Miniatur-Analyse: FH hat Labor im Scheckkartenformat

Von: Axel Borrenkott
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Dr. Torsten Wagner, FH Aachen (jülich). Foto: Andreas Herrmann

Jülich. „Praktisch gut. Theoretisch auch“, lautet der neue Werbeslogan der FH Aachen. Dazu gibt es auch gleich ein neues Gesicht. Torsten Wagner (35) gehört es, und der darf jetzt 1,2 Millionen Euro ausgeben, um die FH auf neue wissenschaftliche Höhen zu treiben. Und das könnte auch einmal Krebspatienten zugute kommen.

Den nötigen Ehrgeiz, diese Ziele zu erreichen, dürfte Wagner auf jeden Fall haben. Begonnen hatte der gebürtige Mönchengladbacher seine Karriere als Azubi seiner heutigen Wirkungsstätte im Campus Jülich der FH. Nach seiner Lehre als Physiklaborant machte er sein Fachabitur, sodann sein Diplom in Elektrotechnik an der FH, schließlich 2008 seinen Doktor am Institut für Nano- und Biotechnologien (INB) von Michael Schöning, in Kooperation mit der Universität Marburg.

Wagner wird am INB eine Forschergruppe zusammenstellen und leiten, die so etwas wie ein Labor in Scheckkartengröße entwickelt. Das Besondere an diesem „Lab on Chip“ ist es, dass die Analysen, die man darauf macht, optisch gesteuert werden. Neuartige Lichtquellen wie organische Leuchtdioden erlauben es, mit höchster Präzision Funktionen auf dem Chip, der Analyseplattform zu aktivieren.

Als eine mögliche Anwendung „in einer langfristigen Perspektive“ stellen Wagner und die FH heraus, dass mit diesem Verfahren die Wirkung verschiedener Chemotherapie an Tumorzellen, die man auf den Chip aufgebracht hat, getestet werden könnten. Eine Methode also, die es erlaubt, im Sinne einer „personalisierten Medizin“, exakt, den Patienten schonend und auch kostengünstig den optimalen Medikamentenmix herauszufinden.

Dieses „Opto-Switch“ genannte Projekt hat das Bundesforschungsministerium derart beeindruckt, dass man es im Rahmen seiner „High-Tech-Strategie 2020“ als eines von sieben dieses Jahres für die Förderung ausgesucht hat. Was die FH besonders freut: Die aus insgesamt fünf Nachwuchsforschern bestehende Gruppe ist eine der ersten dieser Art, die an einer Fachhochschule angesiedelt wird.

Den Zuwendungsbescheid über 1,2 Millionen Euro für das zunächst auf vier Jahre angelegte Projekt überbrachte jetzt der dafür zuständige parlamentarische Staatssekretär des Ministeriums. Diese „Exzellenz-Maßnahme“, hob Thomas Rachel hervor, habe nicht zuletzt den Zweck, deutsche Forschung und den Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig und hier tätige Wissenschaftler im Lande zu halten. Und dafür, wie engagiert und erfolgreich sich die Forschung an den Fachhochschulen entwickele, sei das Projekt von Wagner „ein bestes Beispiel“.

Wagner hat nichts Geringeres vor, als an seiner FH mit seiner Forschung einen neuen „wissenschaftlichen Schwerpunkt zu etablieren“. Die Voraussetzungen scheinen in der Tat günstig, dass sein Labor als achte Abteilung des Instituts für Nano- und Biotechnologien dessen Erfolgsgeschichte fortschreiben wird. In den erst fünf Jahren seines Bestehens hat das INB, wie Prof. Schöning nicht ohne Stolz präsentiert, „fast 200 Publikationen“, von denen neun zu den bestbewerteten Arbeiten ihrer Gebiete zählen, sowie zehn Doktoranden hervorgebracht.

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