Mord in Düren: Die kranke Frau und der gekränkte Freund

Von: Marlon Gego
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Das ist der Zaun hinter Otto Küppers Haus, durch den die Täter auf das Grundstück kamen.

Düren. In der Nacht, in der Iris K. ermordet wurde, lag Otto Küpper in seinem Bett und schlief. Am Abend zuvor hatte er lange mit Iris K. in der Küche gesessen, sie hatten geredet, auch gestritten, es war kurz vor Mitternacht, als Otto Küpper hoch in sein Schlafzimmer gegangen war.

Er wachte auf, als er Iris K. zweimal seinen Namen rufen hörte, einmal laut und einmal leise. Er rief zurück: „Ich komme.“ Es war der 28. Januar, ein Donnerstag, kurz nach 2 Uhr in Küppers Haus im Dürener Nordosten.

Küpper war gewohnt, dass Iris K. zu allen Tages- und Nachtzeiten nach ihm rief. Er zog sich etwas an, suchte seine Sandalen, machte Licht im Flur, dann ging er langsam die Treppe hinunter. Als er das Zimmer von Iris K. betrat, lag sie tot in ihrem Bett, erschlagen.

Einen Tag später, am 29. Januar, unterschrieb ein Richter am Aachener Amtsgericht einen Haftbefehl gegen Otto Küpper (77), er sei dringend verdächtig, Iris K., die 58 Jahre alt wurde, ermordet zu haben. Erst Mitte Februar wurde Küpper wegen erwiesener Unschuld wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Richter hatte sich geirrt.

Donnerstagmorgen beginnt am Aachener Landgericht der Prozess gegen Mirko G. (21) und Juri S. (25) aus Kreuzau. Ihnen wird vorgeworfen, die schwer kranke und kaum bewegungsfähige Iris K. ermordet zu haben. Mirko G. zertrümmerte ihr mit dem Brecheisen den Schädel. Mindestens viermal schlug er zu, nachdem Juri S. ihr Reizgas ins Gesicht gesprüht und sie auf ihrem Bett so festgehalten hatte, dass Mirko G. ungehindert auf sie einschlagen konnte. So steht es in der Anklageschrift der Aachener Staatsanwaltschaft.

Mirko G. sagte in den Vernehmungen aus, er habe Iris K. gekannt, seit er fünf Jahre alt war, sie sei für ihn „wie eine Oma gewesen“. Iris K. sei eine Freundin seiner Mutter gewesen, sie hatte Mirko G. aus dem Kindergarten abgeholt, wenn seine Mutter keine Zeit hatte, sie waren sich bei unzähligen Besuchen begegnet. Später, als Mirko G. erwachsen war und Iris K. krank wurde, habe er ihr im Garten geholfen oder sei für sie einkaufen gegangen. Wenn er Probleme hatte, besprach er sie mit Iris K., erklärte er gegenüber den Ermittlern.

Warum also hat Mirko G. die Frau erschlagen, die ihm so lange so viel bedeutet hatte?

An einem Tag im vergangenen Juni saß Otto Küpper in einem Dürener Café und erzählte von Iris K., die er seit den 80er Jahren kannte. Als sie Anfang der 90er mit ihrem damals noch kleinen Sohn aus den USA zurück nach Deutschland kam, verliebte er sich in sie, Küpper sagt: „Sie hat mich fasziniert.“

Sie war intelligent, wild, frei, leidenschaftlich, unabhängig, eine herbe Schönheit, sie fuhr Motorrad, ritt Pferde ohne Sattel, sie war, sagt Küpper, umgeben von einer unvergleichlichen Aura. Sie las in Menschen wie in Büchern. Wen sie für sich einnehmen wollte, den nahm sie für sich ein, obwohl sie auch herrisch, eigensinnig, kompliziert und oft auch verletzend sein konnte.

Und trotzdem: „Was Iris wollte, passierte“, sagt Küpper.

1996 bot er Iris K. an, in seinem Haus zu wohnen und dort ihr Kind großzuziehen, und so kam es dann auch. Ihre Küche war eine Art offenes Haus im Haus, ständig bekam sie Besuch, und auch als ihr inzwischen erwachsener Sohn 2013 zu seinem Vater in die USA gezogen war, besuchten seine Freunde Iris K. immer weiter. Sie war Freundin, Ratgeberin, Vorbild, für einige auch Leitfigur. Eine Frau, die über das Leben alles wusste. Für die jungen Leute sei sie so etwas wie ein Guru gewesen, sagt Küpper, und vielleicht erklärt das, was in jener Nacht im Januar passierte.

Im Herbst 2015 hatte sich Mirko G. von Iris K. 100 Euro geliehen. Es vergingen einige Wochen, dann fragte sie ihn am Telefon nach dem Geld, das war vergangenen Dezember. Mirko G. sagte, er habe die 100 Euro in eine Zeitung eingewickelt durch den Briefkasten geschoben. Doch Iris K. sagte, sie habe weder Zeitung noch Geld erhalten. Sie fühlte sich von Mirko G. betrogen und brach den Kontakt ab, so steht es in der Anklageschrift. Küpper sagt, sie habe Mirko G. sogar Hausverbot erteilt.

Es ist nicht ganz klar, ob Mirko G. und Juri S. am 28. Januar ins Zimmer von Iris K. einbrachen, um sie zu ermorden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Männer geplant hatten, Geld, Haschisch und Wertgegenstände von Iris K. zu stehlen und bereit waren, auch Gewalt anzuwenden. Doch als die Polizei am Tatort eintraf, fehlte in ihrem Zimmer nichts.

Otto Küpper sagt, dass die Tat ohne die Auseinandersetzung um die 100 Euro und den daraus resultierenden Kontaktabbruch kaum denkbar sei. Mirko G. habe einem Bekannten vor der Tat anvertraut, Iris K. habe ihn damals, vergangenen Dezember, behandelt „wie einen Hund“, er fühlte sich gekränkt und wolle sich an ihr rächen.

Mirko G. hat die Tat bereits gestanden. Da er zum Zeitpunkt des Mordes erst 20 Jahre alt war, wird der Prozess gegen ihn nach Jugendstrafrecht geführt. Ein Urteil gegen ihn und Juri S. könnte Ende September fallen.

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