Mutige Abiturienten sind belohnt worden

Von: Claudia Schweda
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Der Numerus Clausus (NC), der an der RWTH auf allen Fächern für Studienanfänger liegt, ist nicht dramatisch gegenüber früheren Jahren angestiegen. In einigen Fällen ist er sogar gefallen. Foto: dpa

Aachen. Seit Jahren bereiten sich die Universitäten in NRW auf den doppelten Abiturjahrgang vor. Ihr Respekt war groß vor der Aufgabe, die da auf sie zukommen würde. Sie haben mehr Studienplätze geschaffen, mehr Personal eingestellt und neue Gebäude gebaut. Und nun?

 „Auf uns ist in diesem Wintersemester nicht die große Welle zugekommen“, sagt Torsten Dickmeis, zuständiger Abteilungsleiter in der RWTH-Verwaltung. „Die Mutigen, die sich nicht haben verrückt machen lassen, sind belohnt worden.“ Denn die Zulassungshürde, der Numerus Clausus (NC), der an der RWTH auf allen Fächern für Studienanfänger liegt, ist nicht dramatisch gegenüber früheren Jahren angestiegen. In einigen Fällen ist er sogar gefallen.

Doch der vermutete Ansturm auf die Studienplätze hat offenbar viele Bewerber abgeschreckt. Es drängten zwar insgesamt mehr Studenten an die Unis; knapp 20 Prozent beträgt das Plus an der RWTH Aachen, zwölf Prozent an der FH Aachen. Aber es gab 55 Prozent mehr Abiturienten. Die Mehrzahl von ihnen scheint also der Ansicht gewesen zu sein, dass eine Bewerbung ohnehin aussichtslos ist. Das war eine Fehleinschätzung.

Es bleiben Studienplätze frei

Denn inzwischen stellt sich heraus, dass selbst an so begehrten Unis wie der RWTH der NC nicht zur unüberwindbaren Hürde wurde. In einigen Fächern ist er sogar gefallen. Die Überraschung geht sogar so weit, dass in neun Studiengängen alle Bewerber genommen worden sind. Es musste also keine Auswahl über den NC, also die Abiturnote, getroffen werden – und das selbst in so renommierten Fächern wie E-Technik, Informatik oder Werkstoffingenieurwesen. In E-Technik bleiben sogar über 100 Studienplätze frei.

Die Frage, warum angesichts dessen überhaupt mit einem NC agiert wird, beantwortet das komplizierte Zulassungsrecht. Beantragt eine Hochschule nämlich im Vorfeld beim Ministerium keine Zulassungsbeschränkung, muss sie jeden Bewerber nehmen. Das Risiko konnten die Hochschulen bei einem doppelten Abiturjahrgang nicht eingehen. Gibt es aber eine Zulassungsbeschränkung, bewerben sich die Abiturienten an vielen Hochschulen auf ein und dasselbe Studienfach. Schließlich können sie ja nicht vorher wissen, welcher NC am Ende an welcher Universität nötig ist, um einen Studienplatz zu ergattern. Denn erst die Durchschnittsnote des letzten Abi­turienten, der einen Studienplatz erhält, setzt den im aktuellen Semester für dieses Studienfach nötigen NC fest. Erhält nun ein Abiturient an seiner Wunsch-Hochschule eine Zusage, sagt er allen anderen Universitäten ab.

„Die Erfahrung zeigt, dass – je nach Fach – jeder dritte oder vierte Bewerber tatsächlich am Ende das Studium in Aachen aufnimmt“, sagt Dickmeis. Also rechnet die Hochschule die Absagen ein und überbucht das Studienfach: Sie schickt mehr Abiturienten eine Zulassung, als sie Studienplätze hat. Im Fall der Elektrotechnik haben in diesem Wintersemester zum Beispiel alle 1093 Bewerber eine Zusage erhalten. Doch nur 521 kamen – bei 650 möglichen Plätzen. An der FH Aachen bleiben etwa im Fach Architektur zehn von 211 Plätzen unbesetzt.

Doch wo sind die, die diese Plätze nicht belegen? Alle Beteiligten vermuten, dass die, die nicht an die Uni drängen, ein freiwilliges soziales Jahr einlegen, im Ausland sind oder eine Lehre angefangen haben. Wissen kann das aber niemand. Keine Statistik erfasst, wo die bleiben, die leer ausgegangen sind oder es gar nicht erst an einer Hochschule versucht haben. „Irgendwo müssen die aber sein“, sagt Dieckmeis. Als RWTH-Verantwortlicher rechnet er damit, dass die Absolventen des doppelten Abiturjahrgangs sich einfach auf die nächsten Jahre verteilen werden: „Die Welle wird nicht abflachen.“

Und die seit langem erwartete bundesweite Koordination der Studienplatzvergabe bleibt wegen technischer Probleme weiter Zukunftsmusik.

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