Mit dem Staubpinsel auf Tour durch den Kölner Dom

Von: Jürgen Schön, ddp
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Köln / Dom / Bettina Grimm
Restauratorin Bettina Grimm säubert auf dem „Uhrenboden” im Südturm des Hohen Doms zu Köln eine Figur mit Pinsel und Staubsauger. Seit dreieinhalb Jahren sorgt die gelernte Steinmetzin und diplomierte Restauratorin dafür, dass sich im gotischen Gotteshaus in der Kölner Innenstadt kein Staub festsetzt. Foto: ddp

Köln. Mal eben mit einem Staubtuch oder einem Putzlappen saubermachen, das reicht bei einem herausragenden Bauwerk wie dem Kölner Dom nicht. Seit dreieinhalb Jahren sorgt deshalb die gelernte Steinmetzin und diplomierte Restauratorin Bettina Grimm dafür, dass sich in dem gotischen Gotteshaus in der Kölner Innenstadt kein Staub festsetzt.

Und das ist auch dringend nötig. „Es sammelt sich einiges an: Straßenstaub, der durch die geöffneten Türen dringt, der Ruß von Kerzen und das, was rund 20.000 Besucher am Tag hinterlassen - Textilfasern etwa oder Hautschuppen”, erzählt die Expertin. Der Staub setze sich überall fest, in Ritzen, an Eisenschnörkeln und Holzschnitzereien.

Regelmäßig dreht Grimm deshalb ihre Runde. Sie säubert die Pfeilerbasen, die Sarkophage in den Chorkapellen, die Kreuzwegstationen. Das Chorgestühl ist jeden Freitag dran, schließlich soll sich die Geistlichkeit bei den Sonntags-Gottesdiensten wohlfühlen. Zwischendurch macht Grimm Abstecher in den „Uhrenboden” im Südturm, wo Gipsmodelle und Original-Skulpturen lagern.

Mit einem kleinen Wägelchen zieht sie durch die Kathedrale. Darauf steht eine Werkzeugkiste mit zwei Dutzend Pinseln: harte und weiche, dünne und bis zu 20 Zentimeter breite. Dazu ein Skalpell, verschiedene Schwämmchen, Glasfaserstifte und eine Stirnlampe für die dunklen Ecken.

Außerdem dabei hat sie ein eher selten gebrauchtes weiches Staubtuch für große glatte Flächen, bisweilen auch etwas Steinergänzungsmasse und Pigmente zum Einfärben und Retuschieren für die seltenen Fälle, in denen Grimms Kenntnisse als Fachrestauratorin für Stein nötig sind.

Prunkstück und von vielen Touristen neidisch beäugt ist ein extrem leiser Industriestaubsauger mit extra langem Schlauch: „Damit sauge ich allen Staub sofort weg, bevor er richtig aufwirbeln und sich in meiner Nase festsetzen kann”, sagt die 41-Jährige.

Damit sie selbst nicht unter Lärm zu leiden hat, durfte sie den leisen Apparat anschaffen. Außerdem kann sie damit auch weiterarbeiten, wenn eine Führung in ihrer Nähe haltmacht. „Früher wurde ich immer gebeten, den Staubsauger kurz auszuschalten”, erinnert sie sich.

Für höher gelagerte Fälle - etwa das Chorgitter - klettert sie auf eine Leiter. Die Figuren in der „ersten Etage” fallen nicht mehr in ihren Aufgabenbereich. Das wäre zu aufwendig. Hier gibt es alle paar Jahre einen Großputz, dann werden Gerüste aufgebaut, und es kommt eine Spezialfirma. Auch die Fußböden sind nicht Grimms Revier, dafür ist das klassische Reinigungspersonal zuständig.

Obwohl Grimm im Dom mit Leidenschaft und Überzeugung Staub wischt, mag sie diese Arbeit privat weniger. Im Dom sei das aber etwas anderes, allein die großartige Architektur und die gesamte Atmosphäre beflügele, sagt sie.

Der Dom hatte es der Münchnerin schon bei ihrem ersten Besuch in Köln vor 20 Jahren angetan: „Es ist ein fantastischer Anblick, wenn man mit dem Zug ankommt”, schwärmt sie. Und so musste sie auch nur eine Nacht lang überlegen, als ihr diese Stelle angeboten wurde.
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