Mindesthaftdauer des Geiselnehmers Rösner bald zu Ende

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Gladbecker Geiselnehmer Hans-Jürgen Rösner könnte 2016 aus dem Gefängnis entlassen werden. Symbolbild: Colourbox

Aachen. Der Gladbecker Geiselnehmer Hans-Jürgen Rösner (58) sitzt seit Juni 2013 in der Aachener JVA. Und während sein einstiger Kumpan Dieter Degowski seit Mitte 2014 bereits mit Haftlockerungen wie Ausführungen auf eine mögliche Entlassung vorbereitet wird, ist Mittäter Rösner nach wie vor meilenweit davon entfernt.

Nach einem jetzt erstellten psychiatrischen Gutachten werden Rösner nach Informationen des „Focus“ weiterhin „ausgeprägte psychopathische Züge“ und ein kaum vorhersehbares Verhalten attestiert.

Das bringt Rösners Aachener Anwalt Rainer Dietz in Rage. Nicht nur, weil ein solches Ergebnis mit Nachteilen für seinen Mandanten verbunden sein könnte: „Wenn ich als Arzt einen solchen Fall bekomme, dann nehme ich mir mehr als nur knappe zwei Stunden Zeit“, sagt Dietz und kritisiert damit den Gutachter Prof. Ulrich Trenckmann.

Die Exploration seines Mandanten sei viel zu kurz geraten. Der ärztliche Leiter der LWL-Klinik in Hemer habe nach Meinung des Strafverteidigers zudem „grundlegende Regeln der Begutachtung“ außer Acht gelassen. Ihm fehlen nachprüfbare psychologische und psychiatrische Tests, die objektiv die Gefährlichkeit oder Nichtgefährlichkeit seines Mandanten belegen könnten.

Der Vorsitzende der Strafvollstreckungskammer am Aachener Landgericht, Richter Holger Brantin, verteidigte das angegriffene Gutachten, es sei außerdem nicht für alle Zukunft maßgeblich. „Für die Überprüfung nach der Mindesthaftdauer wird es ein neues Verfahren geben“, sagte Brantin, es werde zudem ein neuer Gutachter bestellt.

Sicher ist Rösner in den langen Jahren der Einzelhaft nicht kommunikativer geworden. Wickelte der Gangster 1988 auf der Flucht Journalisten noch scheinbar mühelos um den Finger, wurde er im Haftalltag nach Angaben seines Anwalts zunehmend einsilbiger. Brüsk habe er immer wieder Therapien abgelehnt. Inzwischen aber stimme er einer Einzeltherapie zu, sagte Dietz erleichtert.

25 Jahre im Gefängnis

Dabei habe er die lange Haftzeit von rund 25 Jahren beinahe ohne Beanstandung hinter sich gebracht und regelmäßig gearbeitet. Nur 2005 gab es einen Vorfall in Zusammenhang mit Drogen. Im vergangenen Jahr dann standen plötzlich doch mögliche Ausführungen Rösners auf der Tagesordnung. Aus Angst vor medialer Öffentlichkeit durften sie aber dem Häftling nicht angekündigt werden. Der einst knallharte Gangster protestierte, er müsse sich schon ein wenig auf „Draußen“ vorbereiten.

Seine einstige völlige Blockadehaltung habe er aufgegeben, wohl auch deswegen, weil es bis zum Termin der von einem Gericht angeordneten Mindesthaftdauer von 26 Jahren nur noch etwa ein Jahr Zeit ist. So könnte Rösner ab dem 29. August 2016 erstmals bei der zuständigen Strafvollstreckungskammer beantragen, auf Bewährung freigelassen zu werden.

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