Mut für Reformen in der katholischen Kirche

Von: Sandra Kinkel
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Weihbischof Dr. Johannes Bünd
Ein Moment größter Feierlichkeit: Die Erhebung der Dürener Anna-Reliquie, die hier der Aachener Weihbischof Johannes Bündgens trägt. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Durchaus kritische Töne gab es zur Eröffnung der Annaoktav von Anna-Seelsorger Hans-Otto von Danwitz. „Im vergangenen Jahr”, so der Regionaldekan, „war Gottes Melodie das Thema unserer Oktav. Aber das Singen ist mir angesichts der Missbrauchfälle auch in der katholischen Kirche so manches Mal vergangen.”

„Berufen zur Freiheit”, heißt das Motto der Annaoktav 2011, zur feierlichen Eröffnung war der Aachener Weihbischof Johannes Bündgens an die Rur gekommen. „Ich komme immer sehr gerne in den Kreis Düren”, so Bündgens, „wo ich selbst viele Jahre Pastor war.”

Das Motto der Annawoche, so Bündgens, stehe in engem Zusammenhang mit den zehn Geboten. „Dabei müssen wir erkennen, dass die zehn Gebot weder Zwang und Norm sind, sondern vielmehr eine Weisung zur Freiheit.” Im Übrigen könne man diese Gebote auch modernisieren; „Was ist unsere ganz persönliche Prioritätenliste mit Werten, an die wir uns täglich erinnern und an die wir uns halten möchten?”

Hans-Otto von Danwitz betonte in seiner Predigt, deren Thema hieß „Frei für den einen Gott”, dass die Krise der katholischen Kirche, die zu vielen Kirchenaustritten geführt habe, auch eine Entscheidung bedeute. Unter der Decke sei Vieles tot geschwiegen worden. Das und auch die Doppelbödigkeit müsse jetzt endlich ein Ende haben.

„Wir brauchen Umkehr und Dialog”, so von Danwitz, „Und auch die ganze Woche der Annaoktav soll zum Dialog einladen.” Jeder, sagte von Danwitz in der voll besetzten Annakirche weiter, müsse sich ganz persönlich fragen, ob er frei für Gott sei. „Oder setze ich Götter neben oder gar über ihn? Habe ich in meinem Leben genug Freiräume für das Gebet und das Hören und Gott? Oder nehmen fremde Götter wie Erfolg und Geld viel zu viel Platz ein?”

Die Freiheit, sagte von Danwitz, sei aus seiner Sicht auch der Schlüssel zum Umgang mit den Missbrauchsfällen. „Führt die Krise wirklich zu einer neuen Freiheit?” Der Glaube enge nicht ein, er vermittele den Menschen vielmehr Regeln aus Liebe. „Die zehn Gebote sind eine Anleitung zur Freiheit, eine Aufforderung, das Leben zu wagen. Und genau das ist auch der Mut, den ich mir wünsche für die notwendigen Reformen in unserer Kirche.”
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