Moguai: Vom Metzger zum erfolgreichen DJ

Von: Katrin Fuhrmann
Letzte Aktualisierung:
11191062.jpg
Rund 5000 Besucher kamen zu Moguais Auftritt bei der Veranstaltung „Recklinghausen leuchtet“: Für den DJ und Produzenten aus Marl ist diese Kulisse keine Seltenheit. Er ist rund um den Globus gefragt und spielt auf den größten elektronischen Festivals der Welt. Foto: Katrin Fuhrmann
11228646.jpg
Von wegen tanzen: Mit seiner Frau und Schauspielerin Birte Glang geht André Tegeler gern ins Restaurant. Foto: stock/Apress

Recklinghausen/Würselen. Laute, pulsierende Musik ertönt aus den großen Lautsprechern. Der Bass lässt den Platz vibrieren. Man hört einige junge Mädchen laut jubeln und kreischen, ein paar grelle Blitze sind am Himmel zu sehen, und schon geht es los.

DJ Moguai reißt seine Hände in die Luft, stellt sich vor das weißfarbene Pult, greift zu dem silbernen Mikrofon und schreit ganz laut: „Recklinghausen seid ihr gut drauf?“ Die rund 5000 Menschen, die sich vor dem Recklinghauser Rathausplatz an jenem Abend versammelt haben, jubeln dem DJ zu.

Sie fangen an, ihre Handys zu zücken und wie wild drauf loszuknipsen. Einige schreien und formen mit ihren Händen ein Herz. Als aus den großen Lautsprechern endlich der Beat ertönt, fangen die Besucher an zu tanzen und immer lauter zu kreischen. Willkommen in der Welt von Moguai – einem deutschen DJ, der weltweit erfolgreich ist. Längst gelten die DJs als neue Superstars – wie einst die Beatles oder Take That. Sie werden von Tausenden Teenies umjubelt und verehrt. Sie sind ihre Idole.

Kulissen wie die in Recklinghausen sind für Moguai keine Seltenheit. Längst ist er rund um den Globus gefragt und spielt auf den größten elektronischen Festivals weltweit. Doch wie ist der DJ und Produzent aus Marl eigentlich zu seinem Erfolg gekommen?

„Es gab bei mir nicht diesen einen großen Hit oder diesen einen Moment, der mich über Nacht zum Erfolg gebracht hat. Es waren eher die vielen kleinen Momente und Hits, die mich Schritt für Schritt haben wachsen lassen und mich letztlich zu dem Erfolg gebracht haben, den ich heute habe“, erzählt Moguai. Der DJ, der mit bürgerlichem Namen André Tegeler heißt, weiß genau wovon er spricht. Schließlich ist ihm das Deejaying nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden.

Rückblick: Nach dem Realschulabschluss stand für Tegeler zunächst eine zweijährige Metzgerlehre im elterlichen Betrieb auf dem Programm. Diese absolvierte er zwar erfolgreich, er wurde sogar mit 18 Jahren der jüngste Metzgergeselle in Nordrhein-Westfalen – aber zufrieden machte ihn das noch lange nicht. „In Handwerksbetrieben ist das einfach so, dass man in die Fußstapfen der Eltern tritt“, sagt Tegeler. „Ob man andere Pläne hat, ist da erst einmal egal.“

Aus André Tegeler wird DJ Moguai

Doch nach der beendeten Ausbildung setzte er seine schulische Laufbahn fort – dank seiner Schwester. Die hatte ihren Bruder einfach mal heimlich an einem Gymnasium in Recklinghausen angemeldet. Er machte das Abitur und leistete seinen Zivildienst. Nebenbei arbeitet Tegeler in einem Skater-Laden. Anschließend schrieb er sich an der Ruhr-Universität Bochum für ein Studium der Rechtswissenschaft ein. Ein Werdegang also, der zunächst überhaupt nicht musikalisch geprägt war.

Doch als er mit dem Studium beginn, entwickelte Tegeler noch eine ganz andere Leidenschaft, die für die Musik. Er begann sich mehr und mehr für Techno-Festivals zu interessieren. Er besuchte Clubs in Düsseldorf und im Ruhrgebiet, die Techno spielten. Aus André Tegeler wurde DJ Moguai.

Anders, als bei vielen anderen international erfolgreichen DJs, hat Moguai weder als Kind ein Instrument gespielt, noch hatte er das Ziel, musikalisch durchzustarten. Er verschickte viele seiner Mixtapes an Diskotheken und Veranstalter in ganz Nordrhein-Westfalen, damit er „überhaupt irgendwo auflegen konnte“. Das sei eine mühselige Aufgabe. gewesen, erinnert sich Moguai. Denn von manchen habe er nie etwas gehört. Kein einfacher Weg also.

