Mutter aus Eschweiler streitet mit Amt um Knöllchen

Von: Katrin Fuhrmann
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Sicher angeschnallt: Stefanie Bremens Sohn Gabriel sitzt wie vorgeschrieben im Kindersitz. Der Dreijährige kann den Gurt aber schon selbst lösen. Als er das auf einer Fahrt in Alsdorf tat, reagierte die Mutter sofort und hielt auf einem Bürgersteig. Dafür erhielt sie ein Knöllchen. Foto: Katrin Fuhrmann

Alsdorf/Eschweiler. Stefanie Bremen (41) aus Eschweiler fährt jede Woche mit ihren dreijährigen Zwillingen nach Alsdorf, weil ihr Sohn dort zur Physiotherapie muss. So auch Mitte diesen Monats. Dieses Mal war die Fahrt allerdings nicht so entspannt wie sonst. Auf einer der Hauptverkehrsachsen Alsdorfs öffnete ihr Sohn seinen Sicherheitsgurt und fing an rumzuhampeln.

Bremen fuhr rechts ran – auf den Bürgersteig, um ihren Sohn bei laufendem Motor wieder anzuschnallen. „Ich habe dort weniger als eine Minute gestanden. Es war weit und breit weder ein Fahrradfahrer noch ein Fußgänger zu sehen“, sagt sie.

Vor ein paar Tagen bekam sie Post vom Ordnungsamt wegen widerrechtlichen Parkens auf dem Gehweg. Sie legte Einspruch ein – ohne Erfolg. Beim Ordnungsamt sagte man ihr, sie hätte ein paar Meter weiter in die nächste Straße abbiegen können. Dort hätte sie niemanden behindert. Bremen reagiert auf diese Aussage mit Entsetzen. „Ich habe dort nur kurz gehalten, und außerdem habe ich in dem Moment das Leben meines Sohnes in Gefahr gesehen“, sagt sie.

Das Ordnungsamt sieht die Situation allerdings etwas anders. Der Mitarbeiter, der das Vergehen aus der Ferne beobachtet hat, sagt, dass Bremen sogar den Kofferraum bedient hätte. „Wir können nicht jede Situation diskutieren. Es reicht aus, wenn ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes eine Ordnungswidrigkeit feststellt“, sagt Jürgen Kochs, der seit 1989 für das Ordnungsamt tätig ist. Bremen leugnet, den Kofferraum bedient zu haben. Sie habe nur die hintere Tür ihres Wagens geöffnet.

Nur in absoluten Notfällen, das heißt, wenn Leib und Leben in Gefahr sind, dürfe man auf dem Geh- und Radweg parken, sagt man beim Ordnungsamt. Sonst nicht. Jürgen Kochs berichtet aus seiner jahrelangen Erfahrung, dass die meisten um Ausreden nicht verlegen seien. „Man glaubt gar nicht, was wir täglich zu hören bekommen“, sagt er.

Als Beispiel nennt er das Halte- beziehungsweise Parkverbot an örtlichen Schulen. Vor allem Eltern fänden immer wieder Gründe, die Ordnungswidrigkeit zu beschönigen, gar zu leugnen. Von „Ich wollte nur mein Kind zur Schule bringen“ über „Ich habe das Schild nicht gesehen“ bis zu „Meine Freundin hat gesagt, ich dürfte da parken“ – Kochs und seine Kollegen wissen mittlerweile, wie es läuft und welche Ausreden gängig sind.

Ändern tut das allerdings nichts. Gesetz sei Gesetz, da könne man keine Ausnahmen machen oder Ordnungswidrigkeiten unter den Tisch fallen lassen. Nur in zehn Prozent der Fälle legten Bürger überhaupt Einspruch gegen Verwarnungen ein. „Tun sie es doch, gewinnen wir in den meisten Fällen. Auch in Prozessen“, sagt Kochs. Die meisten seien sich ihrer Widrigkeit bewusst, auch wenn sie versuchten, um ein Bußgeld herumzukommen.

Im Fall von Bremen sah das Ordnungsamt auch die Schwächeren, also Fußgänger und Fahrradfahrer, gefährdet, die es zu schützen gilt. Ob nun ein Fußgänger oder Fahrradfahrer in der Nähe war oder nicht – Bremen sieht sich im Recht. Und das Ordnungsamt besteht darauf, dass Bremen für ihr Verhalten geradesteht.

„Mir geht es nicht um die zehn Euro, die ich bezahlen muss. Ich verstehe nur nicht, warum die Stadt Alsdorf keine Ausnahme macht“, sagt die 41-Jährige und betont, dass es keine Ausrede sei, dass sie das Wohl ihres Kindes gefährdet sah. Jeder, der kleine Kinder hätte, würde genauso reagieren, ist sich Bremen sicher. „Wer Angst um sein Kind hat, sucht mit Sicherheit nicht noch nach einem geeigneten Parkplatz. Man handelt sofort.“

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