Morphium-Mord: Lydia H. könnte sogar wieder Ärztin werden

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Lydia H.
Der Fall der Aachener Anästhesistin, die 2011 ihren 50 Jahre älteren Ehemann tötete, soll bald zum dritten Mal verhandelt werden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Fall der Aachener Ärztin Lydia H. (39) lässt den Bundesgerichtshof (BGH) nicht los. Zum dritten Mal ist das zuletzt auf Totschlag lautende Urteil an das Aachener Landgericht zurückverwiesen worden. Der BGH sieht „erhebliche Milderungsgründe“ nicht ausreichend berücksichtigt.

Der aufsehenerregende Fall der jungen Anästhesistin, die in der Nacht zum 19. Februar 2011 ihren 50 Jahre älteren Ehemann mit einer Überdosis Morphium in ihrer gemeinsamen Aachener Wohnung getötet hatte, wird nun in Aachen zum dritten Mal neu verhandelt.

Den Eingang der BGH-Entscheidung bestätigte am Mittwoch Gerichtssprecher Daniel Kurth, der Fall soll in absehbarer Zeit von der 3. Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen verhandelt werden.

Die damals 35-jährige, in Aachen ausgebildete Ärztin arbeitete zur Tatzeit an der Uniklinik in Ulm. Ihr in Aachen lebender Ehemann hatte herausbekommen, dass sie dort seit einiger Zeit ein Verhältnis zu einem anderen Mann unterhielt. Der Ehemann drohte, ihre gesamte berufliche Existenz zu zerstören. Sie sei verzweifelt gewesen, hatte sie am Ende des ersten Verfahrens im Juli 2012 ausgesagt.

In einem nächtlichen Ehestreit griff sie zur Morphiumspritze und verabreichte deren Inhalt – in einem kleinen Kampf, wie sie damals angab – dem nicht mehr rüstigen, aber durchaus gehfähigen Partner in sein Bein. Die Ärztin wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Verteidiger legten Revision ein – mit dem Ziel der Strafmilderung. Nach einem zweiten Schwurgerichtsprozess im April 2014 war Lydia H. dann wegen Totschlags wesentlich milder verurteilt worden – zu acht Jahren Haft. Nun legten Staatsanwaltschaft und Verteidiger Revision ein – die einen mit dem Ziel der Beibehaltung der ursprünglich verhängten lebenslangen Haftstrafe, die andern strebten eine noch mildere Strafe an. Dieser Versuch schlug fehl.

Inzwischen ist eigentlich nur noch der Tatbestand, dass Lydia H. ihren Mann damals vom Leben in den Tod beförderte, unumstritten. Aufgrund des Revisionsantrags der Strafverteidiger stehen nun erneut das Strafmaß und sogar das lebenslange Berufsverbot für die Ärztin auf dem Prüfstand, selbst wenn die Staatsanwaltschaft bei dem für die ursprünglich wegen Mordes verurteilte Ärztin bei dem für sie wesentlich „günstigeren“ Urteil wegen Totschlags bleiben würde.

Der mit dem Fall befasste Strafverteidiger Marc Sitzer wollte vorab keinen Kommentar abgegeben, das sei „nicht angebracht“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Doch die Hinweise des BGH sind deutlich. So sehen die Bundesrichter noch nicht näher ausgeführte „erhebliche Milderungsgründe“ nicht ausreichend berücksichtigt.

In der Begründung des Bundesgerichtshofs heißt es: Die Tat sei aus einer „konfliktbeladenen Beziehung zu dem Opfer entstanden“ und sei zudem noch „durch dessen Verhalten“ provoziert worden. Also sei „mit einer vergleichbaren Tat für die Zukunft kaum noch zu rechnen“.

Ob möglicherweise andere rechtswidrige Taten zu erwarten seien, habe das Aachener Gericht gar nicht erörtert, so die Karlsruher Richter. Ihr Fazit: „Das wäre aber zur Prüfung der Verhältnismäßigkeit des Eingriffs in die Freiheit der Berufsausübung erforderlich gewesen.“

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