Mordfall Wassenberg: Mittäter will nicht dabei gewesen sein

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Angeklagte Norbert D. im Landgericht in Aachen zum Beginn des Prozesses. Foto: dpa
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Der Angeklagte Franky G. am Eröffnungstermin beim Prozess in Aachen. Foto: dpa
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Der Hauptangeklagte Janosch Wolfgang S. beim Betreten des Saals im Aachener Landgericht. Foto: dpa

Aachen/Wassenberg. Weil er Mittäter beim Mord und dem versuchten Mord an dem Brüderpaar Michael und Markus D. aus Bonn gewesen sein soll, steht derzeit der 46-jährige selbstständige Kfz-Aufarbeiter aus Wegberg Norbert D. mit zwei weiteren Angeklagten vor dem Aachener Schwurgericht. Seine Aussage am Freitag ließ viele Fragen offen.

In seiner Erklärung gab Norbert D. unter Tränen an, dass er bei den Taten zwar dabei gewesen sei, aber bei der Tötung und dem Tötungsversuch jeweils gerade „im Gebüsch urinieren“ war oder an anderer Stelle gewartet habe.

In dem Verfahren um das Gewaltverbrechen gegen das Brüderpaar am Abend des 21. Oktober 2012 ging es um rund zwei Millionen Euro, die der Anlageberater und mutmaßliche Haupttäter Janosch Wolfgang S. bei einer Bonner Familie ergaunert haben soll.

Die Familie wollte das Geld, das sie aus Angst vor der Euro-Krise den Hauptangeklagten gegeben hatte, wieder zurückhaben. S. war dort seit 2009 als eine Art väterlicher Freund ein- und ausgegangen und hatte nach Berichten des  Bruders Michael D. (51) „das volle Vertrauen der Familienangehörigen“.

Den jüngeren Bruder, der in Wassenberg umgebracht wurde, hatte er mit dem Versprechen, ihm einen Job als Kurier geben zu wollen, in ein Waldstück gelockt. Dort wurde er mit Steinen, die Norbert D. in einem präparierten Kurierkoffer herbeigeschafft hatte, buchstäblich wie ein Tier erschlagen. Der wegen Mordes mitangeklagte Norbert D. soll laut Anklage die „rechte Hand“ des mutmaßlichen Betrügers gewesen sein. Er hatte die Aufgabe, mit einem weiteren Helfer aus Krefeld und auf Geheiß des Hauptangeklagten S. die Brüder im Laufe jenes Oktobertages nacheinander in diesen Hinterhalt zu locken.

Er, Norbert D., sei ein einfacher selbstständiger Handwerker, der den Hauptangeklagten über kleinere Arbeiten an dessen Mercedes kennengelernt habe. So begann D. seine tränenreiche und von Selbstmitleid geprägte Einlassung vor dem Schwurgericht, das unter dem Vorsitz von Richter Arno Bormann stand.

Der sehr seriös wirkende Geschäftsmann S. habe ihn dann zu Diensten verpflichtet, die eigentlich nichts mit seinem Metier, der Autoreparatur, zu tun hatten. So habe S. ihn dazu gedrängt, mit einem Doktortitel und als Mitglied einer Steuerberaterkanzlei aufzutreten. Der Richter äußerte arge Bedenken gegen die Glaubwürdigkeit dieser Version: „Das ist doch bereits der Beginn eines illegalen Verhaltens.“

An jenem frühen Abend des 21. Oktober habe S. ihn gebeten, das spätere Opfer in das Waldstück zu bestellen. Damit es besser aussehe, sollte er einen Koffer mit Steinen füllen, der dann von dem Bruder als Kurier an eine weitere Adresse gebracht werden sollte. „Warum das alles“, wunderte sich der Richter. „Das und ihr Beisein war doch völlig überflüssig?“

Nein, man habe das alles so glaubhaft darstellen wollen, meinte der Angeklagte weiter. Als es dann später am Rande eines Parkplatzes zu der tödlichen Attacke mit den Ziegelsteinen kam, sei er bereits wieder weggefahren, habe aber angehalten und sei wieder umgekehrt. Da habe das Opfer bereits tot dagelegen. Auf Geheiß von S. habe er dann noch helfen müssen, die Leiche in eine nahe Bauruine zu schleppen.

Beim Angriff auf den älteren der beiden Brüder soll es ähnlich abstrus zugegangen sein. Dort war als Treffpunkt eine schmale Straße in einem Waldstück hinter der Grenze in Holland vereinbart. Auch dort habe er nichts von der Tat gesehen, da er beim zweiten Angriff, der wiederum mit Steinen vollzogen wurde, „gerade hinten am Weg urinieren“ gewesen sei.

Von seinem mutmaßlichen Mittäter, dem 37-jährigen Frankie G. aus Krefeld, habe er in der Dunkelheit kaum etwas gesehen. Auch könne er heute nicht bestätigen, dass es dieselbe Person sei, die jetzt hinter ihm auf der Anklagebank sitze.

Der Prozess wird am 20. August fortgesetzt.

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