Mordprozess gegen Ralf S.: Neue Zweifel an den Erklärungen

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Schon der erste Schuss war tödlich, in Augenblicken zerriss er alle vier Herzkammern des Opfers Johann P. So erklärte es Gutachter Markus Rothschild am Donnerstag im Mordprozess gegen Ralf S. (45) aus Kall.

Am 17. Januar dieses Jahres soll der Angeklagte seinen Freund und Geschäftspartner Johann P. (32) im Keller des Autohauses von S. im Ortsteil Sötenich zunächst angeschossen und dann mit einem aufgesetzten Nackenschuss getötet haben. Rechtsmediziner Rothschild beschrieb der Schwurgerichtskammer (Vorsitz Richter Gerd Nohl), wie die Kugel schräg in den Brustkorb eingedrungen war und dann „alle vier Herzkammern” durchschlug.

Trotzdem, erklärte Rothschild weiter, sei es medizinisch durchaus vorstellbar, dass das Opfer wie vom Angeklagten beschrieben die Kellertreppe hochgelaufen und dann im Parterre vor einer Grube zusammenbrach. Das gehe, weil das Gehirn trotz des unmittelbaren Blutdruckabfalls noch „fünf bis 15 Sekunden” weiterarbeite, erklärte Rothschild.

Oben dann an der Grube schoss Ralf S. den am Boden liegenden Johann P. von hinten in den Nacken - ebenfalls „aus Versehen”, wie S. am Anfang des Prozesses angab. Für den Sachverständigen war das ein Schuss, der „aufgesetzt oder aus höchstens einem Zentimeter Entfernung” abgegeben wurde. Er traf einen zwar nicht toten, aber doch einen „zum Tode geweihten Mann”, wie es der Gutachter formulierte. Da ein Waffensachverständiger der Kriminalpolizei ausgeführt hatte, dass es durchaus eines kraftvollen Druckes an den zwei Abzügen der Jagdwaffe bedürfe, um die Schüsse zu lösen, scheinen Ralf S. Erklärungsversuche fragwürdig. Alles aus Versehen? Sein Verteidiger kündigte für Montag eine Erklärung seines Mandanten an.

Morgens sagte die Ehefrau von S. im Zeugenstand aus. Als Ehefrau braucht sie keine Angaben vor Gericht zu machen, Martina S. (45) tat es doch. Die Raumpflegerin, die erst im Oktober 2011 ihren langjährigen Freund Ralf S. geheiratet hatte, berichtete über die zeitweise „viel zu enge” Verbindung zwischen ihnen und dem Partner ihres Mannes. Die Familien, auch die schwangere Ehefrau des Getöteten, kam immer mit, hätten Tag für Tag beinahe alles zusammen gemacht. Das Opfer Johann P., mit dem S. einen Schrotthandel betrieb, sei einerseits „lieb”, andererseits aber völlig cholerisch gewesen. Beispielsweise habe er einmal mit einer Kettensäge sein eigenes Mobiliar zersägt, sie hatte Angst vor dem ruppigen Mann, sagte Martina S.

Der Prozess wird am Montag, 8. Oktober, um 9 Uhr fortgesetzt.
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