Mutter erstochen: erschütternde Aussage eines Elfjährigen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Zwei Justizangestellte führen den angeklagten 40-Jährigen (Mitte) in den Gerichtssaal. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Alsdorf. Eine erschütternde Video-Zeugenaussage machte am Donnerstag der elfjährige Junge vor dem Aachener Schwurgericht, dessen Mutter im Mai von ihrem Ex-Lebensgefährten mit vier Stichen vor dem Alsdorfer Jobcenter getötet worden war. Der Elfjährige hatte sich noch schützend vor die 38-jährige Mutter von vier Kindern gestellt.

Doch der von der Polizei der Wohnung verwiesene Angeklagte Ramazan A. drohte dem Jungen mit gezücktem Küchenmesser und schickte ihn aus dem Weg. Daraufhin stach der40-Jährige laut Anklage vier Mal auf seine am Boden kauernde Ex-Lebensgefährtin ein, fuhr dann auf seinem Motorroller weg und stellte sich allerdings unmittelbar danach der Polizei.

„Hole Hilfe“, habe sie als letztes zu ihm gesagt - so ging es aus der herzzerreißenden Videoaufzeichnung der richterlichen Vernehmung des Jungen hervor. Diese Vernehmung per Videofilm hatte die Schwurgerichtskammer anstelle einer förmlichen Vernehmung des Jungen in der laufenden Verhandlung im Beisein des Täters angeordnet. Eine Richterin saß dabei alleine mit dem Kind in einem Vernehmungszimmer und fragte behutsam nach dem grausamen Tatgeschehen.

Der Junge war gefasst und machte äußerst korrekte Angaben zu den dramatischen Minuten, in denen er tatenlos zusehen musste, wie der Vater zweier seiner Geschwister mit dem Angriff allen die Mutter raubte.

Doch als es an die Beschreibung des Kerngeschehens ging, kamen dem Jungen die Tränen. „Der Rama war wütend, schrie mich an, ich solle weggehen“, sagte er der Richterin. „Dann stach er auf Mama ein.“ Schluchzend beschrieb der Junge die Situation auf dem Parkplatz vor der Alsdorfer Arge. „Da waren Leute, die schauten hin. Aber dann fuhren sie einfach weg.“ Wahrscheinlich zurecht folgerte er: „Vielleicht hätte Mama gerettet werden können.“

Denn die Rechtsmedizinerin führte später aus, dass der Tod der 38-Jährigen durch den großen inneren Blutverlust verursacht wurde. Die Sofortmaßnahmen und die operativen Eingriffe im Krankenhaus kamen einfach zu spät.

Er selber sei mit dem damals neuen Lebensgefährten seiner Mutter nicht zurecht gekommen, erzählte er. Doch die Aussage des Kindes wies keinerlei Belastungstendenzen auf. Ja, der Rama habe ihn schon geschlagen, das sei aber so schlimm nicht gewesen. Und die Mutter habe er des Öfteren mit bösen Schimpfworten traktiert. Er habe versucht, das wieder hinzubekommen, es sei aber nicht gegangen. Am Ende wurde Ramazan A. der Wohnung verwiesen.

Eine gute Freundin des Opfers berichtete, dass die 38-Jährige nur einige Zeit ein wenig Abstand und Ruhe haben wollte. Doch A. habe das nicht hinnehmen wollen, habe auch mehrfach gedroht: „Du wirst die Kinder nicht wiedersehen.“ Da habe sie noch gedacht, der aus der Türkei stammende Angeklagte habe gedroht, seine Kinder ins Ausland zu bringen. Dass er die Mutter habe töten wollte, habe niemand ahnen können.

Der Prozess geht am 21. November weiter.

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