Mirco-Prozess: Eine schmale Tür für den Angeklagten

Von: Ulrike Hofsähs, dpa
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Fall Mirco
Ein Spielauto steht auf der Grabstelle des getöteten Mirco auf dem Friedhof in Grefrath. Monatelang bangte die Öffentlichkeit um den verschwundenen zehnjährigen Mirco aus Grefrath, bis sich die schlimmsten Befürchtungen bestätigten. In Krefeld kommt nun sein mutmaßlicher Mörder vor Gericht. Foto: dpa

Krefeld. Raum 167 ist der größte im majestätischen Bau des Landgerichts Krefeld. Über dem Schwurgerichtssaal schwebt eine helle Kuppeldecke. Links neben der Richterbank versteckt sich in der holzvertäfelten Wand eine kleine Tür.

Durch diesen betont schmalen Eingang kommen die Angeklagten.

Auch Olaf H. betritt am Dienstag in dem fast 100 Jahre alten, Ehrfurcht heischenden Bau so den Gerichtssaal. Einen Schritt weiter steht, abgetrennt durch ein Holzgitter, die Anklagebank. Hier wird der mutmaßliche Mörder des zehn Jahre alten Mirco an 15 Verhandlungstagen sitzen. In der Reihe davor sein Anwalt. Das Verfahren ist auf knapp drei Monate ausgelegt. Die meisten Termine sind im September geplant.

Die 2. große Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Herbert Luczak (59) will zunächst den Angeklagten hören. Vom Verlauf hängt wohl die Länge des Verfahrens ab. Der angeklagte Familienvater aus dem nur 23 Kilometer entfernten Schwalmtal hatte bei der Polizei gestanden, den blonden Jungen getötet zu haben.

Für die Beweisaufnahme hat die Kammer rund 40 Zeugen benannt. Die meisten kommen aus dem Umfeld von Olaf H. oder sind Polizisten. Auch die Mutter des toten Mirco wird gehört, ebenso ein psychiatrischer Gutachter.

Ermittelt hat in dem spektakulären, traurigen Fall die Mönchengladbacher Sonderkommission. Aber die Polizisten haben Olaf H. seit Anfang Februar nicht mehr vernommen. „Die Fragen der Polizei waren beantwortet, alles andere war Sache der Anklagebehörde”, sagt Polizeisprecher Willy Theveßen. Schon gut eine Woche nach der Festnahme hatte die Polizei mitgeteilt, Olaf H. habe mehrfach verschiedene Angaben über die Tatumstände gemacht. Sein angebliches Motiv - die Tötung des Jungen aus Frust über Stress im Beruf - hatte sich als falsch entpuppt: Der Chef war zu der Zeit im Urlaub.

Das Landgericht Krefeld in seinen wuchtigen Mauern steht vor einem Mammutprozess. Ein vergleichbares Interesse gab es seit Jahrzehnten nicht, sagt Pressedezernent Tim Buschfort. Meistens schauen sich nur wenige Unbeteiligte einen Prozess an. „Jetzt rufen sogar Leute an und fragen, ob man noch einen Platz im Gerichtssaal haben kann.” Knapp die Hälfte der 82 Stühle im Saal ist für Berichterstatter reserviert.

Hinter dem Gericht liegt das Untersuchungsgefängnis aus dem Jahr 1893. „Olaf H. sitzt nicht hier”, sagt Buschfort. Der 45-Jährige wird aus einer anderen Haftanstalt gebracht. Im Hof des Gerichts gibt es eine separate Tür zum Trakt mit der Wartezelle. Von dort geht der Angeklagte über eine abgeschirmte Treppe direkt in den Gerichtssaal 167 in den ersten Stock.
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