Mit Karikaturen gegen Hitler

Von: Marlon Gego
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PG, Ausstellung Kampf dem Hake
PG, Ausstellung Kampf dem Hakenkreuz, (Eröffnung 16.11.), im IZM, Pontstr. 13, macht Region!

Aachen. Eine der geschliffensten Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten vor der Machtergreifung 1933 stammt von Carlo Mierendorff, einem früheren Sekretär der SPD-Reichstagsfraktion. Was sich die Nazis „unter Sozialismus vorstellen”, heißt es in der Schrift, „ist von einer fast rührenden Kindlichkeit.

Schon ihre rassentheoretische Einteilung des Kapitals in jüdisches und raffendes einerseits und ein schaffendes, nicht jüdisches Kapital andererseits, zeigt ihre völlige wirtschaftliche Unkenntnis”. Der Titel von Mierendorffs Broschüre, die Ende 1930 veröffentlicht wurde, lautet „Kampf dem Hakenkreuz”.

Der Titel dieser Broschüre ist nun der Name der Ausstellung, die am Freitag um 19 Uhr im Internationalen Zeitungsmuseum Aachen eröffnet wird. Gezeigt werden Karikaturen und satirische Zeichnungen, die den Deutschen die Augen öffnen sollten. Auf Originalen und Reproduktionen werden Hitler, seine Politik und seine Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) einerseits demaskiert, andererseits aber auch verhöhnt. Die politische Auseinandersetzung wurde in der Weimarer Republik Anfang der 30er Jahre mit einer Radikalität geführt, die heute nicht mehr nur nicht vorstellbar ist, sondern oft grotesk wirkt.

Dass überhaupt so etwas wie eine satirische Auseinandersetzung mit der Bedrohung durch die Nazis stattgefunden hat, ist zu einem Teil der Zeitschrift „Der wahre Jacob” zu verdanken. Das 1879 gegründete Satiremagazin, das zu seinen besten Zeiten eine Auflage von 200 000 Exemplaren erreichte, wurde hauptsächlich von Sozialdemokraten bezogen. Zwar gab es auch in den ausgehenden 20er Jahren bereits etliche Schriften und Broschüren, die sich kritisch mit Hitler, seinem Manifest „Mein Kampf” und der NSDAP auseinandersetzten, doch war „Der wahre Jacob” das erste publizistische Produkt, das die Kritik an den Nazis in Karikaturen schnell, hell und deutlich auf den Punkt brachte. Dass Zeichnungen mit wenig Text propagandistisch effektiver sind und potenziell eine größere Reichweite haben als noch der geschliffenste lange Text, machten sich in der Folge ja auch die Nationalsozialisten zu Nutze, denen kein Anlass zu gering war, zwischen 1933 und 1945 das Deutsche Reich mit Plakaten zu überkleistern. Wenn man so will ein später, wenn auch vergebener Triumph des 1933 umgehend verbotenen „Wahren Jacob”.

Einige Titelbilder der Zeitschrift vom Beginn der 30er Jahre bilden nun den Kern der Ausstellung im Aachener Zeitungsmuseum. Die Ausstellungsstücke musste der Leiter des Zeitungsmuseums, Andreas Düspohl, nicht aus der halben Welt zusammentragen, sonst wäre sie nicht noch dieses Jahr zu sehen gewesen. Die Originale und Reproduktionen von „Kampf dem Hakenkreuz” stammen aus dem stammen sämtlich aus dem Besitz der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, die Organisation war also verhältnismäßig leicht.

Obwohl die Quantität der Ausstellung nicht eben überwältigend ist, glaubt Düspohl, dass „über schulische und museale Bildung versucht werden muss, uns zu vergegenwärtigen, wo wir stehen und welche Gefahren unserer Demokratie drohen”. Angesichts der Erkenntnisse etwa über das weitgehend unbehelligte Wirken der Zwickauer Terrorzelle oder die jüngste Studie über die Verankerung rechtsextremen Gedankenguts bis in den Mitte der Gesellschaft hinein, sagt Düspohl, könne man gar nicht genug Aufklärung betreiben.

Dass die Ausstellung just am 30. Januar 2013 endet, dem 80. Jahrestag von Hitlers Machtergreifung, ist kein Zufall. Düspohl möchte diese Entscheidung als generelles Zeichen gegen Zensur und staatlich kontrollierte Medien in Diktaturen verstanden wissen.

Eintrittspreis und Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Kampf dem Hakenkreuz” im Aachener Zeitungsmuseum, Pontstraße 13, wird Freitagabend eröffnet und läuft bis zum 30. Januar. Das Museum ist von dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Eintritt kostet für das ganze Museum fünf Euro, ermäßigt drei Euro. Für Familien gibt es ein spezielles Ticket für zehn Euro.

Während der Dauer der Ausstellung wird es mehr Führungen geben als üblich. Neben den obligatorischen Führungen sonntags von 14 bis 15 Uhr werden am 18. und 24. November (speziell für Jugendliche) und am 2., 16. und 30. Dezember weitere Führungen angeboten, die jeweils um 16 Uhr beginnen.
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