Millionenbetrug aus der JVA heraus?

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Dreister Coup hinter Gittern geplant: Aus der JVA Aachen heraus inszenierte ein Gefangener offenbar einen groß angelegten Anlagebetrug. 900 Geschädigte sollen insgesamt drei Millionen Euro verloren haben. Der Fall wird in wenigen Monaten in Aachen verhandelt. Foto: Jaspers

Aachen. Unglaublich, dass so etwas passieren kann - aber es ist offenbar passiert: Ein Langzeitgefangener soll aus der Aachener Justizvollzugsanstalt heraus rund 900 Geschädigte um drei Millionen Euro geprellt haben.

Mehr noch: In Manier eines Verbrechergenies wie der Kunstfigur Dr. Mabuse soll er dabei aus der Gefangenschaft heraus ein Netz von Komplizen gesteuert haben. Schon bald - wahrscheinlich ab Mai - wird dieser Fall vor der großen Wirtschaftskammer des Aachener Landgerichts um deren Vorsitzenden Richter Harald Brandt verhandelt.

Und es könnte nach dem noch laufenden Heckhoff/Michalski-Prozess und dem jüngst beendeten Boere-Verfahren bereits der dritte Mammutprozess in kurzer Zeit für das Aachener Gericht werden. Gerechnet wird angesichts der Vielzahl der Opfer und damit potenziellen Zeugen mit möglicherweise bis zu 50 Verhandlungstagen - das Heckhoff/Michalski-Verfahren ist zum Vergleich derzeit bei knapp 40 Tagen angelangt.

Haupttäter ein ehemaliger Jurist

Der Wirtschaftskrimi, der jetzt zur Verhandlung ansteht, hat noch einige interessante Nebenaspekte. Einer von fünf Angeklagten in diesem Zusammenhang ist ein bekannter Aachener Anwalt, der gegen Zahlung von 40.000 Euro die Gelder aus dem Anlagebetrug beiseite geschafft haben soll - teils ins Ausland. Die Staatsanwaltschaft hegt gegen ihn den Verdacht der „banden- und gewerbsmäßigen Geldwäsche”. Ob sein Fall allerdings mit vor der Wirtschaftskammer verhandelt wird, ist noch offen. Bislang liegt dieses Verfahren bei der 8. großen Strafkammer, weil es noch weitere Anklagepunkte abseits des Betrugsfalls gibt.

Vier Angeklagte werden aber auf jeden Fall vor Richter Brandt sitzen. Der mutmaßliche Haupttäter ist dabei ein ehemaliger Jurist, der bereits mehrfach wegen Betruges verurteilt wurde und dafür etliche Jahren „gesessen” hat. Im Jahr 2004 wurde er bislang letztmals zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt - und bekam noch die „Sicherungsverwahrung” obendrauf. Weil es diese laut der Gesetzesnovelle des Bundes für Betrüger nun nicht mehr gibt, hegte die Staatsanwaltschaft die Befürchtung, dass der Mann aus der JVA marschiert, bevor der neue Prozess beginnt. Es wurde Haftbefehl beantragt. Der Mann sitzt nun in Untersuchungshaft.

Den breit angelegten Anlagebetrug soll der Angeklagte im Knast geplant und von dort aus auch inszeniert haben. Drei Komplizen sollen die „Produkte” vornehmlich in Süddeutschland an die Kunden gebracht haben, die dabei offenbar auf exorbitante Renditeversprechen als Köder hereinfielen. Nur in Einzelfällen sollen sie später Geld zurückbekommen haben. Über ein von dem Anwalt eröffnetes Konto soll das Geld dann weitergeleitet worden sein, glaubt die Staatsanwaltschaft.

Für die ohnehin stark belastete große Wirtschaftsstrafkammer könnte der Mammutprozess - so er tatsächlich die befürchtete Länge hat - bedeuten, dass andere wichtige Verfahren nach hinten rutschen müssen. Die Kammer muss überdies immer wieder auch bei Prozessen außerhalb ihres eigentlichen Aufgabenbereichs einspringen, bei denen Angeklagte in Untersuchungshaft sitzen.

Für diese Verfahren gilt ein „Beschleunigungsgebot”, weil die U-Haft an zeitliche Grenzen gebunden ist. Nach sechs Monaten gibt es eine Haftprüfung durch das Oberlandesgericht, die Maximaldauer der Untersuchungshaft beträgt zwölf Monate. Jüngst konnte die Wirtschaftskammer aber nach Auskunft von Gerichtssprecher Georg Winkel einiges an „Altfällen” abarbeiten.
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