Aachen/Eschweiler - Mord im Urlaubshotel: Angeklagter zu lebenslanger Haft verurteilt

Mord im Urlaubshotel: Angeklagter zu lebenslanger Haft verurteilt

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Aachen
Der Verurteilte stammt aus dem bulgarischen Urlaubsort, seit 2013 arbeitete er als Servicekraft an der Raststätte Aachener Land und hatte im Gästezimmer des Ehepaars Unterschlupf gefunden. Foto: dpa

Aachen/Eschweiler. Der Tourist aus Eschweiler hatte im September 2015 einen ruhigen Urlaubstag am Pool seines Hotels in Bulgarien verbracht. Nach dem Abendessen holte er sich noch einen Drink an der Bar, ging dann in sein Zimmer. Kurze Zeit später ließ er arglos seinen Mörder herein.

Mit 52 Beilhieben wurde der 48-Jährige brutal getötet. Dringend tatverdächtig: Der Geliebte seiner Ehefrau, Andrey T. (42). Am Donnerstag verurteilte das Aachener Landgericht ihn zu lebenslanger Haft wegen Mordes aus Habgier und mit Heimtücke.

Das war das Fazit, das die 1. Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht nach 17 oft schwierigen Verhandlungstagen zog. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Markus Vogt verzichtete allerdings auf die Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld, wie sie die Staatsanwaltschaft beantragt hatte.

Der Verurteilte stammt aus dem bulgarischen Urlaubsort, seit 2013 arbeitete er als Servicekraft an der Raststätte Aachener Land und hatte im Gästezimmer des Ehepaars Unterschlupf gefunden. Während des langwierigen Indizienprozesses beteuerte der mit einer Juristin in Varna verheiratete Angeklagte wiederholt seine Unschuld.

Er habe sich mit dem Ehemann seiner Geliebten, dem damals 48-jährigen Regierungsrat der Bundeswehr, bestens verstanden. Das Gericht hielt das für eine Lüge und beschrieb im Gegensatz dazu das Verhältnis in der gemeinsamen Zeit im Haus in Eschweiler als demütigend für das spätere Opfer. T. sei von der aus Moskau stammenden Ehefrau Julia S. in die Familie aufgenommen worden, schnell habe sich eine sexuelle Beziehung entwickelt.

Die habe der Ehemann, so das Gericht, sehr wohl erkannt, aber nach außen hin stets geleugnet. Das Ehepaar S. habe sich auseinandergelebt, der Mann war berufsbedingt nur noch am Wochenende zu Hause, eine Scheidung lag in der Luft. Da habe Ehefrau Julia S., so der Richter, die „Initiative ergriffen und den Mordplan“ gefasst.

Aus „abstoßendem Gewinnstreben“, wegen des Geldes des Ehemanns, der Lebensversicherung und des Hauses hätten sie das Verbrechen bereits Wochen vorher geplant. Julia S. war zwar 2015 ebenfalls festgenommen, dann aber wieder freigelassen worden.

Das Gericht bewertete die Spurenlage als eindeutig. Die DNA-Anhaftungen am Tatort im Appartement 223 des Hotels seien während der brutalen Tat von Andrey T. hinterlassen worden. Die DNA-Spuren seien keinesfalls durch „sekundäre oder gar tertiäre Übertragung“ vom Opfer selber verursacht worden, wie es vom Verteidiger Alexandros Tiriakidis vorgetragen wurde. „Der Angeklagte hat von vorne bis hinten gelogen“, stellte die Kammer fest.

Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel sagte auf die drängende Frage, warum Julia S. nicht mit auf der Anklagebank sitze: „Erst dieses Verfahren hat neue Anhaltspunkte ergeben. Wir sehen das jetzt in einem neuen Licht.“

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