Miss Africa Belgium: Esther Tshiaba und die Story ihres Lebens

Von: Angela Delonge
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Die 22-jährige Esther Tshiaba aus Eupen ist amtierende Miss Africa Belgium. Foto: Harald Krömer
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Zeigen Sie mal, wie es aussieht, wenn Sie tanzen.
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Wie fühlen Sie sich als Miss Africa Belgium 2014?
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Welche Vorstellung haben Sie von Afrika?
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Welches Instrument können Sie spielen?

Eupen. Fünf Töchter leben im Hause Tshiaba, und man könnte meinen, der wahre Star unter ihnen sei Lotte. Denn es dreht sich wirklich alles um diesen Neuzugang der Familie, den acht Monate alten, springlebendigen Labrador-Windhund-Mischling. Das ist verrückt, denn eigentlich ist es Esther, deren Geschichte hier erzählt werden soll. Sie ist Tochter Nummer zwei und seit Oktober amtierende Miss Africa Belgium 2014.

Dass die wunderschöne 22-Jährige diesen Titel erringen konnte, ist ziemlich erstaunlich. Denn Esther Tshiaba ist keine Belgierin, sondern Deutsche: geboren in Aachen, aufgewachsen in Stolberg, in Eschweiler zur Schule gegangen. Als Esther 15 Jahre alt war, beschlossen die Eltern, mit der Familie nach Eupen zu ziehen. Die Töchter sollten eine französische Schulbildung erhalten, schließlich ist Französisch die Muttersprache der Familie, die 1990 aus der Demokratischen Republik Kongo, einer ehemaligen belgischen Kolonie, nach Deutschland kam.

Seit September studiert die junge Frau Public Relations an der Universität von Lüttich. Ihr Berufsziel: Eventmanagerin im Kinder- und Jugendbereich, gerne auch wieder in ihrem Geburtsland Deutschland. Mit Kindern und Jugendlichen hat sie reichlich Erfahrung: Seit ihrem 19. Lebensjahr arbeitet Esther als Animateurin bei Kinder- und Jugendfreizeiten sowie Sportcamps; an ihrer Schule, der Pater-Damian-Sekundarschule (PDS) in Eupen, war sie Tanzlehrerin.

Nun ist sie Miss Africa Belgium und damit als Botschafterin für einen Verein unterwegs, der sich um benachteiligte Kinder in Belgien und Afrika kümmert. Der Verein heißt „Safari des Anges“ und ist als Wohltätigkeitsprojekt in der kongolesischen Gemeinde Lüttichs entstanden. Gründerin und Präsidentin Jeanne Cremer stammt – wie Tausende Belgier – aus dem Kongo und arbeitet bei CPSE, einer Schule für Soziale Dienste in der Provinz Lüttich.

Ferienfreizeiten, Schülerhilfe, Sprachunterricht für Kinder afrikanischer Herkunft in der Sprache ihrer Eltern – all das gehört zu den ehrenamtlichen Aktivitäten des Vereins. Zu den großen Projekten gehört der Aufbau einer Schule in Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo. Miss Africa Belgium, die erst zum zweiten Mal gekürt wurde, soll den Verein dabei medienwirksam unterstützen.

Also tut Esther Tshiaba jetzt, was eine Miss so tut. Sie tritt in der Öffentlichkeit auf, sie nimmt Spenden entgegen, wie die von Fußballnationalspieler Axel Witsel über 20 000 Euro, sie knüpft Kontakte. Zum Beispiel nach Deutschland, wo ein Kölner Verein ebenfalls Hilfe in Afrika leistet. Oder zum Verein „Aide à l‘École de Ndiemane“ in Kelmis, der den Bau einer Schule im Senegal unterstützt.

Die Jury hat mit ihr eine gute Wahl getroffen, denn Esther Tshiaba erfüllt das wichtigste Kriterium für die neue Miss Africa Belgium voll und ganz: Sie fühlt sich als afrikanische Frau vollkommen wohl in ihrer Haut. Darüber hinaus bringt sie noch so viele herausragende Eigenschaften mit, dass die Jury eigentlich gar nicht anders konnte als sich unter den fünf Finalistinnen für die junge Frau aus Eupen zu entscheiden: ihre Nationalität, ihre Internationalität, ihre vielfältigen Sprachkenntnisse, ihr Herz für Kinder und nicht zuletzt ihr selbstsicheres, elegantes Auftreten. „Bei dieser Misswahl geht es nicht um die Schönheit, sondern es geht um eine Botschaft“, sagt Esther. Genau das ist es, was sie an Miss Africa Belgium so toll findet.

Für Esther ist es die Story ihres Lebens: der Gang auf dem Laufsteg in der traditionellen Kleidung des Baluba-Stammes, die Rede als zukünftige Botschafterin von „Safari des Anges“, der klassische afrikanische Tanz auf der Bühne vor 700 Zuschauern und schließlich die Darlegung ihrer persönlichen Motive im Abendkleid – von all dem wird Esther noch ihren Enkeln erzählen.

Die eigentliche Story ihres Lebens ist aber in Wahrheit eine andere. Eine, die in frühester Kindheit für den weiteren Lebensweg der kleinen Esther entscheidend war. Diese Geschichte hat Esther damals auf der Bühne im Lütticher Palais des Congrès erzählt, und sie handelt von ihrer Mutter.

Als Kind hatte Esther eine Augenerkrankung, die nicht erkannt wurde. Das Mädchen wurde jahrelang falsch behandelt. Esthers Mutter aber gab nicht auf und schaffte es schließlich, dass ihre Tochter mit zehn Jahren am Auge operiert wurde. „Ich wäre sonst heute blind“, sagt Esther, „sie hat mir das Leben gerettet.“

Das Beharren ihrer Mutter, das Achten auf die eigenen Kinder und das Kümmern um deren Wohlergehen ist für Esther das ganz große Vorbild. Dem möchte sie nacheifern – in ihrem eigenen Leben und als Miss Africa Belgium. „Es gibt so viele Kinder, auf die niemand achtet, um die sich niemand kümmert: Das ist schrecklich.“ Als Miss Africa Belgium will sie sich für solche vernachlässigten Kinder einsetzen. Dass sie den Willen zu diesem Engagement an jenem Abend in Lüttich so überzeugend darlegen konnte, hat eben auch mit ihrer eigenen Geschichte zu tun.

Und dann ist da noch eine Story in Esthers Leben. Eine, die noch erzählt werden muss. Es ist die Geschichte von Esther und dem Land ihrer Eltern, in dem die junge Deutsche noch nie gewesen ist. Diese Story nimmt im Sommer ihren Anfang. Wenn Esther nach Kinshasa fliegt und den Bau einer Schule begleitet, den der Verein „Safari des Anges“ unterstützt. Dann beginnt ein weiteres Kapitel im Leben der Miss Africa Belgium. Es erzählt die Geschichte von Esther Tshiaba und Afrika.

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