Minister verneint Einsatzpannen bei der Loveparade

Von: dpa
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Loveparade
Kurz vor dem Unglück bei der Loveparade am 24.07.2010 stehen Menschen dicht gedrängt an einem Tunnelausgang in Duisburg. Die Aufklärung der Loveparade-Katastrophe ist eine Mammutaufgabe. In den drei Monaten nach dem Unglück wurden schon über 700 Menschen vernommen. Um das Leid der Hinterbliebenen kümmern sich weiterhin Seelsorger. Noch immer sind psychisch Verletzte in Behandlung. Foto: Daniel Naupold, dpa

Düsseldorf. Bei der Loveparade-Tragödie von Duisburg haben Handynetzstörungen den Polizeieinsatz nach Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums nicht beeinträchtigt. Zum Zeitpunkt der Katastrophe seien keine Kommunikationsprobleme mit Polizei-Handys bekanntgewesen, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwoch in einer Fragestunde des Düsseldorfer Landtags.

Zu dem tödlichen Gedränge sei es gegen 17 Uhr gekommen. Handy-Probleme seien dem Einsatzleiter erst nach 19 Uhr gemeldet worden. Bei der Massenpanik waren 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden.

Aufgrund eines Spezialvertrags mit einem Mobilfunkanbieter seien Polizeigespräche innerhalb des völlig überlasteten Netzes bevorzugt durchgeleitet worden, während private Besucher nicht mehr telefonieren konnten. Für die Polizei sei eine eigene UMTS-Frequenz geschaltet worden.

„Da hätte keine Polizeikette standhalten können”

Jäger wies erneut Spekulationen zurück, Ursache für die Tragödie am 24. Juli könnte der Abzug einiger Hundertschaften am Nachmittag gewesen sein. „Es hat zu keinem Zeitpunkt an Einsatzkräften gemangelt”, bekräftigte Jäger. Vielmehr habe der Veranstalter nicht die verabredeten Maßnahmen umgesetzt. „Die Schleusen wurden nicht geschlossen. Da hätte keine Polizeikette standhalten können.”

Detailfragen zum Einsatz der Hundertschaften und zu polizeilichen Sperrketten in den Tunneln und auf der Rampe beantwortete Jäger nicht. Sowohl die Staatsanwaltschaft in Duisburg als auch der Generalstaatsanwalt in Düsseldorf hätten davor gewarnt, Einsatzunterlagen zu veröffentlichen, weil dies vor allem polizeiliche Zeugen beeinflussen könne.

Jäger war am Tag der Tragödie selbst zwischen 15 und 17 Uhr bei der Loveparade. „Ist es normal, dass der Innenminister das Gelände verlässt, nicht wissend, dass es gleichzeitig zu einer solchen Tragödie kommt?”, fragte FDP-Landtagsfraktionschef Gerhard Papke.

Jäger hatte erst beim Eintreffen zu Hause erste Hinweise auf mögliche Todesopfer erhalten. „Ich bin sofort zurückgeeilt als ich von Toten erfahren habe - wie auch die Ministerpräsidentin”, berichtete er dem Landtag. „Es war aber vorrangig, erst die Rettungsmannschaften dahin zu bringen und dann den Innenminister zu informieren.”

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