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Möbelmesse in Köln: Bunt, leicht, flexibel, natürlich

Von: Andrea Zuleger
Letzte Aktualisierung:
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Experimentell: Designerin Louise Campbell mit einem Modell ihres Hauses, das Besucher auf der Möbelmesse in Köln begehen können.
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Ein Bett mit Blick auf den Rhein gehört zu den inszenierten Wohnträumen.

Region. Die Komponenten bleiben immer gleich: Ein Stuhl ist ein Stuhl, ein Tisch ein Tisch. Dennoch ist es scheinbar möglich, aus diesen Komponenten immer wieder Neues, Innovatives zu bauen. Wie bei einem Alphabet, bei dem aus einer endlichen Anzahl Zeichen eine unendliche Möglichkeit der Texte entsteht. Wer sich von der Unendlichkeit der Formensprache bei Möbeln, Designstücken oder Gebrauchsgegenständen überzeugen will, sollte nach Köln fahren.

Am 13. Januar startet dort die jährliche Internationale Möbelmesse IMM Cologne, die nicht nur dem Fachpublikum, sondern auch Besuchern die Trends des Jahres vorstellt.

Einer, der in diesen Tagen höchst gespannt dem Beginn der Messe entgegenfiebert, ist Markus Majerus. Der Kommunikationsmanager der IMM geht nicht nur durch die Hallen, um sich die neuesten Möbel anzuschauen, sondern weil ihn das interessiert, wofür diese Neuentwicklungen stehen: „Natürlich gibt es immer überraschende Entwürfe, Stücke, die man so noch nicht gesehen hat, aber was ich eigentlich faszinierend finde, sind die gesellschaftlichen Entwicklungen, die man an diesen Entwürfen ablesen kann“, erklärt Majerus.

„Das Wohnen hat sich stark individualisiert“, ist eine der Kernaussagen. Je schnelllebiger, technisierter und komplexer sich das Leben außerhalb der eigenen vier Wände gestaltet, desto wichtiger wird der Bereich innen als Rückzugsort und Wohlfühloase. Hier relaxt man, hier drückt man seinen persönlichen Stil und seine Lebenshaltung aus.

Früher, so Majerus, sei es eher so gewesen, dass es klare Stile gab, die gerade in Mode waren. Die wurden dann auch auf der Messe gezeigt: „Wer Geld und Lust auf Veränderung hatte, kaufte sich eine Wohnzeitschrift und ließ dann die Wohnung nach diesem Muster einrichten. Er zeigte damit nach außen, dass er ein Trendsetter war, und brauchte dafür eigentlich noch nicht einmal einen Stil zu haben“, sagt Markus Majerus.

Das moderne, globalisierte Leben ist anders: vielschichtiger, individueller und in gewisser Weise auch demokratischer. Denn früher war jedes Design-Stück, unabhängig vom Stil, auf jeden Fall eines: teuer. Heute kann man einem Ding nicht mehr unbedingt den Preis ansehen: „Auf der Messe kann man das in verschiedenen Hallen auch gut sehen. Gutes Design gibt es auch für weniger Geld. Viele Menschen könne es sich leisten. Früher war das nur etwas für Wohlhabende.“

Stilmix

Ein teures Sofa kann heute neben einem Billy-Regal stehen, ohne dass sich die beiden gegenseitig stören würden – und das wiederum schlage sich auch auf dem Markt nieder. Die 390 Euro, die jeder vom Kind bis zum Greis pro Jahr für Möbel ausgibt, werden ebenso für teure als auch für billige Möbel ausgegeben.

Den „Aldi-Effekt“ nennt das Majerus: „Man fährt einen teuren BMW und geht trotzdem zum Billig-Discounter. Aber das liegt daran, dass die Möbel im unteren Preissegment auch das ‚Piefige‘ verloren haben“, sagt der Pressesprecher der IMM.

In allen Wohnbereichen schlagen sich diese Veränderungen nieder: Das Bad habe nunmehr nicht nur eine Funktion als Bad, sondern wird als Wellnessbereich genutzt. Die Küche ist zugleich hoch technisiert und Herzstück des Hauses, wo man auch mit Freunden und der Familie sitzt. Der Wohnbereich ist offen und geht in den Küchenbereich über.

„Solche Wohnformen kreieren auch neue Möbelformen. Ein Beispiel ist der Sitzsessel, ein Ding zwischen Sessel und Stuhl. Früher zog man nach dem Essen ins Wohnzimmer um, heute sitzt man stundenlang am Esstisch und möchte es dort dann auch bequem haben“, sagt Majerus.

Flexibel, leicht, offen, bunt, aber auch natürlich mit Materialien wie Holz und Stein – so könnte man die Trends des Wohnens beschreiben. Einige dieser Richtungen wird man auch an einem der auf der Messe wohl spannendsten Experimente sehen können: „Das Haus – Interiors on Stage“ ist zum dritten Mal in Folge die maßstabsgetreue Simulation eines Hauses. Das Haus wird komplett von der Architektur über die Möbel bis zum Designgegenstand und dem Außenraum von einem Designer gestaltet.

Diesmal wird auf der 240 Quadratmeter großen Bühne in der Halle „Pure Village“ die dänische Designerin Louise Campbell ihre Vorstellungen von Wohnen und Architektur verwirklichen: „Und das wird extrem spannend“, verrät Markus Majerus, „denn Louise Campbell hat eigenwillige Ideen, die sie in ihrem eigenen Reich auch umsetzt.“

So vereint sie in ihrem begehbaren Baukasten-Haus auch Gegensätze. Etwa, dass ein Haus sowohl ein privater als auch ein öffentlicher Raum sein sollte, ein Raum, der als Treffpunkt dient und zugleich Rückzugsgelegenheit bietet – ein kommunikativer und gleichzeitg ein sehr intimer Raum, wie die Designerin bekannte.

Überall schlafen

Bekannt ist die dänische Designerin für schöne Lampen und Accessoires, filigrane Sessel und dekorative Interieurs, die in ihren Entwürfen nordische Handwerkskunst mit poetischem Avantgarde-Design verbindet. Mit der Inszenierung von „Das Haus“ zeigt sie sich von einer anderen Seite – auch von einer sehr persönlichen. Sie möchte dort mit der Flexibilität von Räumen experimentieren, in denen sogar die Funktionen weitgehend aufgehoben werden.

„Was mir an meinem ‚Haus‘ am besten gefällt, ist, dass es so viel Platz für das Bett gibt. Wo ich wohne, wechsel ich ständig das Bett: Ich schlafe hier oder da, ich schlafe überall, selbst im Studio. Ich liebe die Überraschung am Morgen beim Aufwachen. ‚Das Haus‘ ist eine Aufforderung zu schlafen, wo man will. Lasst uns die Territorien öffnen! Es gibt kein Schlafzimmer, keine Küche, ja noch nicht mal ein richtiges Badezimmer, aber dafür gibt es viele flexible Räume zum Experimentieren, um den Horizont zu erweitern“, sagt die Designerin selbst dazu.

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