Missbrauchte Stieftochter bekommt Schmerzensgeld

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Muss seiner Stieftochter Schmerzensgeld zahlen und medizinische Kosten erstatten: der ehemalige Kommunalpolitiker Paul H. (links), hier mit seinem Anwalt beim Prozess im Jahre 2011. Foto: Ralf Roeger Foto: Ralf Roeger

Aachen. Schmerzensgeld in Höhe von 60.000 Euro hat am Mittwoch die 8. Zivilkammer des Aachener Landgerichts der Stieftochter des ehemaligen FDP-Politikers Paul H. aus Monschau zugesprochen. H. war im Jahr 2011 vom Landgericht wegen schweren sexuellen Missbrauchs der seinerzeit 18-Jährigen verurteilt worden.

Das Mädchen war in mindestens 21 Fällen von ihrem Stiefvater Paul H. sexuell schwer missbraucht worden, so die Entscheidung der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts vom 2. Juli 2011. Es ging sogar um Vergewaltigung, die nach Auffassung des Gerichts in der Monschauer Wohnung des heute 53-jährigen ehemaligen Kommunalpolitikers stattgefunden hatte. Paul H. wurde zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt.

Am Mittwoch nun sprach die Zivilkammer des Landgerichts der heute 21-Jährigen zusätzlich zu einer Schadenersatzsumme von 60.000 Euro noch weitere Leistungen zu. Wie die Sprecherin des Gerichts, Daniela Krey, bestätigte, ist der Angeklagte auch dazu verurteilt worden, für den Ersatz von medizinischen und therapeutischen Leistungen gerade zu stehen, die die Geschädigte aufgrund der Missbrauchsfolgen in Anspruch nehmen muss. Ihr Anwalt Thomas Polhammer wollte am Mittwoch keine weitere Stellungnahme zum Fall abgegeben.

Im Laufe des Prozesses war offenbar geworden, dass der als Angestellter beim Landesbetrieb Straßen.NRW beschäftigte Angeklagte das Kind bereits ab einem Alter von zwölf Jahren missbraucht hatte. Die Mutter des Mädchens hatte im Prozess angegeben, nichts von den Übergriffen bemerkt zu haben. Die Taten fanden zumeist statt, wenn die Ehefrau mit dem Hund spazieren gegangen war.

Das Mädchen hatte sich irgendwann unter einem steigenden Leidensdruck ihrer Mutter offenbart, die dies aber zunächst nicht glauben wollte.

Paul H. hatte gegenüber der Stieftochter und ihrem jüngeren Bruder einen strengen, autoritären Erziehungsstil praktiziert. Im Prozess gab er an, das Kind habe sich dafür rächen wollen. Er leugnete die Taten bis zum Ende.

Die Berufungsinstanzen bestätigten später allerdings das Aachener Urteil. Für Paul H. hatten damals noch im Gerichtssaal die Handschellen geklickt.

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