Mordfall Wassenberg: Janosch S. bricht sein Schweigen

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Angeklagte Franky G. am Eröffnungstermin beim Prozess in Aachen. Foto: dpa

Aachen. Im Mordprozess gegen den Antiquitätenhändler Janosch S. (66) aus Wassenberg und zwei Mittäter, Norbert D. (47) und Franky G. (37), belastet der Hauptangeklagte S. den Mitangeklagten Franky G. schwer.

Der spektakuläre Fall um Millionenbetrug, einen Mordversuch und einen Mord an einem Brüderpaar aus der Bonner Region ist jetzt bereits im 21. Verhandlungstag vor dem Aachener Schwurgericht.

 Noch in der vergangenen Woche hatte der mutmaßliche Mittäter Franky G., ein Mitglied der weitverzweigten Roma-Familie des Janosch S., den Hauptangeklagten schwer belastet. Jener habe den Mord am frühen Abend des 21. Oktober 2012 auf dem Wassenberger Waldparkplatz begangen. Er, Franky G., habe dann wie auch der dritte Angeklagte mitgeholfen, die Leiche zu beseitigen.

Nun brach Janosch S. sein Schweigen. Bei der ersten der zwei am Abend des 21. Oktober 2012 aufeinander folgenden Taten, die der jüngere Bruder Markus D. nicht überlebte, sei er selber von dem Mann urplötzlich von hinten angegriffen worden. Er habe einen heftigen Stoß in den Rücken verspürt. Er sei dann hingefallen und das spätere Opfer habe mit seinem Fuß auf seinem Brustkorb gestanden. Dabei habe Markus D. ihn angeschrien, er sei ein „dreckiger Betrüger“. Da sei von hinten „Gott sei Dank“ der Franky gekommen. Der habe dann wohl zugeschlagen, mutmaßte S. bei der Befragung durch den Vorsitzenden Richter Arno Bormann.

Erst als der Dritte im Bunde hinzugekommen sei hätten die drei bemerkt, dass das Opfer nicht nur ohnmächtig, sondern tot gewesen sei. Spontan protestierte der so schwer belastete Franky G. im Gerichtssaal und versicherte auf Befragen des Richters, dass nicht er, sondern der ältere Verwandte mit dem Ziegelstein zugeschlagen habe.

Die Aktion auf dem Waldparkplatz ist nur vor dem Hintergrund der komplizierten Geldgeschäfte zu verstehen, die Janosch S. mit der aus der Bonner Gegend stammenden Familie des Wassenberger Arztes Michael D. (51) tätigte. Michael D. wurde später am Abend von dem Trio überfallen und konnte nur mit viel Glück dem Mordversuch entrinnen. Auch hier soll S. mit einem Ziegelstein zugeschlagen haben. Dazu sage er aber vorläufig nichts, entschieden seine Verteidiger.

Die Familie hatte den als Betrüger vorbestraften Janosch S. zu ihrem Finanzverwalter erkoren, aus welchen Gründen auch immer. An diesem Abend sollte S. Geld zurückzahlen und gleichzeitig dem jüngeren Bruder einen Job als Kurier wertvoller Gegenstände geben. Das sei alles nur ein Fake gewesen, ließ sich der Angeklagte ein. Es habe dazu gedient, dem unsteten und nicht sehr fleißigen Bruder die Illusion einer Beschäftigung zu geben.

Deshalb habe man so getan, als würden die Koffer „wertvolle antike Steinfragmente der Phönizier und Sumerer“ sowie Gold beinhalten, versuchte S. die irrwitzige Geschichte dem Schwurgericht zu erklären. Markus D. habe aber wohl in den Koffer geschaut und nur Steine gefunden. Im Übrigen habe der jüngere Bruder das Geld seiner Familie eingefordert, weil das schließlich „sein Erbe“ sei. Dann sei es zu den tödlichen Schlägen gekommen.

Richter Bormann machte klar, dass diese Version der ersten Tat mit dem nicht lange darauf folgenden weiteren Mordversuch kaum in Einklang zu bringen sei. Hier hatte das geflohene Opfer Michael D. eindeutig ausgesagt, dass sein „väterlicher Freund“ S. ihm mit aller Wucht mit einem Stein auf den Kopf schlagen wollte -  dies nur ein Sekunde nachdem er von hinten beinahe tödlich niedergeschlagen worden war. Parallel zu dem Mord wird Janosch S. Betrug in Millionenhöhe vorgeworfen. Der Prozess geht am 21. November weiter.

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