Ostkapelle/Aachen - Mit „Glamping“ gegen düstere Prognosen

Mit „Glamping“ gegen düstere Prognosen

Von: Marion Wingen
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Neue Wege im Kampf um Kunden: Niederländische Campingplatzbetreiber bieten mittlerweile auch außergewöhnliche Wohnformen an – wie diese „Delta-Zelte“, die aussehen wie ein Zelt, innen aber über die Ausstattung einer höherwertigen Ferienwohnung verfügen. Foto: Marion Wingen

Ostkapelle/Aachen. Ist Camping in wenigen Jahren völlig out? Ja, wenn man eine Aussage des niederländischen Freizeitökonomen Han Verheijden zum Maßstab nimmt, der in den 80er Jahren dem touristischen Camping in den Niederlanden für 2030 das Ende seines „Produktlebenszyklusses“ prophezeite.

Und vor rund zehn Jahren waren seine Prognosen für sein Heimatland auch nicht viel besser, denn viele Niederländer ziehe es gerade im Sommer auf Campingplätze in Spanien oder Frankreich.

Die nackten Zahlen scheinen ihm Recht zu gebe. Der Umsatz der niederländischen Campingplätze stagniert seit Jahren mehr oder weniger. Bei Buchungen von mehr als vier Nächten laufen den Plätzen insbesondere die einheimischen Gäste weg. Der Sommerumsatz sank beispielsweise von 68,6 Millionen Euro im Jahr 2002 auf nur noch 53,2 Millionen Euro im Jahr 2009 – bezogen auf die inländischen Touristen. Bei den Gästen aus dem Ausland ging es auch nur noch ganz leicht nach oben. Was also tun? Mancher Betreiber hat die Alarmsignale erkannt und steuert gegen.

Optisch ein Zelt, innen ein Haus

Ein Stichwort dabei ist das sogenannte „Glamping“ – eine Mischung aus Glamour und Camping. Damit will man die von Campern geschätzten Werte wie das „Freiheitsgefühl“, die Gemeinschaft oder auch die Empfindung, Urlaub in naturnaher Umgebung zu verbringen, koppeln mit dem Luxus, den sonst eher ein Ferienhaus bietet. Dabei entstehen teils Bauten, die wie ein Zelt aussehen, im Inneren aber alles haben, was sonst besagtem Ferienhaus vorbehalten ist.

Ein Beispiel für derlei Neuausrichtung ist der Groß-Campingplatz „De Pekelinge“ nahe Oostkapelle in der gerade bei Touristen aus NRW und besonders dem Aachener Raum beliebten Halbinsel Walcheren. Zuletzt sind dort acht dieser „Delta-Zelte“ entstanden. Acht weitere folgen. Doch bereits vor rund 15 Jahren hat sich Twan Vermeulen, der zusammen mit seiner Frau, seiner Schwester und seinem Schwager „De Pekelinge“ (130.000 Übernachtungen jährlich) betreibt, Gedanken um die Zukunft gemacht. Und ist zu dem Schluss gekommen, dass sich Camping ändern muss, um erfolgreich überleben zu können. Der Weg in diese Zukunft ist allerdings nicht gerade billig. Im Laufe der Jahre haben die Betreiber viel Geld in die Hand genommen, um den Platz umzukrempeln. Das fängt schon bei der großzügigeren Aufteilung an. Zum Start im Jahr 1983 hatte „De Pekelinge“ 580 Plätze auf 100.000 Quadratmetern. Heute sind es 518 Plätze auf 180.000 Quadratmetern, wie man einem Konzept von Termeulen entnehmen kann.

Investiert hat man massiv in die Infrastruktur. Ein Hallenbad ist ebenso gebaut worden wie ein großer Indoor-Spielbereich für Kinder, ein Wasserspielgelände und weitläufige Sportanlagen. Kinderbetreuung ist ebenso ein Zeichen der Zeit wie – natürlich – drahtloser Internetzugang. Die Stellplätze sind jetzt 120 statt 80 Quadratmeter groß. Alle haben Wasser- und Kabel-TV-Anschlüsse, viele auch eigene Nasszellen, die Stromversorgung wurde von vier auf zehn Ampère umgestellt. Von 1999 bis 2008 wurden 49 stationäre Caravane aufgebaut, die eher wie Häuser aussehen. Es folgten zwölf „Lodges“, Holzbauten in der Art von hochwertigen Blockhäusern – und nun also die „Delta-Zelte“.

Wachsende Zielgruppe 50+

Dass das nicht das Ende der Weiterentwicklung ist – oder besser gesagt sein kann –, steht ebenso im Konzept des Campingplatzbetreibers. Dort finden sich Projektstudien, wie es in einigen Jahren aussehen könnte, welche Bauten noch vorstellbar sind und welche Marktentwicklungen zu erwarten sind – so etwa ein starker Zulauf durch die „Generation 50+“. Zusammengefasst firmiert das alles unter dem Titel „Das neue Camping“ – oder eben auch „Glamping“. Nur so, da ist sich zumindest Twan Vermeulen sicher, kann man den düsteren Prognosen der Marktforscher wirksam entgegentreten.

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