Raeren - Museum in Ostbelgien: Geschichten aus der Töpfereigeschichte

Museum in Ostbelgien: Geschichten aus der Töpfereigeschichte

Von: Katharina Menne
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Das Schloss mitten in Raeren: Kurz hinter der deutsch-belgischen Grenze in Aachens Süden befindet sich das Töpferei-Museum. Obwohl es ein kleines Museum ist, bemühen sich die verantwortlichen, technisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Foto: Katharina Menne

Raeren. Museen sind Bewahrer der Geschichte. Dass Geschichte aber nicht verstaubt, langweilig und trocken sein muss, sondern lebendig und anschaulich sein kann, beweist das Töpferei-Museum im belgischen Raeren mit einer neuen Museums-App für Smartphones und Tablets, der ersten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

An insgesamt zwölf Stationen auf den verschiedenen Etagen des Museums bietet die App ausführliche Hintergrundinformationen mit „Geschichten hinter der Geschichte“ des über Europa hinaus bekannten Raerener Steinzeugs.

Raeren war einst eines der bedeutendsten Zentren des mittelalterlichen und früh-neuzeitlichen Töpferhandwerks. Selbst in Australien wurde Steinzeug aus dem kleinen belgischen Ort nahe der deutschen Grenze gefunden. Vom unscheinbaren Tonklumpen über Fehlexemplare, herausragende Meisterstücke und viele lustige Sonderformen, lässt sich hier die Geschichte der Töpferei im Rheinland nachvollziehen.

In der App ziehen neun animierte Videofilme einen roten Faden durch die Dauerausstellung. Ian Emens Menneken, der wohl bekannteste und beste Raerener Töpfermeister des 16. Jahrhunderts, erzählt in den kurzen Filmen „persönlich“ von seinen Erfahrungen in der Töpferwelt. Da geht es um die beschwerliche Arbeit in der Töpferwerkstatt, um die Exportwege durch ganz Europa, um einzelne, besondere Ausstellungsobjekte und schließlich um den Niedergang der Raerener Töpferei. Dazu gibt es begleitende Hörspiele, Infotexte, Bildergalerien und ein ausführliches Glossar. Das Tablet oder Smartphone wird so zum multimedialen Audioguide.

„Die App macht die Exponate lebendig“, beschreibt die Museumspädagogin Melanie Keifens die Idee dahinter. „Außerdem kann sich jeder Besucher mit der App individuell seine eigene Führung zusammenstellen.“ Das Programm bietet neben ausführlichen Informationen zur Ausstellung vor Ort den Vorteil, dass der Museumsbesuch vor- oder nachbereitet und auch später noch mal etwas nachgeschlagen werden kann.

Die Idee zum „mGuide“, so der Name der App, hatte Museumsleiter Ralph Mennicken bereits vor vielen Jahren. Noch bevor es überhaupt Tablets oder Smartphones gab, dachte er über ein multimediales Vermittlungsinstrument für Besucher nach. Doch sowohl die damaligen technischen Möglichkeiten als auch der finanzielle Aufwand machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Erst ein Projektaufruf der König-Baudouin-Stiftung im Jahr 2013, in dem es darum ging, Jugendlichen das Thema Museum und Geschichte näherzubringen, machte die Realisierung durch eine Anstoßfinanzierung möglich.

Daraufhin entwickelten 22 Schüler der Pater-Damian-Schule in Eupen in einem mehrmonatigen pädagogischen Projekt die Inhalte der neun Filme, erarbeiteten die Erzählstränge, zeichneten die Storyboards und lernten, Kurzfilme auf Basis von vorgefertigten Zeichnungen selbst zu animieren und zu vertonen. In Kooperation mit dem Institut für digitales Lernen Eichstätt, das Ralph Mennicken als Partner gewinnen konnte, wurde dann die App erstellt.

Der letzte Ofen

„Die bisherigen Rückmeldungen der Besucher sind sehr positiv“, fasst Mennicken die Reaktionen auf die App zusammen. „Selbst Senioren nehmen das Angebot gerne an und kommen nach kurzer Einweisung gut zurecht. Die Feedback-Fragebögen weisen eine sehr intensive Nutzung im Museum und durchweg gute Kommentare aus. Das freut mich sehr.“

Im Zuge des 30-jährigen Kriegs verloren die Raerener Töpferwerkstätten mehr und mehr an Bedeutung. Der letzte Ofen in Raeren brannte im Jahr 1850. Kern der Steinzeugsammlung im Töpfereimuseum sind Ausgrabungsfunde aus dem 20. Jahrhundert vom gesamten ehemaligen Töpfereibezirk Raeren. Doch noch heute baut dort kaum jemand ein Haus, ohne auf zahlreiche Tonscherben zu stoßen.

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