Morde für das Millionenerbe: Bordellchef vor Gericht

Von: Frank Christiansen, dpa
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Ein hessischer Bordellbetreiber soll einen Doppelmord in Düsseldorf in Auftrag gegeben haben, um seine Enterbung zu verhindern. Am Freitag beginnt der Prozess gegen den 56-Jährigen. Der Prozessbeginn war wegen gesundheitlicher Probleme des Mannes vertagt worden. Foto: dpa

Düsseldorf. Ein osthessischer Bordellbetreiber muss sich am kommenden Freitag als mutmaßlicher Auftraggeber eines Doppelmordes erneut vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Im September hatte der Prozess nach nur einem Verhandlungstag wegen gesundheitlicher Probleme des 56-Jährigen abgebrochen werden müssen.

Der Angeklagte soll einen drogenabhängigen 23-Jährigen angeheuert haben, um seine Enterbung zu verhindern - es ging um eine knappe Million Euro. Der mutmaßliche Killer hat inzwischen auch vor Gericht gestanden, den Stiefvater und die Halbschwester des Bordellbesitzers mit Kopfschüssen getötet zu haben. Dabei hat er auch den 56-Jährigen aus Burghaun als Drahtzieher genannt. Die Staatsanwaltschaft hat bereits lebenslange Haft wegen Mordes gegen den 23-Jährigen beantragt. Der Bordellchef hatte seine Täterschaft dagegen bislang bestritten.

Laut Anklage soll Detlef W. (56) das „schwarze Schaf” der Familie gewesen sein. Seine Mutter habe ihm dennoch immer wieder Geld zukommen lassen. Als aber durch ein Steuerverfahren herauskam, dass er im Haus der Familie in Hessen ein Bordell betrieb, sollte er enterbt werden und hatte dies über eine Anwältin erfahren.

Am 17. Juni 2010 habe er deshalb den 23-Jährigen nach Düsseldorf chauffiert. Während Detlef W. im Auto gewartet habe, soll sich Johannes K. (23) an der Haustür als Paketbote ausgegeben und so Zutritt zu dem unscheinbaren Mehrfamilienhaus verschafft haben. In dem Paket habe sich eine Pistole mit Schalldämpfer befunden. Er drang - so die Rekonstruktion der Ermittler - in die Wohnung ein, schob die betagte leibliche Mutter seines Auftraggebers in einen Nebenraum, und zwang die Opfer, sich mit Klebeband den Mund zuzukleben.

Der Stiefvater, ein pensionierter Regierungsbaudirektor (82), wurde im Bett auf dem Bauch liegend mit zwei Schüssen in den Hinterkopf getötet. Die 39-jährige Halbschwester wurde mit einem Schuss, ebenfalls in den Hinterkopf, umgebracht. „Das war eine Hinrichtung”, sagte ein Polizeisprecher seinerzeit. In einem Versteck in der Wohnung blieben dabei Wertpapiere, Bargeld und Edelmetallbarren im Gesamtwert von 150.000 Euro unangetastet.

Die Tochter hatte vor ihrer Erschießung noch den Notruf 110 der Polizei mit ihrem Handy gewählt, aber nichts mehr sagen können. Dabei waren aber Satzfetzen des mutmaßlichen Mörders mitgeschnitten worden. Ein Sprachexperte hatte einen hessischen oder thüringischen Dialekt herausgehört. Burghaun liegt in Osthessen in Nähe der Grenze zu Thüringen.

Eine Überwachungskamera eines nahe gelegenen Hotels hatte zur Tatzeit zudem einen Wagen gefilmt, der sich später als der des ungeliebten Stiefsohns herausstellte. Außerdem erinnerte sich die Mutter (82), dass sich ihr Sohn einige Tage vor der Tat erkundigt habe, wann denn bei der Familie in Düsseldorf die Post zugestellt werde. Die Frage habe sie gewundert, weil ihr Sohn nie etwas geschickt habe. Die Mutter wurde als einzige Überlebende unter Polizeischutz gestellt. Detlef W. wurde monatelang überwacht, sein Telefon abgehört. Eines Tages soll er sich tatsächlich am Telefon verplappert haben.
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