Mutmaßlicher Betrüger kommt mit Blumen

Von: pol-dn
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Kreuzau. Der Versuch, einer Seniorin deren Erspartes abzuluchsen, schlug in der vergangenen Woche für einen höchst verdächtigen Staubsaugerverkäufer gründlich fehl.

Die Polizei konnte einen Beschuldigten vorläufig festnehmen. Ein Fall, der das dreiste und planmäßige Vorgehen von Betrügern anschaulich verdeutlicht und zur Vorsicht mahnen sollte, berichtet die Polizei.

Vergangenen Mittwochmorgen erhielt eine 76-Jährige aus dem Gemeindegebiet zunächst einen Telefonanruf, in der ihr eine Frauenstimme mitteilte, dass gleich jemand vorbei käme, um ihr einen Gewinn abzugeben.

Und tatsächlich, bereits kurz darauf erschien ein freundlicher, gepflegter Mann an der Haustür der Seniorin.

Ohne Argwohn ließ die Kreuzauerin den angekündigten Besuch ins Haus, der aus seinen mitgeführten Koffern jedoch keinen Gewinn holte, sondern einen Staubsauger vorführte.

Dieses Gerät sei etwas ganz Besonderes, wurde der betagten Frau unter anderem dadurch vermittelt, indem der Sauger aus einem Wassertank ein gut riechendes Duftöl freisetzte.

Während dieser Vorführungen klingelte es erneut an der Tür. Ein weiterer Unbekannter stellte sich als Chef des bereits Anwesenden vor.

Er wolle seinen Mitarbeiter kontrollieren und sich von der Qualität dessen Arbeit überzeugen, hieß es. Bis dahin hatte die Frau am Verhalten der beiden extrem freundlichen Herren noch nichts auszusetzen.

Schließlich wurde der Preis des Spezialsaugers mitgeteilt, der für knapp 7.000 Euro zu haben sei. Auf den berechtigten Einwand der Dame, dass dies doch recht viel Geld für einen Staubsauger sei, folgte „Plan B” der gut eingespielten Tatverdächtigen.

Mittels Handy nahmen sie Kontakt zu einem Vorgesetzten auf, der sich schließlich über den Lautsprecher des Mobiltelefons großzügig einverstanden erklärte, den Sauger im Eintausch für das Altgerät zum Vorzugspreis von 4.995 Euro zu überlassen.

Glücklicherweise hatte die Rentnerin aber nur 50 Euro im Haus. Dies wurde als Anzahlung akzeptiert und man vereinbarte, am nächsten Tag gemeinsam eine Bank aufzusuchen, um den hohen Geldbetrag dann in Empfang zu nehmen.

Mit der Anzahlung und dem Altgerät verließen beide Männer das Haus, nicht ohne der Seniorin noch schnell einen Kaufvertrag vorzuhalten, den sie unterschrieb, ohne ihn überhaupt in Ruhe gelesen zu haben.

Als der Sohn der 76-Jährigen später vom Besuch der Staubsaugerverkäufer erfuhr, informierte dieser die Polizei.

Am Donnerstagmorgen standen dann Beamte der Kriminalpolizei zum Empfang bereit, als einer der Tatverdächtigen wie vereinbart die Kreuzauerin zum Geldabheben abholen wollte.

Der 44 Jahre alte Beschuldigte aus Halle, der zwar einen Blumenstrauß bei sich trug, aber seinen Wagen offenbar aus gutem Grund nicht vor dem Haus geparkt hatte, leistete dabei Widerstand.

Bei sich trug er ein unterzeichnetes Vertragsformular, wonach die alte Dame 4.995 Euro als Sonderpreis akzeptiert hatte. Bei dem Festgenommenen, der einen Mercedes fuhr und einen hohen Bargeldbetrag in der Hosentasche trug, wurden Hinweise darauf gefunden, dass er auch woanders in der Region als vermeintlicher Gewinnüberbringer aufgetreten ist.

Zudem bezieht er offenbar auch noch staatliche Sozialleistungen.

Die 76-Jährige erhielt ihre 50 Euro Anzahlung und ihren alten Staubsauger von der Polizei wieder zurück.

Die aufwändigen strafrechtlichen Ermittlungen gegen den inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzten 44-Jährigen und weitere Tatbeteiligte, denen gewerbsmäßiger Betrug zum Nachteil älterer Menschen zur Last gelegt wird, dauern derzeit an.

Möglicherweise weitere Geschädigte werden gebeten, sich mit dem zuständigen Kriminalkommissariat der Polizei in Düren unter Telefon 02421/949-2425 in Verbindung zu setzen.

Die Polizei macht noch einmal darauf aufmerksam, dass man insbesondere bei Haustürgeschäften und vermeintlichen Gewinnübergaben höchste Vorsicht walten lassen sollte.

Man solle niemals fremde Personen in seine Wohnung eintreten lassen. Betrügern und Abzockern liegt nie das Wohlergehen älterer Menschen am Herzen; ihnen geht es nur ums Geld.

Im Zweifel: sofort die Polizei anrufen.
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