Düsseldorf - Millionenschwere Betrugsaffäre: PR-Manager vor Gericht

Millionenschwere Betrugsaffäre: PR-Manager vor Gericht

Von: dpa
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Prozess gegen ehemalige Henkel-Mitarbeiter
Der Angeklagte Kai von B. (rechts) sitzt in Düsseldorf im Landgericht und spricht mit seinem Anwalt Norbert Gatzweiler. Dort begann der Prozess gegen zwei ehemalige Henkelmitarbeiter, die den Konzern um mehrere Millionen Euro betrogen haben sollen. Foto: dpa

Düsseldorf. Wirtschaftsbetrug in zweistelliger Millionenhöhe: Ein 43-jähriger PR-Manager und früherer Chefredakteur steht seit Mittwoch in Düsseldorf vor Gericht. Er soll mit zwei Komplizen 45 Millionen Euro schwere Forderungen gegen den Henkel- Konzern erfunden, entsprechende Belege gefälscht und die Forderungen verkauft haben.

Die Käufer, Finanzunternehmen aus Hamburg und Hürth bei Köln, blieben auf einem Schaden von 15 Millionen Euro sitzen.

Gleich nach Verlesung der Anklage zogen sich die Prozessparteien zu einem Rechtsgespräch hinter geschlossenen Türen zurück. Das wurde allerdings ohne Ergebnis vertagt, berichtete ein Gerichtssprecher.

Der PR-Mann kann darauf hoffen, von der Kronzeugenregelung zu profitieren und mit einer vergleichsweise geringen Strafe davonzukommen. Er hatte über seinen Anwalt Selbstanzeige erstattet. „Man muss fairerweise sagen, dass er damit die Ermittlungen losgetreten hat. Wir wussten bis dahin nichts davon”, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Möllmann.

Zuvor hatte Möllmann in seiner Anklage berichtet, wie Kai von B. (43) mit zwei Komplizen ein lukratives Schneeballsystem installiert habe: Die Männer erfanden diverse Sportsponsoring-Verträge für Weltmeisterschaften oder „Jugend trainiert für Olympia” und verkauften die daraus resultierenden Forderungen, betrieben also über Zwischenfirmen sogenannte Factoring-Geschäfte. Die Beträge wurden immer größer, erreichten schnell Millionenhöhe. Mit neuen Deals wurden alte beglichen und nebenbei Luxus-Limousinen und Leben in Saus und Braus finanziert.

Kai von B. verdiente bei Henkel fast 5000 Euro Netto im Monat. Dennoch soll er die Unterschrift des Henkel-Finanzvorstands gefälscht haben, um seine Einkünfte zu erhöhen. Nun ist er wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs angeklagt - Höchststrafe zehn Jahre.

Kai von B. trägt Designer-Jeans, weißes Hemd zum Sakko und dunkle Krawatte. Schon als Schüler in Ostwestfalen fuhr er Sportwagen. Als Radiomoderator bewies er Redetalent, wurde Chefredakteur diverser lokaler Radiosender und wechselte schließlich ins PR-Business. Bei Henkel war er für das Sport-Sponsoring zuständig.

Irgendwann lernte er Willy L. kennen, einen vorbestraften Betrüger und Hochstapler, der Ende der 90er Jahre als vermeintlicher Wirtschaftsanwalt Dr. Maximilian Jung sogar Bundesminister narrte und für seine Zwecke einspannen konnte.

830 000 Euro soll Kai von B. von seinen Komplizen als Bank- Überweisungen erhalten haben. Daneben soll er auch mit Bargeld und Luxussportwagen versorgt worden sein, um sich seinen „gehobenen Lebensstil” zu finanzieren. Die Summen bestreitet er.

Willy L. sei der Kopf des ganzen Unternehmens gewesen, sagt Möllmann. Bevor er vor kurzem an Krebs starb, habe er noch einmal „reinen Tisch” gemacht und ausgepackt.

Während Kai von B. immerhin Teile der Anklage eingeräumt hat, ist der dritte im Bunde weniger gesprächig: Ein 47-jähriger Kaufmann, der zusammen mit Kai von B. auf der Anklagebank sitzt, hat die Vorwürfe bestritten und ansonsten geschwiegen. 13 Verhandlungstage hat das Landgericht angesetzt, um über Schuld oder Unschuld zu befinden.

Für den ganz großen Coup müssen sich die beiden Angeklagten aber nicht mehr verantworten: Die Ermittlungen wegen ihres 90-Millionen- Euro-Deals für den vermeintlichen Einstieg Henkels in das Formel-1- Sponsoring sind inzwischen eingestellt. Das Geschäft hatte zu Irritationen zwischen Daimler und Henkel geführt. Strafrechtlich sei es aber im Vorbereitungsstadium und bei kleineren Urkundenfälschungen geblieben, sagte der Staatsanwalt. Henkel und der Daimler-Rennstall Brawn GP haben inzwischen auf gegenseitige Ansprüche verzichtet.

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