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Mit Traktor Geldautomat aus Bank gerissen, Sprengung in Baesweiler

Von: Angela Delonge, Valerie Barsig und Marc Heckert
Letzte Aktualisierung:
Vettweiß, Traktor, Geldautomat
In Vettweiß haben Unbekannte einen Geldautomaten mit Hilfe eines Traktors aus einer Bank gerissen. Foto: Ralf Roeger
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Bild der Zerstörung: Trümmer und Halterungen des Geldautomaten im Innenraum der Bank in Vettweiß. Foto: Henning Kaiser/dpa
Geldautomat, Baesweiler, Sprengung
In Baesweiler sprengten Unbekannte einen Geldautomaten. Dabei gingen die Scheiben der Bank zu Bruch. Foto: Ralf Roeger

Vettweiß/Baesweiler. Die Serie der Attacken auf Geldautomaten in der Region reißt nicht ab. Bereits zum zweiten Mal haben unbekannte Täter in der Region mit Hilfe eines Traktors einen Geldautomaten aus seiner Verankerung gerissen. Diesmal schlugen vier maskierte Täter in der Nacht zu Donnerstag in der Gemeinde Vettweiß im Kreis Düren zu. Fast zeitgleich sprengten Unbekannte in einer Sparkasse in Baesweiler einen Automaten.

In Vettweiß waren Anwohner und Autofahrer am frühen Morgen gegen 2.49 Uhr auf vier Männer aufmerksam geworden, als diese mit einem Traktor an den Eingangsbereich der Sparkassenfiliale an der Gereonsstraße fuhren.

Dort hatten sie dann laut Polizei ein Seil oder einen Gurt um einen Geldautomaten gelegt und ihn aus dem Gebäude gerissen. Anschließend luden sie den Automaten in einen Kleintransporter mit Hamburger Kennzeichnen und flüchteten in unbestimmte Richtung. Von den Unbekannten fehlte gestern nach einer eingeleiteten Ringfahndung durch die Polizei noch jede Spur. Auch, ob und wie viel Geld sie erbeuteten, ist noch unklar. Die Sparkasse Aachen wollte auf Nachfrage unserer Zeitung hierzu keine Angaben machen.

Der Vorraum der Bank wurde verwüstet – überall lagen Scherben herum, und am Platz des Automaten nichts als gähnende Leere. Insgesamt entstand erheblicher Sachschaden am Gebäude und im Eingangsbereich der Bankfiliale.

Traktor aus Nachbarort Kelz

Den Traktor, den die Täter zur Ausübung ihrer Tat benutzt hatten, hatten sie an der Sparkasse zurückgelassen. Sie hatten ihn vermutlich zuvor gestohlen. Nach Informationen unserer Zeitung soll er aus der Scheune eines Bauernhofs in der vier Kilometer entfernten Ortschaft Kelz stammen.

Bei dem zum Abtransport des gestohlenen Automaten benutzten Transporter handelt es sich wahrscheinlich um ein Fahrzeug der sogenannten „Sprinter-Klasse“ in der Farbe Weiß, so die Polizei. Teile des Kennzeichens konnten von Zeugen erkannt werden, abgelesen wurde die Buchstabenkombination „HH-PF“, Zahlen sind nicht bekannt.
Zuletzt hatten Ende November 2015 unbekannte Täter in Titz-Ameln bei Jülich auf ähnliche Art und Weise einen Geldautomaten der Sparkasse aus den Angeln gehoben. Auch damals war der Traktor zuvor in der Nähe gestohlen worden.

Es sollte nicht der einzige Raubzug auf einen Geldautomaten in dieser Nacht sein. Nur eine gute Stunde später wurden in Baesweiler Anwohner in der Pankratiusstraße im Stadtteil Beggendorf gegen 3.37 Uhr von einer lauten Explosion geweckt. Mit einer erheblichen Menge Gas hatten unbekannte Täter einen Geldautomaten der dortigen Filiale der Sparkasse gesprengt.

Nach jetzigem Stand der Ermittlungen waren mindestens zwei dunkel gekleidete und voll maskierte Männer an der Tat beteiligt. Nach Angaben der Polizei machten sie keine Beute und flohen in einem dunklen, möglicherweise schwarzen Pkw-Kombi, vermutlich der Marke Audi. Eine direkt eingeleitete Fahndung, unterstützt durch Polizeikräfte im benachbarten Ausland, verlief bis dato jedoch ohne Erfolg. Immer wieder hatten Täter, die im Laufe der vergangenen Monate Geldautomaten in Nordrhein-Westfalen mit Gas gesprengt hatten, dunkle Audi-Kombis für die Flucht verwendet.

Durch die Explosion wurden der Automat und der gesamte Vorraum stark beschädigt. Aufgrund der Beschädigungen musste zunächst die Wohnungen über der Filiale evakuiert werden. Ein hinzugezogener Statiker konnte jedoch Entwarnung geben. Personen kamen durch die Explosion nicht zu Schaden. Die Kriminalpolizei hat die weiteren Ermittlungen aufgenommen. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle oder der Polizeinotruf 110 entgegen.

Mit den beiden Überfällen ist die Zahl solcher Taten in der Region damit seit Jahresbeginn auf insgesamt acht angestiegen. Nordrhein-Westfalen wird schon seit längerer Zeit von Banden heimgesucht, die Geldautomaten in die Luft jagen, um an Geld zu kommen. Im vergangenen Jahr gab es 67 erfolgte und versuchte Automaten-Sprengungen. Alleine in diesem Jahr wurden schon mehr als 20 Angriffe auf Geldautomaten registriert.

Das Landeskriminalamt (LKA) hat eine Sonderkommission (Soko) namens „Heat“ eingerichtet, die sich mit der Serie von Geldautomatensprengungen in Nordrhein-Westfalen befasst. Ende des Jahres hatte sie mit Festnahmen in Hamm, im Rhein-Sieg-Kreis, am Niederrhein, in Niedersachsen und auch in den Niederlanden mehrere Banden zerschlagen können. Aber schon Anfang des neuen Jahres waren wieder Banden aktiv.

Profis und Nachahmer

Das LKA sieht ein Tatmuster: Gruppen kommen aus den Niederlanden, agieren zwischen zwei und drei Uhr und flüchten mit PS-starken Limousinen. Die Profi-Banden haben im Vorfeld exakt analysiert, welche Automaten nicht ausreichend gesichert sind und wissen genau, wie sie das Sprenggas dosieren und einsetzen müssen, um an ihr Ziel zu kommen. Ein lauter Knall – und schon rauschen sie mit dem Wagen davon, der schneller als jeder Polizeiwagen ist.

Doch es gibt auch Nachahmer. Typisch für diese Amateure, die der Leiter Ermittlungen Organisierte Kriminalität beim LKA, Dietmar Kneib, „hoch kriminelle Dilettanten“ nennt: „Sie wissen nicht, was sie tun und verwenden zu viel Gas.“

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