Aachen - Mussinghoff verteidigt staatliche Gelder für Kirchen

Mussinghoff verteidigt staatliche Gelder für Kirchen

Von: Georg Dünnwald
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„Unsere Gesellschaft braucht die Kirchen”: Bischof Heinrich Mussinghoff sprach gestern im Bischof-Hemmerle-Haus in Aachen.

Aachen. „Unsere Gesellschaft braucht die Kirchen. Davon bin ich nicht nur als Bischof, sondern auch als Demokrat überzeugt”, unterstrich am Donnerstagmorgen Bischof Heinrich Mussinghof während eines Empfangs für die Medien im Aachener Bischof-Hemmerle-Haus.

Damit antwortete auf die teilweise scharfe Kritik an der Kirche und deren Finanzierung. Politiker aus den Reihen der Liberalen, der Grünen und der Linken hatten die Diskussion im Sommer 2010 erneut angestoßen. „Das fiel in der Medienöffentlichkeit auf fruchtbaren Boden, in einer Zeit, als die katholische Kirche wegen schlimmer Schuld in den eigenen Reihen Vertrauensverluste hinnehmen musste und sich gesellschaftlich in die Defensive gedrängt sah.”

Die Kirchenfeinde, wie Mussinghoff die Kritiker nennt, kritisierten Privilegien wie die Erhebung von Kirchensteuer und deren steuerliche Absetzbarkeit. Dabei dürften diese Abgaben grundsätzlich von allen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften erhoben werden, die eine Körperschaft des öffentlichen Rechts seien. „Das gilt nicht allein für die beiden großen Kirchen.”

Bei aller Trennung von Kirche und Staat dürften nicht die Leistungen der Kirchen für das den sozialen Frieden stärkende Wertbewusstsein in der Gesellschaft unterschätzt werden, so der Appell des Bischofs: „Davon profitieren sowohl religiöse wie auch nicht religiöse Menschen.”

Christen setzten der Anonymität sozialer Kälte den Geist eines emotionalen gesellschaftlichen Zusammenhalts entgegen. „Die Kirchen schützen mit ihrem Menschenbild die unantastbare Menschenwürde als Pfeiler des Staates”, sagte der Bischof. Im Übrigen seien Staatsleistungen für die Kirchen keine Subventionen. Darüber könnten die Kirchen auch nicht frei verfügen. Es handele sich vielmehr um streng zweckgebundene Leistungen im Verfassungsrang.

Diese so genannten Dotationen haben historische Wurzeln und reichen oft in die Zeit Napoleons zurück. So wurden 1803 zahlreiche deutsche Reichsfürsten im Rahmen der Säkularisation für Gebietsverluste auf der linken Rheinseite durch Kirchengüter auf der rechten Rheinseite entschädigt. Die Fürsten verpflichteten sich im Gegenzug, den Kirchen regelmäßige Dotationen zu gewähren. Derzeit beläuft sich die jährliche Summe auf etwa 460 Millionen Euro.
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