Missstände in der Kirche zeigen Auswirkungen

Von: Elisa Zander
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Kirchenleute müssen glaubwürdig sein: Regionaldekan Hans-Georg Schornstein. Foto: E. Zander

Roetgen. Ein abgewiesenes Vergewaltigungsopfer, Missbrauchsfälle und die damit verbundene „zögerliche und bis heute nicht ganz zufriedenstellende Aufklärung“ – über solche Dinge ärgert sich Hans-Georg Schornstein. Die Folgen hingegen, die auch in seiner Gemeinde spürbar sind, machen ihn traurig. Denn immer dann, wenn solche „Skandalfälle“ in den vergangenen Monaten bekannt wurden, sind die Kirchenaustritte deutlich gestiegen.

Das Klima ist im Moment sehr angespannt. Schornstein kann es einschätzen, denn er hat schon viel in der Kirche erlebt. Als Regionaldekan in Aachen und seit 25 Jahren als Pfarrer in Roetgen und Rott. Er merkt, dass der „Druck von außen“ auf die Gläubigen größer wird und sie sich deswegen in der Gemeinschaft nicht mehr nur wohl fühlen. „Mit diesem Druck wird die christliche Botschaft auch ein ganzes Stück verschleiert.“

Die Arbeit in der Eifel und die Menschen dort sind ihm ans Herz gewachsen. Ob er sie auch „in die Kirche holt“? So eine Frage mag er nicht. Er wolle niemanden „holen“, sondern den Menschen „zeigen, dass Glaube eine Hilfe ist“. Gottesdienste seien da nur eine von vielen Möglichkeiten. Menschen suchten – nach Sinn, Anerkennung und Raum, um Ideen zu entwickeln. „Das drückt sich in Spiritualität aus. Und das kann ich nicht an der Zahl der Gottesdienstbesucher ablesen.“

Die Gemeinschaft ist für Hans-Georg Schornstein ausschlaggebend. „Die Kirche braucht die Gläubigen, denn sie hat keinen Selbstzweck. Und sie lebt von Gesichtern“ – wie dem des Papstes als oberstem Repräsentanten.

Den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. findet der Pfarrer „mutig, konsequent und richtig. Damit bringt er auch zum Ausdruck, dass er das Amt ernst nimmt.“ Vom Nachfolger hofft Schornstein, dass er den Ortskirchen mehr Eigenverantwortung überträgt. Dass er die Denkrichtung wieder stärkt, die den Glauben nicht mit dem moralischen Zeigefinger aufdrückt, sondern authentisch überzeugt und es zulässt, kritisch hinterfragt zu werden.

Dazu gehört für Schornstein auch, dass Laien nicht aus wichtigen ehrenamtlichen Positionen der Kirche gedrängt werden. „In der katholischen Kirche gibt es Kräfte, die das wollen. Sie sagen, wir brauchen die Wiedereinführung der alten Werte. Andere sagen, und dazu zähle ich mich, dass wir uns stärker öffnen und unsere christliche Botschaft wieder mehr in die Welt hinaustragen müssen.“

Authentisch ist das Wort, das der 56-Jährige in dem Zusammenhang gerne nutzt. „Das, was wir verkünden, müssen wir auch wirklich leben.“ Sich und anderen zugestehen, nicht perfekt sein zu müssen. „Ich sehe dringenden Handlungsbedarf darin, wie wir offiziell mit Menschen umgehen, die ihr Eheversprechen nicht halten konnten und eine neue Partnerschaft eingegangen sind. Wir müssen ihnen den Zugang zu Sakramenten wieder ermöglichen, damit sie sich nicht wie Christen zweiter Klasse fühlen.“

Jesus ist für den Pfarrer da ein Vorbild. „Er hat es geschafft, einem Menschen, der gescheitert war, einen neuen Weg zu öffnen.“ Gebote und Normen seien wichtig. „Aber sie müssen in einer Entscheidung auch immer mit dem abgewogen werden, was in den Menschen wirklich vorgeht.“ Ob diese Gebote und Normen und die katholische Kirche in Deutschland überhaupt noch eine Rolle spielen? „Das ist schwer zu sagen“, findet Hans-Georg Schornstein. „Wir haben in Deutschland eine Stimme, die gehört wird. Wenn wir unsere Meinung argumentativ belegen können, hat unsere Stimme auch Gewicht.“ Darauf komme es an.

Dass das, was die Kirche sagt, auch gilt, war vielleicht früher einmal so. Aber Glaubwürdigkeit müsse man sich erst wieder erarbeiten. „Da sind wir alle gefordert. Vor allem die, die ein Amt in der Kirche haben. Und je höher das Amt, desto wichtiger ist es, dass man authentisch ist.“

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