Mord in Simmerath: Innere Stimme gab Tötungsbefehl

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
7127420.jpg
Was geschah in diesem Haus in Kesternich? Im Ort herrschen Entsetzen und Fassungslosigkeit über den gewaltsamen Tod einer 61-jährigen Frau. Foto: Hoffmann

Aachen/Simmerath. In einer erschütternden Erklärung hat Stephan B. (26) am Dienstag eine brutale Tat vom 10. Februar dieses Jahres in Simmerath-Kesternich gestanden: Er habe dem Opfer, der zum Tatzeitpunkt 62-jährigen Ehefrau des Kesternicher Ortsvorstehers, etwa „20 Mal auf den Kopf geschlagen“, hieß es in der Erklärung.

Sie wurde im Beisein von Familienangehörigen der Getöteten von seinem Verteidiger Fritz Kampmann vor dem Aachener Schwurgericht verlesen.

Die Tat geschah gegen 19 Uhr im Haus der Tochter, wo die Großmutter ihre zwei Enkeltöchter betreute. Das Haus der Getöteten liege unmittelbar nebenan, hieß es in dem Schwurgerichtsverfahren, in dem der 26-jährige damalige Heimbewohner wegen Mordes angeklagt ist. Die Enkelkinder befanden sich während der Tat in anderen Bereichen des Hauses.

Ihm tue die Tat letztlich „unendlich leid“, hatte der wegen seiner psychischen Verfassung laut Anklageschrift nur als „vermindert schuldfähig“ geltende B. verlauten lassen. Aber seine erschütternde und über weite Strecken völlig freimütige Schilderung seiner Motive zeichnet ein anderes Bild. Für ihn selber, schilderte das Heimkind aus Overath, habe sich nie jemand richtig interessiert. „Deshalb wollte ich da sehen, wie das ist, wenn es jemanden hart trifft.“ Er habe zuletzt mit seiner Fingerhantel zugehauen, „bis die Schädeldecke durch war“, hatte er bei der Polizei angegeben, die ihn elf Tage nach der Tat nach einem DNA-Abgleich bei seinen Eltern aufspürte.

Am Tattag  war B. aus dem Heim in Simmerath-Strauch abgehauen und nach 16 Uhr zu einer Bushaltestelle gegangen. Hier wartete er, habe noch in ein nahes Blumengeschäft einbrechen wollen, „um Geld herauszuholen“. Das verwarf er aber wieder und klopfte dann an die Türe des Hauses, weil er mal auf die Toilette musste. Das spätere Opfer ließ ihn herein, er fragt nach einem Tee, er ging zur Toilette und sie in die Küche. Auf dem Rückweg an der Küche vorbei sei es über ihn gekommen, hieß es. Er habe in diesem Moment wissen wollen, wie das ist, „jemanden umzubringen“. Er habe das aus „Hass und Wut“ auf sein eigenes Leben getan und dann mit voller Wucht zugeschlagen.

Das Opfer schleppte sich noch auf ein Sofa im Wohnzimmer, er ging hinterher und schlug weiter zu. Er sei dann ins Bad gegangen, habe versucht, das ganze Blut abzuwischen, es gelang nicht richtig. Aus der Küche nahm er einen Laptop mit, den er versteckte. Als er erneut am Sofa vorbeigekommen sei, habe das Opfer vor der Couch gelegen und noch gelebt, an weitere Gewalteinwirkungen seinerseits könne er sich aber nicht erinnern.

Kurz vor der Tat habe ihm eine Stimme gesagt: „Bring die Alte um!“  Das war der vom Vorsitzenden Richter Arno Bormann verlesenen Polizeivernehmung zu entnehmen. Dort hieß es auch, das ganze Geschehen habe ihm einen außerordentlichen „Kick“ gegeben, so „wie man auf eine Mauer zu rast“. Er habe auch vorher bereits „an Morden“ gedacht, besonders wenn er „gewalttätige Musik“ hörte, darunter einen Song mit der Textzeile „Morden macht Freude“. Nach der Tat sei er blutverschmiert gewesen, er habe das mit aufgetragener Ackererde vertuschen wollen. Im Heim sagte er, er habe sich in Aachen mit Ausländern geprügelt, deshalb die Schrammen im Gesicht. Letztlich führte ein im Haus vergessenes Schweißband auf seine Spur.

Dass die beiden Enkelkinder der Getöteten nichts mitbekommen hatten und von B. nicht entdeckt wurden, war reiner Zufall: Die Zehnjährige war gerade nach Hause gekommen und duschte, ihre ältere Schwester befand sich irgendwo im Hause, der mutmaßliche Täter hatte beide nicht bemerkt. Der Prozess wird am 7. Juli fortgesetzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert