganze Zeit ganz still gewesen. Schließlich habe sie ihm Mund und Nase zugehalten.

Sie habe gehofft, das sei die Lösung und dass niemand mehr nach dem Kind fragen würde, berichtete die Angeklagte. Anschließend soll die Floristin das Baby in einen Müllcontainer geworfen und mit einem Taxi davongefahren sein.

Sie sei davon ausgegangen, bei der Geburt ihres zweiten Kindes unfruchtbar geworden zu sein. Dies habe ihr damals ein Arzt gesagt. Ungewollt sei sie dann doch schwanger geworden und habe dies erst gemerkt, als es für eine Abtreibung zu spät gewesen sei, berichtete die 38-Jährige. Sie sei davon ausgegangen, dass ihr neuer Lebensgefährte kein Kind wollte und habe die gesamte Schwangerschaft verheimlicht. Sie habe Angst gehabt, zum leiblichen Vater der Kinder zurückkehren zu müssen.

Ihr neuer Lebensgefährte berichtete am Mittwoch im Zeugenstand, von der Schwangerschaft nichts mitbekommen zu haben und sich die Ängste seiner Freundin nicht erklären zu können. Sie sei „die Frau seines Lebens”, ein weiteres Kind hätte ihm nichts ausgemacht, auch wenn er 48 Jahre alt sei und bereits vier Kinder habe. Vielleicht habe er einmal beiläufig beim Fernsehen bemerkt, sich zu alt für weitere Kinder zu fühlen - das sei alles. Offen gesprochen habe man über das Thema nicht.

Zwei Monate nach der Geburt Jennas wird die Frau von ihrer Tat eingeholt. Inzwischen fahndet die Polizei nach Jenna und ihre Mutter behauptet, das Kind ausgesetzt zu haben. Die Polizei glaubt ihr nicht, das Baby bleibt verschwunden. Die Floristin kommt in Untersuchungshaft, hat seither ihre Töchter nicht mehr gesehen und gesprochen - die Kinder kommen in eine Pflegefamilie.

Nach mehreren Monaten Untersuchungshaft räumt sie schließlich ein, Jenna getötet zu haben. Im Gegenzug verzichtet Staatsanwalt Ralf Herrenbrück auf den Mordvorwurf und hat sie wegen Totschlags angeklagt. Der Prozess wird fortgesetzt.

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