Aachen/Düren - Mit Klärschlamm für die MVA wird es vorerst nichts

Mit Klärschlamm für die MVA wird es vorerst nichts

Von: Stephan Mohne
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Es bleibt wohl dabei: In der MVA Weisweiler wird nur Müll, kein Klärschlamm verbrannt – oder vielleicht demnächst gar nichts mehr

Aachen/Düren. Eine top ausgerüstete Anlage, 340 Millionen Euro teuer, gerade 20 Jahre alt – und doch kommen die Abrissbagger. Ein eigentlich unvorstellbares und irrwitziges Szenario. Und doch: Es könnte in Bezug auf die Müllverbrennungsanlage (MVA) in Weisweiler 2018 Realität werden.

Denn zumindest eine Hoffnung, die Anlage dann noch wirtschaftlich betreiben zu können, scheint sich nach heutigem Stand zu zerschlagen. CDU und Grüne aus der Städteregion und der Stadt Aachen hatten jüngst vorgeschlagen, knapp 100.000 Tonnen Klärschlamm, der in den Kläranlagen des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER/Düren) anfällt, eben ab 2018 in Weisweiler in einem eigens dafür umgerüsteten Ofen zu verbrennen. Auch die SPD hat schon mit dieser Idee geliebäugelt. Es hätte so schön sein können, denn die Zuständigkeitsgebiete des WVER und des Zweckverbands Entsorgungsregion West (ZEW/Kreis Düren, Städteregion und Stadt Aachen) als Mitbetreiber der Anlage sind fast deckungsgleich. Doch nun hat der Wasserverband erstmal auf die Bremse getreten. Und zwar bei einem von Aachens OB Marcel Philipp (CDU)initiierten Spitzengespräch mit Vertretern beider Verbände.

Das geht aus einer gemeinsamen Presseerklärung hervor. Unter dem Strich kann man die Botschaft so übersetzen: Am Geld scheitert letztlich auch die schönste Idee. Bislang kann der WVER den Klärschlamm unter anderem im RWE-Kraftwerk in Weisweiler verbrennen lassen. Das ist zwar aus ökologischen Gründen – die Filtertechnik im Kraftwerk ist bei weitem nicht so ausgereift wie jene der MVA – Irrsinn. Aber es ist deutlich preiswerter. Der Gesetzgeber hat schon mehrfach bekundet, hier regelnd eingreifen zu wollen. Doch konkret getan hat sich bislang nichts.

Deswegen hat der WVER derzeit keinen Anlass, seinen Müll ein paar Meter weiter zur MVA zu karren. Was der ZEW-Verbansvorsteher und Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) so ausdrückt: „Ich bin überzeugt, dass beide Verbände den Willen zur Kooperation haben und eine Kooperation grundsätzlich auch möglich ist. Allerdings steht der WVER nicht unter Zeitdruck, so dass ich nicht erkennen kann, dass der WVER bereits 2018 eine Verbrennungslinie übernimmt.“

Und WVER-Vorstand Wolfgang Firk findet es prinzipiell toll, dass eine MVA so verkehrsgünstig mitten in seinem Verbandsgebiet liegt. Aber: Wegen „fehlender gesetzlicher Vorgaben“ sei es „noch nicht gegenüber den Mitgliedern im WVER durchsetzbar, einen früheren Einstieg in eine Klärschlammmonoverbrennung in der MVA Weisweiler vorzuschlagen“. Denn der Wasserverband sei „außerordentlich daran interessiert, seine Mitglieder durch Gebührenstabilität vor weiteren Belastungen zu schützen“. Sollte der Gesetzgeber aktiv werden, sei man „gerne bereit, unsere Klärschlämme thermisch in einer separaten Linie der Müllverbrennungsanlage Weisweiler zu verbrennen“.

Die teurere Verbrennung in der MVA würde naturgemäß auf die Abwassergebühren umgerechnet. Das allerdings ist zu kurz gedacht: Fehlt der MVA der Müll, schlägt das bei den Müllgebühren zu Buche. Für den Bürger geht es also eher linke Tasche, rechte Tasche. Kommt der Klärschlamm 2018 nicht, fehlt der MVA möglicherweise ganz die wirtschaftliche Grundlage. Dann läuft der Vertrag mit dem Partner EGN aus, mit dem man sich auch noch um 70 Millionen Euro streitet. Der Müll aus dem ZEW-Gebiet lastet die Öfen nur zur Hälfte aus. Es würde also Müll fehlen, den man zumindest teils durch Klärschlamm ersetzen könnte. Ein neues Klärschlamm-Gesetz steht jedoch ebenso in den Sternen wie die Ausgestaltung eines neuen Abfallwirtschaftsplans auf Landesebene, der den regionalen MVAs Müll aus der Umgebung garantiert, oder ein neuer Vertrag mit EGN.

Der Aachener Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) sagt in Sachen Klärschlamm, man dürfe nicht „leichtfertig Chancen verpassen“. So richtig überzeugt davon, den WVER zeitlich passend umstimmen zu können, klingt aber auch er nicht. Verständigt hat man sich „für die nahe Zukunft“ zumindest auf eine Machbarkeitsstudie und eine Arbeitsgruppe.

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