Nach einiger Zeit meldeten sich verschiedene Veranstalter bei Moguai zurück. Seinen ersten Auftritt hatte er damals in einer Diskothek in Münster – vor gerade einmal zehn Zuhörern. „Anfangs habe ich vor einem sehr kleinen Publikum aufgelegt. Keiner wollte meine Musik hören“, erinnert sich Moguai und schmunzelt dabei. „Es war ja auch eigentlich nie mein Plan, einmal ein so erfolgreicher DJ zu sein.“ Doch irgendwie hatte er Glück. Nach seinem Hit „Beatbox“, den er gemeinsam mit Phil Fuldner produzierte und der wochenlang in den Top40 der Charts zu finden war, schmiss er sein Jura-Studium.

Seit jener Zeit sind ein paar Jahre vergangen. Moguai hat sich entwickelt. Seit elf Jahren ist er ein fester Bestandteil des Radio Formats „1Live DJ Session“. Agenturen in Berlin, London und Los Angeles vertreten ihn. Ein 15-köpfiges Team kümmert sich um Marketing, Booking und PR-Anfragen. Zeitweise hatte er sogar sein eigens Vinyllabel. Er hat mit DJ-Größen wie David Guetta, Robin Schulz und Dimitri Vegas&Like Mike zusammengearbeitet. „Ich habe alles ausprobiert, was es in dem Bereich gibt“, sagt er selbstbewusst.

Längst ist er nicht mehr nur der „Underground DJ“, der ausschließlich Techno spielt. Seine Sets sind ein Mix aus Tech-House, Progressive House, Big Beat und Electro House. Bei seinen Auftritten versucht er immer zwischen den verschiedenen Genres zu springen und die Zuhörer so auf eine musikalische und magische Reise mitzunehmen.

Dabei reagiert er auf das Publikum. Er hat ein gutes Gespür dafür, was die Masse, die sich vor seinem Pult versammelt, als nächstes hören möchte. „Wenn die Menschen abgehen, tanzen, schreien und die Musik richtig leben, dann zeigt mir das, dass ich alles richtig mache “, sagt er.

Für ihn ist jeder Remix, jede eigene Produktion eine echte Herzensangelegenheit. Stunden, Tage, manchmal sogar Wochen verbringt er dann in seinem Studio. Er trifft sich mit verschiedenen Künstlern, zum Beispiel mit der Sängerin Polina. Mit ihr hat er in den vergangen Wochen verschiedene Vocals aufgenommen, die er nun mit Stilistiken, Melodien, Grooves, einer Baseline und Drums untermalt – erst dann wird aus dem Rohbau ein Song.

Ist ein Track grob fertig, heißt das für den DJ noch längst nicht, dass der Song auch zur Veröffentlichung bereit ist. Wenn die Grundstruktur eines Tracks steht, hört sich Moguai diesen immer und immer wieder an. Er müsse mindestens einmal während einer Produktion Gänsehaut haben – schließlich sollen seine Tapes ein Gefühl transportieren und die Menschen erreichen. Zurzeit arbeitet Moguai an einer Neuauflage des Remixes von Sam Feldts „Show me love“.

Bereut hat er die Entscheidung, sein Jura-Studium abzubrechen, übrigens bis heute nicht. Im Gegenteil. Der DJ liebt und lebt die Musik. Ob in Clubs oder auf Festivals, das Publikum sei immer individuell. Bei jedem Gig wüsste man erst nach dem ersten Track, was die Masse an diesem Tag zu genau dieser Zeit hören möchte. „Wenn ich den Eindruck habe, ein Gig ist nicht so gelaufen, wie ich es mir gewünscht habe, dann schaue ich mir an, woran es gelegen hat.“

Das sei für ihn aber noch längst kein Grund, die Sache an den Nagel zu hängen. Er habe zwar kein normales Leben, aber dafür sei sein Beruf Hobby, Leidenschaft und „absolut erfüllend“ zugleich. Er habe viele DJs kommen und gehen sehen. Er sei noch dabei. Das spreche für ihn, und vor allem für seine Musik.

Wenn Moguai nicht gerade auf irgendwelchen Festivals auflegt, verbringt er seine Zeit am liebsten mit seiner Ehefrau Birte Glang. Was die beiden dann machen? In Berlin testen sie nicht die Clubszene, sondern probieren immer wieder gern neue Restaurants aus.

Er hat einen großen Wunsch

Und auch wenn Moguai längst zu den ganz Großen auf internationalem Terrain gehört, hat er einen Wunsch: „Ich würde total gerne mal mit den Red Hot Chilli Peppers oder The Killers zusammenarbeiten. Ich bin einfach total fasziniert von ihrer Arbeit“, sagt er. Und es scheint, als könnte dieser Wunsch schon bald Wirklichkeit werden. Denn der Leader der Killers, Brandon Flowers, hat bereits sein Interesse geäußert, mit dem DJ zu arbeiten.

Bis dahin bleibt Moguai bescheiden und arbeitet indes schon wieder an einem neuen Hit. Schon jetzt freut er sich auf seinen Auftritt beim „Seltsames Verhalten“-Festival. „Ich mag dieses Festival sehr gerne. Ich bin froh, ein Teil dieser Veranstaltung sein zu dürfen“, sagt er.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert