Mofa: Großer Ärger wegen kleiner Tasche

Von: Ulrich Simons
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Ein Mofa in der Polizeikontrolle: Es gibt viele Möglichkeiten, sein Mofa zu tunen. Unbewusst bringen viele junge Fahrer ihr Zweirad in die nächst höhere Fahrzeugklasse – für die man aber einen Führerschein braucht –, weil sie die Tasche entfernen, die ihr Gefährt zum vorgeschriebenen Einsitzer macht.  Foto: imago/Tack

Aachen. Ein Aachener ist mit einem gerade gekauften Mofa in eine Polizeikontrolle geraten und hat nun großen Ärger in Form eine Anzeige wegen Fahrens ohne Betriebserlaubnis und Fahrens ohne Fahrerlaubnis am Hals. Frisiert war das Zweirad keinesfalls.An seinem Mofasitz fehlte einfach nur ein klitzekleines Täschchen.

Man muss einfach nur das Täschchen von der Sitzbank entfernen. Zwar wird durch diesen Eingriff aus dem Zweirad keine Rakete, aber rechtlich ist der Roller jetzt kein Mofa mehr, sondern ein Kleinkraftrad. Und das kann richtig Ärger geben.

Für unseren Leser Wolfgang F. (48, Name von der Redaktion geändert) beginnt der Alptraum, als er Anfang Juli bei einem Händler in der Region für 1199 Euro seinen neuen Roller aus chinesischer Fertigung abholt. Der Name „Speedjet 50“ verspricht mehr als der fahrbare Untersatz halten kann. Denn mit Hilfe eines so genannten Drosselsatzes hat der Händler auftragsgemäß aus dem Kleinkraftrad ein Mofa gemacht. Im Vertrauen darauf, dass alles ordnungsgemäß erledigt ist und mit dem Prüfbericht der Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ) in der Tasche besteigt Wolfgang F. sein neues Mofa und fährt nach Hause.

Knapp einen Monat später gerät er auf der Trierer Straße in Aachen mit seinem Zweirad in eine Verkehrskontrolle. Auch als der Polizeibeamte einen Zollstock aus seinem Wagen holt und beginnt, die Sitzbank zu vermessen, ahnt Wolfgang F. noch nicht, dass es gleich für ihn knüppeldick kommt.

Hans-Ulrich Sander ist seit mehr als 30 Jahren Sachverständiger beim TÜV Rheinland und braucht nicht lange zu überlegen: „Ein Mofa ist klar definiert: Führerscheinfrei, nur ein Sitzplatz, bei mehrsitzigen Sitzbänken wird die Sitzfläche begrenzt auf 450 Millimeter, bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit 25 Kilometer pro Stunde.“ Weil „Sitzbanklänge“ nicht das gleiche ist wie „Sitzfläche“, wenden Hersteller und Händler bei der Umrüstung von Kleinkrafträdern zum Mofa einen Trick an: Die Sitzbank bleibt unverändert, nur die Sitzfläche wird mit Hilfe einer fest angebrachten kleinen Tasche auf die vorgeschriebenen 450 Millimeter begrenzt und somit die Einsitzigkeit hergestellt.

Wolfgang F. schwört Stein und Bein, dass bei der Auslieferung seines Mofarollers keine Tasche auf dem Sitz gewesen sei, und dass ihn der Händler auch nicht über dieses wichtige Detail informiert habe.

Hans-Ulrich Sander vom TÜV Rheinland: „Wenn die Tasche weg ist, führt das zu einer Änderung der Fahrzeugart. Dann wird aus dem Mofa, welches mit einer Prüfbescheinigung ab dem 15. Lebensjahr geführt werden darf, ein führerscheinpflichtiges Kleinkraftrad, für das die Fahrerlaubnis Klasse AM erforderlich ist, die frühestens mit dem 16. Lebensjahr erlangt werden kann.“

Auf der Trierer Straße tritt die Verkehrskontrolle in ihre entscheidende Phase, als der Polizeibeamte das Messergebnis eröffnet und Wolfgang F. über die nächsten Schritte informiert. Der glaubt seinen Ohren nicht zu trauen. Die Sitzfläche sei 15 Zentimeter zu lang, somit sei das Fahrzeug zweisitzig und könne dadurch kein Mofa sein. Daher erwarte ihn nun eine Anzeige wegen Fahrens ohne Betriebserlaubnis (Ordnungswidrigkeit) und des Fahrens ohne Fahrerlaubnis (Straftat).

Wolfgang F. versteht die Welt nicht mehr. Zwei der drei Söhne des alleinerziehenden Vaters hätten kürzlich ihre Mofa-Prüfbescheinigung gemacht, erzählt er. Kein Wort sei in der Ausbildung zu dem Täschchen auf der Sitzbank gesagt worden. Es sei unverantwortlich, junge Leute so ins Messer laufen zu lassen. Denn durch die erlöschende Betriebserlaubnis besteht im Falle eines Schadens ein Regressanspruch der Versicherung an den Versicherungsnehmer von bis zu 5000 Euro. Wolfgang F.: „Wenn ein 15-jähriger Fahranfänger dann einen Unfall baut – der ist doch für den Rest seines Lebens ruiniert.“ Und selbst, wenn es ohne „Bruch“ abgeht: Die Punkte in Flensburg, die es für die Fahrt auf dem ungenehmigten Kleinkraftrad gibt, könnten drei Jahre später bei der Anmeldung zum Führerschein für Probleme sorgen.

Wie wichtig der Hinweis auf den Verbleib der Tasche auf der Sitzbank ist, scheint eine Beobachtung von Michael Katz zu bestätigen, Zweirad-Händler in Würselen: „Die meisten jungen Mofafahrer machen die Tasche sofort ab, weil sie wirklich nicht so toll aussieht.“ Welches Risiko sie damit eingehen, scheint vielen gar nicht klar.

Wolfgang F. hat übrigens noch am Tag der Polizeikontrolle dafür gesorgt, dass die „Soziusabdeckung“ auf die Sitzbank kam. Jetzt hofft er darauf, dass Staatsanwalt und Richter nicht gleich „den ganz großen Hammer auspacken“.

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